Kindertagespflege – neue berufliche Perspektive?

26.12.09

Tagesmutter Karola Seitz aus Billigheim-Sulzbach im Kreise „ihrer“ Kinder: Langeweile kommt da ganz sicher nicht auf. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. Ob Hausfrau, Haushaltführende oder neudeutsch „Manager/in eines gutgehenden kleinen Familienunternehmens“ – es gibt viele Frauen und wenige Männer, die gerne und aus Überzeugung oder auch aus Mangel an anderen Gelegenheiten zuhause bleiben, um die Kinder zu erziehen und die Hausarbeit zu übernehmen. Wer hier noch „Kapazitäten“ frei hat, über einen guten Draht zu Kindern verfügt und außerdem gerne ein paar Euros dazuverdienen würde, für den könnte die Übernahme einer Kindertagespflege interessant und letztendlich auch sehr erfüllend sein.

Tatsächlich ist die Kindertagespflege mittlerweile neben den Kindertageseinrichtungen wie Hort oder Kindergarten ein ergänzendes Angebot der Kinderbetreuung, das sich immer  weiter zu einem eigenständigen Berufsfeld entwickelt. Eltern können für ihre Sprösslinge wählen, was ihren Bedürfnissen am besten entspricht: der Kindergarten oder die Tagesmutter/-vater. Und auch das Jugendamt nutzt diese Betreuungsmöglichkeit für Kinder, die zumindest zeitweise fremdbetreut werden sollen, als „Erzieherische Tagespflege“. Die unterscheidet sich aber in wichtigen Punkten von der „normalen“ Tagespflege, über sie wird gesondert berichtet.



Gerade bei noch recht kleinen Kindern punktet die Tagespflege mit einer familiennahen Betreuung, bei der individuelle Bedürfnisse sehr gut berücksichtigt werden können. Die Betreuungspersonen übernehmen dabei zweifellos eine große Verantwortung: sie begleiten als wichtige Bezugsperson die Kinder in verschiedenen Phasen ihres Lebens und sind nicht nur für die reine Betreuung und Versorgung, sondern auch für deren frühkindliche Bildung und Entwicklungsförderung zuständig.  Ohne ein Minimum an entsprechendem Fachwissen geht das nicht. Zur Vorbereitung auf diese Tätigkeit muss ein spezieller Qualifizierungskurs (vier Module mit insgesamt 160 Unterrichtseinheiten) absolviert werden, der in regelmäßigen Abständen gegen einen geringen Unkostenbeitrag vom Tagesmütterverein in Mosbach und Hardheim angeboten wird. Und natürlich müssen verschiedenen Grundvoraussetzungen erfüllt sein: außer der Freude am Umgang mit Kindern sind das physische und psychische Belastbarkeit, ausreichend Platz, Zuverlässigkeit, Flexibilität, die Bereitschaft zur Kooperation vor allem mit den Eltern und natürlich auch die Akzeptanz durch die restlichen Familienmitglieder.  Die Tagespflege selbst kann dann in ganz unterschiedlichen Formen erfolgen: im eigenen Haushalt, im Haushalt der Eltern, in eigens dafür angemieteten Räumen und natürlich über unterschiedliche Zeiträume, je nach Bedarf. Reich werden können Tagesmütter oder –väter kaum: der Verdienst beläuft sich auf rund 4 Euro pro Kind und Stunde, bei einer privaten Finanzierung – also nicht über das Jugendamt – kann auch mehr ausgehandelt werden.

Ab 2013 hat jedes Kind nach Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. 30 Prozent dieser Plätze sollen über die Tagespflege abgedeckt werden – ein „Markt“ also mit Zukunftschancen. Deshalb ist es wichtig, immer wieder neue engagierte Tagesmütter oder –väter zu finden, die sich vorstellen können, diesen Beruf möglichst langfristig – auch dieser Aspekt ist wichtig – auszuüben.

Wer Interesse an dieser Tätigkeit hat, kann sich völlig unverbindlich und ausführlich im Landratsamt – Jugendhilfe – beraten lassen. Ansprechpartnerin für den Bereich Mosbach ist Nadine Polk (Telefon 06261/842106) , für den Bereich Buchen ist Annette Jochims-Bradula (06281/52122103) zuständig. Dorthin können sich auch Eltern wenden, die für ihren Nachwuchs eine Tagesmutter oder –vater suchen. Ebenso gut aufgehoben sind Interessierte beim Tagesmütterverein NOK e.V.. Hier ist Tanja Siebert-Weiß Ansprechpartnerin für den Bereich Mosbach (Telefon 06261/899928) und für Buchen/Hardheim kann Monika Sorg (Telefon 06283/215129) qualifiziert Auskunft geben.

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