AWN als Energieproduzent vorgestellt

07.07.10

„Z.E.U.S. im Dialog“ – Fachvortrag und Diskussion

Buchen. Die Abfallwirtschaft im Neckar-Odenwald-Kreis (AWN) wächst längst über ihre ursprüngliche Aufgabe, Abfälle zu sammeln und zu verwerten, hinaus. Im Frühjahr startete das Unternehmen im Buchener Gewann Sansenhecken die Veranstaltungsreihe „Z.E.U.S. im Dialog“, um über alle Themen, die die AWN umtreiben, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Im Zentrum für Entsorgung und Umwelttechnologie (Z.E.U.S.) steht Energiegewinnung, nicht nur aus Abfall, sondern auch aus nachwachsenden Rohstoffen, ganz oben auf der Agenda. Beim zweiten Dialog stellte Diplomingenieur Stefan Kaufmann die Projekte rund um die Energiegewinnung vor.
Mit unmissverständlichen Erhebungen und Zahlen zum Thema Klimaschutz untermauerte der AWN-Referent zunächst die Notwendigkeit, Kohlendioxid einzusparen:„Die Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels und dessen fataler Folgen müssten Vorreiter sein, wenn es darum geht, Treibhausgas-Entwicklung zu mindern. „Das geht jeden an“, machte Kaufmann klar. Energie einzusparen habe höchste Priorität.  Deutschland, das zwei Drittel seines Energiebedarfs aus Importen decke, müsse lernen, weniger in Netzstrukturen zu denken. „Insellösungen müssen in Zukunft verstärkt berücksichtigt werden“, so Kaufmann, und Energie müsse dort produziert werden, wo sie gebraucht wird, idealerweise vernetzt mit tauglichen Speichermöglichkeiten.

Mit Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Liegenschaften finde die AWN im Neckar-Odenwald-Kreis schon viele Nachahmer. Eine ureigene AWN-Aufgabe, das Rohstoff-Recycling, verursache allein im NOK eine CO2-Einsparung von rund 13.000 Tonnen im Jahr. Um diese Bilanz zu verbessern, laufe der Modellversuch „Restmüllfreie Abfallwirtschaft“ mit dem Ziel, noch mehr Wertstoffe zurückzugewinnen und Abfall restlos zu verwerten. Der Grüne Punkt, über den lediglich Verpackungsabfälle erfasst würden, greife zu kurz, findet Kaufmann.

Auf dem Weg, mehr erneuerbare Energie vor der Haustür zu erzeugen, investiere die AWN in zwei Biomassekraftwerke: In Buchen selbst wird aus Altholz Energie erzeugt, in Obrigheim aus Holzhackschnitzeln. Der Mangel am Atomkraftstandort ist bisher, dass die Prozesswärme nicht genutzt wird. Anders in Rosenberg: Im Umfeld der dortigen Biogasanlage entsteht derzeit ein Nahwärmenetz, in Bieringen (Hohenlohekreis) wird der Ventilatoren- und Motorenhersteller Ziehl-Abegg Abnehmer der Fernwärme aus dem dortigen Kraftwerk. Einsparziel: Über 400.000 Liter Heizöl pro Jahr. Um den enormen Rohstoffbedarf der Biogasanlagen zu decken testet die AWN Energiepflanzen, die den vorwiegend verwendeten Mais zumindest zum Teil ersetzen können. Die Befürchtung, man fördere Monokulturen, teilt Kaufmann nicht: In einem Vergleich habe das Hohenloher Landwirtschaftsamt belegt, dass rings um Bieringen vor rund 30 Jahren mehr Mais angebaut worden sei als heute. Ebenso verzeichne man dort keine übermäßigen Wildschwein-Schäden. Wichtig sei, die Interessen von Landwirten und Jägern in Einklang zu bringen. Auch bei Holz-Substraten, die die AWN auf so genannten Kurzumtriebsplantagen erforscht, setze sie auf heimische Gewächse: „Wir favorisieren Robinien, Pappeln und Weiden“ antwortete AWN-Geschäftsführer Mathias Ginter auf Nachfrage. Generell gehe es darum, Pflanzen zu finden, die man nicht bewässern müsse und die auf Flächen gedeihen, die für die Lebensmittelerzeugung unattraktiv seien.

Derzeit im Test: Pappeln oder die durchwachsene Silphie die ertragreicher und widerstandsfähiger als Mais zu sein verspricht.

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