2.220 „Knackis“ zum Hauptschulabschluss geführt

10.12.09

Peter Rupp letztmals dabei – An nahezu 70 Prüfungen beteiligt

Unser Bild zeig von links: den Leiter der JVA Adelsheim, Rainer Goderbauer, Peter Rupp und Rektor Udo Helbig auf dem in der Anstalt gefertigten Rentnerbänkchen. (Foto: Brauch-Dylla)

Adelsheim. (bd) „Ich bau ne Stadt für Dich“ ließ die Knastband zum Beginn der Winter – Hauptschulabschlussfeier in der Jugendvollzugsanstalt erklingen – für einen Akteur, der seit 1976 am Bildungsgebäude JVA engagiert mitgebaut hatte, war es der vorletzte Arbeitstag. Nahezu 70 Kurse konnte Sonderschullehrer Peter Rupp seit seinem Dienstbeginn im August 1976 auf die Hauptschulprüfung in der Anstaltsschule vorbereiten, Halbjahreskurse ohne Ferien und mit dichtem, individuellem Lernplan. Die enorme Erfolgsquote und –zahl, auch nun waren wieder 33 von 34 Prüflingen erfolgreich, beeindruckte den neuen Anstaltsleiter Rainer Goderbauer deutlich und er sparte nicht an Lob und Dank den Schülern und dem Kollegium von Schulleiter Udo Helbig gegenüber. Goderbauer, Helbig und Rupp betonten, dass die Absolventen mit Stolz auf ihre Leistung schauen könnten. Unter den belastenden Bedingungen der Haft hätte sie eine Basisqualifikation für ihren weiteren schulischen und beruflichen Werdegang gelegt.


Mit Geduld, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen und Unterstützung von Lehrern und Mitschülern seien auch Durststrecken und Durchhänger überwunden, die Anstrengungen nun durch den Erfolg belohnt worden. Die Prüfungslehrer, die jährlich zum Sonderprüfungstermin rund um den Nikolaustag von den umliegenden Hauptschulen entsandt werden, hätten Leistung und Verhalten der Prüflinge sehr gelobt. Auch den Prüfern galt der Dank der Anstalt und an die Gefangenen gewandt machte der Anstaltsleiter Mut: „Sie haben nun bessere Bewährungschancen in der Zeit nach der Haft, das ist wissenschaftlich erforscht!“
„Ich hätte zum Abschied gerne eine Schnapszahl von Abschlüssen gehabt“ begann Peter Rupp seine Abschiedsrede, „leider sind es nun „nur“ 2.220 Absolventen geworden“. Dass er das ihm von Schulleiter Helbig bescheinigte große Engagement auch in seinem Abschiedskurs aufbrachte, wurde bei der Verleihung des Klassenpreises durch ihn deutlich. „Für mich geht ein Traum zu Ende. Der Traum zu Helfen, jemanden zu Zielen zu führen!“. Rupp prämierte nicht den Durchschnitts-Besten, sondern den sichtlich gerührten Chalil K., „ denn weder Sie noch ich hätten vor vier Monaten geglaubt, dass Sie es schaffen und heute hier bestehen!“.

Dankbar nahm der in Schefflenz wohnende, gebürtige Heidelberger die Laudatio des Schulleiters, der neben seinem Engagement Freundlichkeit und Verlässlichkeit hervorhob, entgegen. Unter dem Beifall der Schüler nahm er das Abschiedsgeschenk des Kollegiums, ein in der Lehrschreinerei der Anstalt gefertigtes Rentnerbänkchen, in Besitz und ließ sich mit Anstalts- und Schulleiter probeweise darauf nieder.

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