Kurzweilig über Streuobstwiesen

Waldbrunn. Trotz herbstlich kühler Temperaturen und Nieselregen machten sich gestern einige unerschrockene Naturliebhaber auf, um im Rahmen der Waldbrunner Mostwochen mit dem Obstbaumexperten Thomas Mayerhöfer die Waldbrunner Streuobstwiesen zu erkunden.

Schon bei seiner kurzen Einführung ließ der Obstbaumliebhaber die Teilnehmer wissen, dass es auch auf dem Winterhauch immer weniger entsprechende Wiesen gibt. Der wirtschaftliche Druck auf die Landwirte erfordere immer größere Felder, sodass kein Platz mehr für Apfel- und Birnbäume bleibe. Einen Großteil der Verantwortung trage aber jeder als Verbraucher. So sei es heute sehr viel bequemer, einen hochglanzpolierten Apfel beim Discounter zu kaufen, als sich eine schorfige, nicht ganz so perfekt aussehende Frucht zu pflücken.

Daneben herrsche nach wie vor Informationsbedarf, was gerade beim Saftmachen die Haltbarkeit des Süßmosts betrifft. Druck- oder Edelstahlfässer mit Öldeckel kämen zwar aus dem Weinbau, ließen sich aber auch bei anderen Fruchtsäften einsetzten, erklärte Mayerhöfer im Vorfeld. Mit geringen finanziellen Aufwand stelle man so ein Produkt her, dass man ganzjährig genießen könne, war er für den eigenen Saft.

Beim anschließenden Spaziergang vom Parkplatz der Katzenbuckel-Therme auf der Dielbacher Höhe in Richtung Schollbrunn bzw. Oderdielbach konnte der Experte in kurzweiliger Art viel Wissenswertes über Streuobstwiesen erläutern. Dabei spannte er den Bogen von der Sortenwahl über die richtige Pflanzung und den Erziehungsschnitt bis hin zur biologischen Schädlingsbekämpfung und dem ökologischen Nutzen für Pflanzen und Tiere. In ausgeräumter Landschaft finden weder Vögel noch Kleinsäuger entsprechenden Lebensraum, weshalb mit jeder Streuobstwiese Artenreichtum verloren gehe. Auch den Wetterschutz konnte Thomas Mayerhöfer in Anbetracht des herbstlichen Winds eindrucksvoll demonstrieren. Auch den Lebenszyklus verschiedener Bäume konnten die Teilnehmer selbst entdecken. Vom neu gepflanzten Baum, bis hin zum 100 Jahre alten Birnbaum, der eindrucksvoll gefärbt die Landschaft prägt, waren Bäume jeglicher Form und Pflege zu entdecken.

Immer wieder hob Mayerhöfer hervor, dass es weniger Arbeit mache, selbst Streuobstwiesen zu schaffen, als man denke. Als Eigentümer von knapp 200 Apfel- und Birnbäumen auf verschiedenen Wiesen im Hohen und im Kleinen Odenwald, konnten die Teilnehmer diese Aussage nicht anzweifeln.

Am Ende des Spaziergangs betonte Thomas Mayerhöfer, dass es wichtig sei, das über Jahrhunderte gewonnene Wissen zu bewahren. Außerdem warb er für die Obstbaumvermittlung des NABU Waldbrunn. Ab 01. Oktober können Interessierte über die Naturschützer wieder Hochstammbäume alter Sorten bestellen Durch Zuschüsse des Naturparks Neckartal-Odenwald, der damit zum Erhalt der typischen Streuobstwiesen beitragen möchte, können die Bäume günstig bezogen werden.

Weitere Infos gibt es beim Vorsitzenden des NABU Waldbrunn, Gerhard Neureither, unter Tel.: 06274-760 bzw. per Mail unter info@nabu-waldbrunn.de

Bereits am Donnerstag steht der nächste Programmpunkt im Rahmen der Waldbrunner Mostwochen an. Ab 15.00 Uhr informiert das Kurgestüt Hoher Odenwald zum Thema „Ohne Bienen keine Äpfel“. Interessierte Besucher erfahren dabei viel Wissenswertes über den ökologischen und ökonomischen Wert der fleißigen Völker.

Infos im Internet:
www.mostwochen.de

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Auf einer Wiese des NABU Waldbrunn erläuterte Obstbaumexperte Thomas Mayerhöfer, dem es wichtig ist, das altes Wissen erhalten bleibt, den Teilnehmern den Erziehungsschnitt an einem jungen Apfelbaum. (Foto: Hofherr)

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