50 Jahre Kreiskrankenhaus Mosbach

23.07.10

(Foto: LRA)

Mosbach. Das Kreiskrankenhaus Mosbach im Lohrtal feiert in der kommenden Woche seinen 50. Geburtstag. Genau genommen war schon vor über drei Monaten das halbe Jahrhundert vollendet, denn bereits im April 1960 ist der für damals etwas mehr als sieben Millionen DM erstellte Neubau mit rund 220 Betten nach dreijähriger Bauzeit bezogen worden. Und natürlich hat der damalige Gebäudekomplex kaum noch etwas gemein mit dem heutigen Krankenhausgebäude, das sich insbesondere durch die großen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 2001 bis 2008 für Kosten von rund 42 Millionen Euro   sowohl innen als auch außen komplett gewandelt hat und heute allen Erfordernissen entspricht, die von einer hochmodernen Klinik erwartet werden. Unter dem Namen „Neckar-Odenwald-Kliniken gGmbH“, dem eine dringend notwendige Neuausrichtung vorausgegangen war und der die bisherigen Kreiskrankenhäuser Mosbach, Buchen und das Kreisaltersheim Hüffenhardt unter einem Dach vereint, wurden und werden größte Anstrengungen unternommen, um insbesondere für die Bevölkerung des Neckar-Odenwald-Kreises auch weiterhin trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen eine wohnortnahe und qualitativ hochstehende medizinische Versorgung  sicher zu stellen.

Die Geschichte des Mosbacher Krankenhauses reicht allerdings sehr viel weiter zurück als ins Jahr 1960. Das Mosbacher Hospital in der Hospitalgasse 4, auch als Bürgerspital bekannt, kann bis ins Jahr 1421 zurückverfolgt werden. Ein „Krankenhaus“ im eigentlichen Sinn war es aber nicht, sondern eher ein Armenhaus, später ein Pfründnerhaus, in das sich wohlhabendere Bürger einkaufen konnten. Ergänzend wurde im 15. bzw. 16. Jahrhundert, weit vor den Toren der Stadt und direkt am später dorthin verlegten Friedhof gelegen, die bis heute sehr gut erhaltene Gutleutanlage  erbaut.

[nggallery id=39] (Fotos: LRA)

Im Laufe der Jahrhunderte hatten das dortige Gutleut- und das sogenannte „Elendshaus“ eine bewegte Geschichte. Nachdem die Häuser im späten Mittelalter für die Isolierung von Leprakranken – Lepra war damals eine weitverbreitete Seuche – genutzt wurden, dienten sie später als städtische Armen- und Siechenhäuser zur Aufnahme Arbeitsunfähiger und Kranker, ähnlich dem Mosbacher Hospital. Durchreisende fanden hier eine sogenannte „kalte“ Herberge. Im Jahre 1860, als der Eisenbahnbau Mosbach erreichte, wurde die Stadt beauftragt, im Elendshaus ein Spital für Eisenbahnarbeiter einzurichten. Schon zuvor waren Forderungen vor allem aus den armen Umlandgemeinden laut geworden, in Mosbach ein Spital für die Odenwaldbevölkerung zu errichten. Dafür setzte sich auch eine „Mosbacher Hospitalkommission“ ein. 1866 schließlich errichtete ein „Verein zur Pflege und Heilung verwundeter Soldaten“ im Gutleuthaus eine Krankenabteilung mit 24 Betten ein. Ein Militärhospital kann also als erstes Mosbacher Krankenhaus bezeichnet werden. Nachdem die Kriegswirren vorbei und die Eisenbahner abgezogen waren, wurde das Krankenhaus für die Bevölkerung des Amtsbezirks, also für rund 30000 Menschen, unter freilich recht primitiven Bedingungen weitergeführt. Ein Bezirksspitalverband, dem zahlreiche Gemeinden des Amtsbezirks angehörten, beschloss einen Neubau am Oberen Mühlenweg (neben dem heutigen Parkdeck), der 1880 bezogen werden konnte, knapp 54000 Reichsmark gekostet hatte und 35 Kranke aufnehmen konnte. Die Bevölkerungszahl wuchs, während des Zweiten Weltkrieges wurden die Kliniken in den umliegenden Städten bombardiert, Ausgebombte und Evakuierte kamen nach Mosbach, der Gesundheitszustand war schlecht  – das Krankenhaus samt eilig errichteter Baracke platzte aus allen Nähten.

Nach 1945 wandelte die amerikanische Militärregierung das kurzfristig bestehende „Hospital for displaced people“ (für verschleppte Personen, Fremdarbeiter und Kranke aus den Konzentrationslagern) im beschlagnahmten heutigen Gebäude der Volksbank in der Hauptstraße um in das „Bezirkskrankenhaus II“. Dort wurden die Kranken unter schwierigsten Bedingungen mit ständiger Materialknappheit – selbst ein Röntgengerät war nur mit der Dreingabe von  Nahrungsmitteln erhältlich – von Internist Dr. Erich Weiler behandelt. 128 Betten waren aufgrund der stark angewachsenen Bevölkerung ständig überbelegt. Der Mangel war allgegenwärtig, die hygienischen Zustände unhaltbar. Der Kreistag des Landkreises Mosbach entschied schließlich 1949, die bisherigen Bezirkskrankenhäuser I und II als Kreiskrankenhaus zu übernehmen und in das kreiseigene Gebäude in der Renzstraße 10 – das heutige Landratsamt – zu verlegen. Doch auch dieser Umzug konnte nur einen Übergangslösung sein, nach wie vor fehlten Betten und andere moderne Einrichtungen wie eine Bäderabteilung oder ein Fahrstuhl. Von 1957 bis 1960 wurde im Lohrtal gebaut: endlich hatte Mosbach ein Krankenhaus, das allen damaligen Erfordernissen genügte und das in diesem Jahr mit Stolz seinen 50. Geburtstag feiern kann.

Mit „Stolz“ sogar im übertragenen Sinn: zum Festakt am Donnerstag, dem 29. Juli hat sich auch die Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Senioren Baden-Württemberg, Dr. Monika Stolz MdL, angesagt.

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