Tibet – Dem Himmel so nah

Reisebericht unserer Leserin Sabine Thöne

Im neuen Jahr beginnen wir in Kooperation mit unserem Partnermagazin www.katzenpfad.de mit einer neuen Serie. In unregelmäßiger Folge veröffentlichen wir ab sofort Reiseberichte unserer Leserin Sabine Thöne aus Strümpfelbrunn. Den Auftakt bildet die Schilderung ihres Besuchs auf dem „Dach der Welt“ in Tibet:

Nach mehreren Reisen durch asiatische Länder erfüllte ich mir im September 2009 endlich meinen Traum einer Tibet-Tour.

In einer privat organisierten Kleingruppe, zu der vier Frauen und zwei Männern gehörten, die von zwei Fahrern und unserem tibetischen Guide Penba begleitet wurde, reisten wir durch West- und Osttibet. Mobil waren wir mit zwei Toyota Landcruisern, wir ließen 3.5oo km, teils auf ungesicherten Schotterpisten und über Pässe mit 5.ooo Höhenmetern hinter uns, um dieses faszinierende Land kennenzulernen.

Unsere Anreise erfolgte über Peking mit Weiterflug nach Xining, dort stiegen wir in die Qinghai-Eisenbahn, um nach 24-stündiger Bahnfahrt durch die seenreiche tibetische Hochebene Lhasa, die Hauptstadt der autonomen Region Tibet zu erreichen.

Lhasa , die Stadt der Götter liegt 3658 m über dem Meeresspiegel am Kyi Chu (Glücksfluss) und ist seit alters religiöses, politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Tibets. Ab Mitte des 17 . Jahrhunderts lebten und wirkten die Dalai Lamas mit ihren Gefolgen im Potala Palast, einer Manifestation des mystischen, tantrischen Buddhismus. Erst 1950 mit dem Einmarsch der Chinesen in Tibet und der heimlichen Flucht des 14. Dalai Lamas 1959 über den Himalaya bis ins indische Dharamsala endete diese jahrhundertelange Abfolge.

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Heute ist das Reisen nach Tibet eine Gratwanderung. Vor der Einreise in die Autonome Region Tibet benötigt man neben dem chinesischen Visum ein Entry Permit. Damit kann man sich jedoch nur in Lhasa, Shigatse und Gyantse frei bewegen. Reisen wird sowieso nur innerhalb einer Gruppe gestattet.

Will man andere Regionen Tibets bereisen, muss man eine der vielen Public Security Bureaus aufsuchen, einen erfahrenen Guide haben, der viel Geduld und Zeit mitbringt, um dann eine Genehmigung zur Weiterfahrt zu erhalten. Chinesische Beamte können Reisebestimmungen permanent und willkürlich ändern.

Die „Permits“ genannten Reiseerlaubnisse werden in der autonomen Region durch schwerbewaffnete chinesische Streckenposten, die sich teilweise schützend hinter mannshohen Sandsackbarrikaden aufhalten (Schutz vor wem?), streng und penibel genau kontrolliert.

Nur durch die hartnäckigen Anstrengungen unseres erfahrenen tibetischen Guides Penba erhielten wir die Genehmigung, ins tibetisch-nepalesiche Grenzgebiet nach Kyirong zu reisen, um die alten Meditationshöhlen des Milarepa, Tibets berühmtem Yogi zu suchen, die Heinrich Harrer auf seiner Flucht aus dem indischen Gefangenenlager als Unterschlupf dienten.

Sicherheitshalber bekamen wir jedoch von den Chinesen noch einen weiteren einheimischen Guide zur Seite gestellt, man weiß ja nie, was diesen neugierigen Europäern noch einfällt.

Weiter reisten wir gen Westen über den Lanpa La Pass (5.520 Höhenmeter) nach Old Tingri, einem kleinen, quirligen Ort mit einem Aussichtspunkt auf den höchsten Gipfel der Erde, den Mount Everest. Der Aussichtspunkt darf am höchsten Punkt mittlerweile von Touristen nicht mehr genutzt werden. Kontrolliert wird dies von Aufpassern, von denen die Neuregelung lautstark und resolut durchgesetzt wurde.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Tibet – Dem Himmel so nah“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8230″] Im Osten Tibets übernachteten wir in Gyatsa, erkundeten den heiligen Orakelsee Lhamo Latso, besuchten das Lamaling Kloster bei Nyangtri, besichtigten eine alte Tsampa-Mühle, wo auf traditionelle Weise die Hochlandgerste gemahlen wird, wir reisten bis nach Bayi, eine unschöne, typisch chinesische Trabantenstadt. Von dieser Gegend aus hat man jedoch bei gutem Wetter einen herrlichen Ausblick auf den 7.756 m hohen Namche Barwa Peak, in der Nähe befindet sich die noch größtenteils unerforschte Yarlung-Tsangpo-(Brahmaputra)-Schlucht sowie der Ort Metok, danach erreicht der Fluss das indische Arunachal Pradesh.

Während unserer dreiwöchigen Tour erlebten wir Tibet mit seinen grandiosen Landschaften, imposanten Bergketten und heiligen, türkisblauen Seen als faszinierendes Reiseland.

Wir besuchten das Pälkhor Chöde-Kloster in Gyantse, das Nonnenkloser Rabse, Kloster Shalu. Im Tashihlünpo Kloster in Xigazê tranken wir mit den Mönchen Buttertee, nachdem diese unsere deutschen Müsliriegel verspeist hatten.

Auf dem Dach des Klosters Sakya erlebten wir eine prachtvolle rituelle Cham (Maskentanz) zur Vertreibung des Bösen und in der Monastry von Samye durften wir an der täglichen Puja der Mönche teilnehmen. Die alten Klöster mit ihren prachtvollen, nach Yakbutter riechenden mystischen Hallen, die vom sonoren Vibrato der Mönche erfüllt sind, die ihre Sutren herunterbeten, erfüllen selbst uns Nicht-Buddhisten mit einem Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Spiritualität.

Die Menschen, die uns auf unserer Tour begegneten, waren freundlich, offen und hilfsbereit .

Religiöses und kulturelles Leben ist überall präsent, was wir durch Respekt und Achtung anerkennen sollten, damit die Tibeter bestärkt werden an ihrer Kultur festzuhalten, die durch die chinesische Propaganda oft als veraltet und rückständig diffamiert wird.

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Unsere Autorin Sabine Thöne im Gespräch mit Mönchen. (Foto: S. Thöne)

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