Festbankett zum 650-jährigen Jubiläum

26.06.10

Dielbach. Im Jahr 1360 wurde der Waldbrunner Ortsteil Oberdielbach als „Tilbuch“ erstmals in einer alten Urkunde erwähnt, aber bereits in früherer Zeit mussten Menschen auf dem Winterhauch unterwegs gewesen sein, wie der Fund eines prähistorischen Steinbeils im Jahr 1927 beweist, ließ Archivar Dr. Rüdiger Lenz die Gäste des Festbankett wissen.

Mit diesem Bankett, zu dem Ortsvorsteher Herbert Bachert und Bürgermeister Klaus Schölch viele Ehrengäste begrüßen durften, wurden am Freitag die Feierlichkeiten zum 650-jährigen Jubiläum eröffnet.

Während Archivar Dr. Lenz die ersten sechs Jahrhunderte seit der Ersterwähnung in den Mittelpunkt stellte, legte Bürgermeister Schölch seinen auf die Entwicklung Oberdielbachs nach dem Zusammenschluss der sechs Winterhauchdörfer zur Gemeinde Waldbrunn. Wichtigstes Ereignis in diesem Zusammenhang war eine undatierte Gemeinderatssitzung in Dielbach, bei der sich die Kommunalpolitiker mit dem Zusammenschluss nur unter der Voraussetzung einverstanden erklärten, dass Strümpfelbrunn nicht Mittelpunkt der Einheitsgemeinde wird. Ansonsten wolle man eine Eingemeindung nach Eberbach vollziehen. Diese Rivalität mit dem Nachbardorf hat sich bis heute erhalten, wie der Jubel bewies, der im Zelt laut wurde, als Schölch bemerkte, dass Oberdielbach zum 31.12.2009 drei Einwohner mehr hatte und damit erstmals größter Ortsteil war. Nach weiteren Ausführungen die Entwicklung des sogenannten Straßendorfs Dielbach betreffend, brachte das Gemeindeoberhaupt den Wunsch zum Ausdruck, dass der Ort die Jubiläumsfeierlichkeiten nutzen möge, um eine jährlich stattfindendes Brunnenfest im Wiesental zu feiern. Mit der Verlesung des Dielbacher Lieds von Wolfgang Palm beendete Bürgermeister Klaus Schölch seine Festrede.

Es folgte der eingangs erwähnte Vortrag von Dr. Rüdiger Lenz, der zu Beginn einige alte Dielbacher Postkartenansichten zeigte, um anschließend sogenannte Knotenpunkte der Ortsgeschichte darzustellen. Als Besonderheit zeigte der Fachmann die Teilung in Ober- und Unterdielbach auf. Während Unterdielbach, das erst seit 1474 bezeugt ist, immer zu Eberbach gehörte, stand Oberdielbach unter Zwingenberger Herrschaft. Allerdings konnte sie ihre Macht nicht erhalten, sodass die Herrschaft nach der Zerstörung der Burg an die Herren vom Hirschhorn überging. Die Wappen beider Herrscherhäuser, die drei Schwanen für Zwingenberg und das Hirschgeweih zeigen sich daher heute noch auf der Dielbacher Flagge. Bis 1632 übten die neuen Machthaber nun die Herrschaftsrechte auf dem Winterhauch aus. Nach Erbschaftsstreitereien gingen alle Rechte direkt an die Kurpfalz mit dem Pfalzgraf Karl Theodor über, der diese seinem nicht ehelichen Sohn Karl August von Bretzenheim übertrug. Dieser verkaufte das Gebiet an Großherzog Karl Friedrich von Baden.

Geprägt war die feudale Zeit durch Leibeigenschaft und sogenannten Hufenverbände. Diese Hufen bzw. Güter oder Höfe mussten den jeweiligen Dorfherren Abgaben leisten. So waren für das „Große Nidungen Gut“ im Jahr 1370 „vier Unzen Heller“, „16 Simmer Hafer“, „1 Wagen Heu“, „1 Fastnachthuhn“ und „1 Sommerhuhn“ fällig.

Abschließend ging Dr. Lenz auf den Ortsnamen ein. Während 1360 die Schreibweise „Tilbuch“ gängig war, ändert sich diese im Laufe der Zeit hin zu „Dylbuch“. Seit 1473 finden sich in den Urkunden die Versionen „Tilbach“ bzw. „Dilbach“. Die Endung beziehe sich dabei aber nicht auf ein Gewässer, sondern nehme Bezug auf die natürliche Bodenbeschaffenheit mit einer bewaldeten, holzreiche Siedlungsstätte. Die Silbe „Dil“ stehe für „Kraut“.

Nachdem Archivar Dr. Rüdiger Lenz geendet hatte, standen weitere Grußworte auf dem Programm. So überbrachten unter anderem die Schirmherren Ludwig Prinz von Baden und Landrat Dr. Achim Brötel ebenso ihre Glückwunsche wie der wohl berühmteste Sohn Dielbachs, Minister a.D. Harald B. Schäfer, MdL Georg Nelius, Eberbachs Bürgermeister-Stellvertreter Günter Wiedemer und Bürgermeister Thomas Franke aus Remptendorf an der Saale in Thüringen.

Außerdem wurde das in dreijähriger Arbeit erstellte Heimatbuch „650 Jahre Oberdielbach mit Unterdielbach“ der Öffentlichkeit präsentiert und den Autoren überreicht.

Umrahmt wurde das Festbankett von der Feuerwehrkapelle Waldkatzenbach, dem MGV Dielbach, dem Grundschulchor der Winterhauch-Schule und einer Volkstanzgruppe unter Federführung von Edith Cellarius. Eingeläutet wurde die Feier von Böllerschüssen des SSV Dielbach.

Samstag und Sonntag gingen die Feierlichkeiten mit dem Odenwälder Brauchtumsfest weiter.

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Viele Ehrengäste, darunter Prinz Ludwig von Baden (3.v.li.) und Landrat Dr. Achim Brötel (7.v.re.) als Schirmherren, „Ur-Dielbacher“ Minister a.D. Harald B. Schäfer (8.v.re.), die Ehrenbürger Alt-Bürgermeister Gerhard Hauck (6.v.li.) und Gerd Mosca (re.), MdL Georg Nelius (9.v.li.), die Bürgermeister der Nachbargemeinden und die Autoren des Heimatbuchs, waren nach Dielbach gekommen, um im Festzelt im Wiesental gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Schölch (3.v.re.) und Ortsvorsteher Herbert Bachert (5.v.re.) das Jubiläum zu feiern. (Foto: Hofherr)

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