Bundesverdienstkreuz für Hilde Kilian

06.12.09

Internationalen Tag des Ehrenamtes – Ersatzmutter und Vertrauensperson für Probleme im Vollzug

Aus den Händen von Ministerpräsident Günther Oettinger erhielt Hilde Kilian das Bundesverdienstkreuz. (Foto: Staatsministerium)

Stuttgart/Adelsheim. (bd) „Unsere Gesellschaft braucht Frauen wie Sie künftig sogar dringender denn je!“ beschloss Landrat Dr. Achim Brötel seinen Dank und Glückwunsch an eine Frau, die in Baden-Württembergs zentraler Jugendstrafanstalt jedermann als die „Knast-Oma“ kennt. Hilde Kilian konnte am vergangenen Samstag – am Internationalen Tag des Ehrenamtes – einen Ehrentag feiern. Im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart wurde ihr von Ministerpräsident Günter Oettinger der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Im Beisein von Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Klaus Gramlich sowie ihrer drei Töchter und der Freizeitpädagogin der JVA, Irmtraud Friedlein, nahm sie die Ehrung tief gerührt entgegen. Vorgeschlagen hatten Sie das Justizministerium und die JVA Adelsheim. Seit 1975 geht sie dort ununterbrochen aus und ein, als ehrenamtliche Freizeitgruppenanleiterin und darüber hinaus umfassend in der Gefangenenbetreuung engagiert.

Die seit 1965 mit Ihrer Familie in Adelsheim lebende gebürtige Paderbornerin ist gelernte Floristin. Bereits bei der Volkshochschule im floristisch-kreativen Bereich tätig wurde sie 1975 vom damaligen stellvertretenden Anstaltsleiter Dr. Best, der in ihrer Nachbarschaft wohnte, gefragt, ob sie zu einem Engagement in der neu errichteten Jugendvollzugsanstalt bereit sei. Unmittelbar darauf wurde von Hilde Kilian die sogenannte „Blumensteckgruppe“ gegründet, die sie seither regelmäßig – im Schnitt zweimal wöchentlich – anleitet. Die Erzeugnisse dieser Freizeitgruppe,  in erster Linie Blumen- und Pflanzengestecke zur Jahreszeit entsprechenden Raum- und Tischdekoration, inzwischen auch kunsthandwerkliche Kleinskulpturen, waren gerade wieder beim jährlichen Weihnachtsbasar zu bewundern. Ihr Verkauf dient zugleich der Refinanzierung der Freizeitgruppen.

Kilians Bereitschaft sich fachlich qualifiziert in die Arbeit des Jugendstrafvollzugs einzubringen ging von Beginn an weit über ihre Tätigkeit als Freizeitgruppenanleiterin hinaus. In seinem Vorschlagsschreiben an das Justizministerium rühmte der kürzlich ausgeschiedene Anstaltsleiter Dr. Joachim Walter „Humor, Kontaktfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Glaubwürdigkeit sowie eine grundlegend positiven Lebenseinstellung“ als ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale.  Mit enormem Engagement bemühe sich Frau Kilian umfassend um die Belange ihrer Gruppenmitglieder. Hilde Kilian gelte bei Bediensteten wie Gefangenen als immer verlässliche, ideenreiche und aktive Mitarbeiterin, die umfassendes Vertrauen genieße.  „Sie ist Ersatzmutter und Vertrauensperson für Probleme im Vollzug, vermittelt aber auch bei familiären Schwierigkeiten, hilft verloren gegangene Bindungen wieder in Gang zu bringen und zu festigen“, so Walter weiter. So ermöglichte sie einer beträchtlichen Zahl von Insassen Vollzugslockerungen, in dem sie ihnen die Gelegenheit bot diese alleine oder mit Angehörigen auch im Umfeld ihrer eigenen Familie, die ihr Engagement umfassend unterstützte, wahrzunehmen.

Ministerpräsident Günther Oettinger dazu in seiner Laudatio: „Ihre engen Kontakte wirken vielfach weit über deren Haftentlassung hinaus. „Andern ein Sonnenschein sein, das ist in dunklen Tagen eine doppelt wichtige Aufgabe“, sagte Friedrich von Bodelschwingh. Ich habe den Eindruck, dass dies nicht nur im Ehrenamt Ihr Leitspruch ist. Viele Jahre haben Sie auch Ihre schwerkranke Schwiegermutter betreut, und waren 25 Jahre Kursleiterin der Volkshochschule Buchen“.

Ehrenamtsaktivisten wie Hilde Kilian, die mit 19 weiteren Engagierten aus dem ganzen Land ausgezeichnet wurde, nannte der Ministerpräsident unverzichtbare „Korsettstangen der Gesellschaft!“

Landrat  Dr. Achim Brötel zu Hilde Kilian: „Gerade Ihre wertvolle Arbeit in der Justizvollzugsanstalt Adelsheim hat maßgeblich dazu beigetragen, dem Jugendvollzug ein menschliches Gesicht zu geben und die in diesem Bereich besonders wichtigen Vollzugsziele im wahrsten Sinne des Wortes mit Leben zu erfüllen. Insofern kann das, was Sie dort in der ganz alltäglichen Arbeit geleistet haben, gar nicht hoch genug bewertet werden“.

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