„20 Jahre vereinte Sozialdemokratie“

Würdigung der Aufbauhilfe der Neckar-Odenwald-SPD

Das Foto zeigt den Verantwortlichen für den Infostand Gerd Teßmer mit der stv. Kreisvorsitzenden Gabi Teichmann vom Neckar-Odenwald-Kreis mit Katrin von Schaewen und David Horbaschk vom Kreis Zittau mit Sigmar Gabriel und dem sächsischen Landesvorsitzenden Martin Dulig. (Foto: privat)

Neckar-Odenwald-Kreis/Berlin (rt) Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren vollzogen die beiden sozialdemokratischen Parteien in Deutschland, die SPD der Bundesrepublik Deutschland und die SPD der noch bestehenden DDR, die Neugründung einer neuen gesamtdeutschen SPD. Während die Union und die Liberalen einfach die früheren Blockparteien aufnahmen, musste sich die SPD wiedervereinigen, da sie in den 40 Jahren DDR nicht mehr in beiden teilen Deutschlands existiert hatte. Anders als CDU und FDP nahm die SPD keine früher kommunistischen Blockpartei auf, sondern zwei selbständige sozialdemokratische Parteien schlossen sich gleichberechtigt zusammen und beschlossen ein neues gemeinsames Parteiprogramm. Die geschah am 27. September 1990 in Berlin, also noch vor der Wiedervereinigung am 03. Oktober.

20 Jahre später erinnerten sich Sozialdemokraten wiederum in Berlin an ihren gemeinsamen Neubeginn. Einbringen konnten sich die alle neu eingetretenen Sozialdemokraten aus dem Osten nur mit ihrem Bekenntnis zu Solidarität und dem Bekenntnis zur Sozialdemokratie und ihrer Begeisterung zu den wieder erhaltenen Freiheiten in einem demokratischen Deutschland. Während die CDU und die FDP eine Menge Kapital, zahlreiche Immobilien und die alten Parteistrukturen aus DDR-Zeiten in die West-Parteien einbrachten, besaß die SPD im Osten keinerlei Grundbesitz und keinerlei finanzielle Grundlagen. Also mussten Mitglieder neu gewonnen werden, was damals nicht einfach war, da man auf die Aufnahme früherer Mitglieder der SED oder der Blockparteien verzichtete. Ohne finanzielle Mittel, ohne Versammlungsräume wurde bei Null angefangen. Die alte West-SPD ließ in dieser Aufbau-Phase ihre neuen Mitglieder im Osten aber nicht allein. Überall entstanden Patenschaften zur Unterstützung und Hilfe zum Aufbau neuer demokratischer Strukturen. Dass dies schwierig war, trotz der großen Bereitschaft merkte die SPD schon bei den ersten Wahlen im Osten. CDU, FDP und die Linke konnte auf ihre Partei-Organisation zurückgreifen, die es ja 40 Jahre lang gegeben hatte. Besonders schmerzlich für die SPD war es, in den ländlichen Räumen ohne Großstädte Fuß zu fassen.

Sozialdemokraten aus dem Neckar-Odenwald-Kreis machten sich damals auf, um in Sachsen neben dem Kreis Freital die Oberlausitz rund um Zittau mit Rat und tat zu unterstützen. Trotz der räumlichen Entfernung von über 700 Kilometern machten sich Sozialdemokraten um den Kreisvorsitzenden Gerd Teßmer und den Kreis-Fraktionsvorsitzenden Rolf Schassner auf, im Kreis Zittau sozialdemokratische Traditionen wieder aufleben zu lassen und Ortsvereine zu gründen. Etwas erleichtert wurde die Aufgabe dadurch, dass der Neckar-Odenwald-Kreis mit dem Kreis Zittau eine Kreis-Partnerschaft aufnahm, die auch heute noch besteht.

Dieser gemeinsamen Aufbauphase gedachte die SPD nun 20 Jahre später im Rahmen eines Festaktes in Berlin. Unter dem Thema „20 Jahre Sozialdemokratie im vereinten Deutschland“ erinnerten die beiden damaligen SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel (SPD-West) und Wolfgang Thierse (SPD-Ost) an diese „historische Stunde“ vor 20 Jahren. Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel dankte den Männern und Frauen der ersten Stunde und eröffnete nach dem Festakt eine Gedenk-Ausstellung zum Thema „wiedervereinigte SPD“.

Eingeladen waren dazu auch die Sozialdemokraten aus dem Neckar-Odenwald-Kreis und aus Zittau, die mit einem viel beachteten Informationsstand auf die Anfänge der SPD in der Oberlausitz aufmerksam machten. Für den Neckar-Odenwald-Kreis zeichnete der damalige SPD-Kreisvorsitzende Gerd Teßmer verantwortlich, aus Zittau waren Katrin von Schaewen und David Horbaschk gekommen. In vier großformatigen Schautafeln stellten die Sozialdemokraten aus Zittau und dem Neckar-Odenwald-Kreis die Zusammenarbeit ab 1990 vor. Man erinnerte an vier Busfahrten mit Bewohnern aus dem Neckar-Odenwald-Kreis in die Oberlausitz, an gemeinsame Aktionen bei den ersten freien Wahlen nach 1990 und an die ersten wieder entstandenen SPD-Ortsvereine in und um Zittau. Auch die SPD-Kreistagsfraktion besuchte ab 1990 mehrfach die Oberlausitz und auch der Agrararbeitskreis der SPD-Landtagsfraktion mit ihrem Vorsitzenden Gerd Teßmer stattete der damals noch existierende LPG einen Arbeitsbesuch ab. Durch die Kreisreformen, die erst den Zusammenschluss mit dem Kreis Löbau brachte und dann den Großkreis Görlitz-Löbau-Zittau entstehen ließen, wurden die Kontakte innerhalb der größer gewordenen Strukturen schwerer, persönlicher Bindungen zu Zittau blieben und der Neckar-Odenwald-Kreis ließ erst kürzlich die weiterhin bestehende Kreispartnerschaft wieder neu aufleben.

Von den einstigen über einhundert eingegangenen Ost-West-Partnerschaften stehen heute noch über 20 in persönlichem und offiziellem Kontakt. Dies machte die von Sigmar Gabriel eröffnete Ausstellung „20 Jahre Deutsche Einheit – SPD Ost/West Partnerschaften“ deutlich.
So konnte der Stand vom Neckar-Odenwald-Kreis und von Zittau zahlreiche prominente Gäste begrüßen und über die Entwicklung und Entstehung sozialdemokratischer Traditionen nach 1990 Rede und Antwort stehen. So nahmen sich Hans-Jochen Vogel und Wolfgang Thierse ebenso Zeit am Neckar-Odenwald-Stand wie der SPD-Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg Nils Schmid und der Fraktionsvorsitzende Claus Schmiedel und der SPD-Landesvorsitzende von Sachsen Martin Dulig mit seinem Generalsekretär Dirk Panter.

Gerade durch diese Erinnerungsveranstaltung gelang es, bestehende Kontakte zu festigen und wieder neu zu beleben, aber auch daran zu erinnern, dass sozialdemokratische Ideale von Solidarität und bürgerschaftlichem Engagement niemand geschenkt werden, sondern hart erarbeitet werden müssen. Da fühlten sich dann nicht nur Gerd Teßmer und Katrin von Schaewen darin bestätigt, dass die anfängliche einseitige Unterstützung inzwischen ein gegenseitiges Geben und Nehmen geworden ist. Trotz der großen Entfernung zwischen Odenwald und Oberlausitz will man zukünftig die Kontakte zueinander beleben und die Zusammenarbeit wieder ausbauen.

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