Brachebegrünung mit Blühmischungen

22.07.10

Mehr als ein Farbtupfer

Mittlerweile leiden auch die Blumenwiesen, die überall – hier bei Schloßau – im Rahmen Agrarumwelt- und Förderprogramms MEKA unter dem Namen „Brachebegrünung“ gepflanzt wurden, unter der wochenlangen Trockenheit. Dennoch sind sie ein wohltuender Farbtupfer, helfen dem Boden, sich zu regenerieren und sind sehr wertvoll für Bienen, Wildinsekten und Bodenbrüter. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. Aufmerksam die Landschaft beobachtende Bürgerinnen und Bürger haben sie schon entdeckt: überwiegend blau-lila leuchtende Farbtupfer in der Landschaft, die sich bei näherer Betrachtung als – wenn auch unter der Trockenheit leidende – vielseitig blühende Blumenwiesen präsentieren. Tatsächlich sind rund 870 Hektar Ackerfläche im Kreis  – was immerhin rund zwei Prozent der gesamten Ackerfläche von rund 36200 Hektar entspricht – ähnlich bewachsen. „Brachebegrünung“ nennt sich das, was etliche Landwirte auf jeweils maximal fünf Hektar ihrer Betriebsfläche vorgenommen haben. Und es ist eine Maßnahme des Agrarumwelt- und Förderprogramms MEKA.

Denn so schön die Wiesen anzusehen und so dankbar sie vor allem von Insekten angenommen werden – für den Landwirt ist mit der blaublühenden Phacelia, Gelbsenf, Ringelblume, Buchweizen, Kornblumen, Malve, vereinzelten Sonnenblumen und mehr erst mal kein Geld zu verdienen. Deshalb wurde im Rahmen des Programms MEKA die „einjährige Brachebegrünung mit Blühmischungen“ als förderfähige Maßnahme angeboten, für die der Landwirt bei Umsetzung eine finanzielle Entschädigung pro begrüntem Hektar Ackerfläche erhält. Was bei den tendenziell niedrigen Getreidepreisen gerade für Randgebiete und mäßig ertragreiche Böden durchaus interessant ist. Das Besondere im Gegensatz zu anderen, manchmal sehr kurzlebigen Programmen ist, dass der Antragsteller sich verpflichtet, die Brachebegrünung im beantragten Flächenumfang insgesamt fünf Jahre beizubehalten und eine der drei zur Verfügung stehenden speziellen Saatmischungen immer wieder Ende April/Anfang Mai auf den sorgfältig vorzubereitenden Boden auszubringen. Auf Düngung und Pflanzenschutz wird natürlich verzichtet.

Dass es auf seinen begrünten Ackerflächen, auf denen von Juni bis Anfang September mindestens zehn Prozent der Pflanzen blühen sollen und auf denen es dementsprechend  summt und brummt wie sonst nirgends, gefällt auch Landwirt Bernhard Schäfer aus Mudau-Scheidental ausnehmend gut: „Das ist schon eine sinnvolle Sache, weil es der Natur nützt und der Boden  sich erholen kann.“ Er selbst hat kleinere Randstücke begrünt, die ohnehin schlecht zu bearbeiten sind und außerdem auch gerne von Wildschweinen „heimgesucht“ werden. Im nächsten Frühjahr wird er dort wieder die „Mischung 2“ – besonders geeignet für Standorte in Wasserschutzgebieten – ausbringen und sich später über die Blumenpracht freuen. Und auch über die Bezuschussung, die die Entscheidung für eine Brachebegrünung „natürlich erleichtert“, wie Schäfer unumwunden zugibt.

Tatsächlich sind blühende Landschaften für die ohnehin vor allem durch die Varroa-Milben schwer geschädigten Bienenvölker und für Wildinsekten – die wiederum einen unersetzbaren Beitrag für die Befruchtung von Nutz- und Wildpflanzen leisten – lebensnotwendig. Nach der Rapsblüte und dem ersten Grünlandschnitt stehen ihnen allerdings kaum noch Blüten zur Verfügung. Auch Hasen, Fasane, Rebhühner und andere Bodenbrüter brauchen Blühflächen als Rückzugsmöglichkeiten. Die einjährigen Saatmischungen sind speziell diesen Anforderungen angepasst und hinsichtlich ihrer Wirkung geprüft, sie tragen also zur Erhaltung der Artenvielfalt bei und bieten wertvollen Nutz- und Wildinsekten Nahrung. Und wunderschön anzusehen sind sie außerdem.

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