Brötel: „Oberzentrales Kirchturmdenken“

Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises befürchtet Kirchturmdenken. (Foto: LRA)

Mosbach. Die gemeinsame Initiative der beiden Heidelberger Landtagsabgeordneten Theresia Bauer (Grüne) und Werner Pfisterer (CDU) zur Etablierung einer „Modellregion“, die unter Einbeziehung des Regionalverbands helfen soll, die Folgen des geplanten Abzugs der US-Truppen für Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen zu mildern, findet nicht nur Beifall. So hat jetzt Landrat Dr. Achim Brötel in einem Schreiben an die beiden Parlamentarier kritisiert, dass hier der Regionalverband vor einen Karren gespannt werden solle, der in Wirklichkeit ganz offen nur Partikularinteressen verfolgt und das auch unverblümt so zum Ausdruck bringt. Brötel bezieht sich dabei vor allem auf die Aussage, man sei primär an Schnelligkeit, weniger an Konkurrenz in der Metropolregion interessiert. In diesem Zusammenhang findet sich dann nämlich auch noch der larmoyante Hinweis der beiden Abgeordneten, dass die Konkurrenz nochmals verschärft werde, sollten im Jahr 2011 Bundeswehr-Standorte in der Region und in Baden-Württemberg aufgegeben werden.  Auf Deutsch heiße das, so Brötel wörtlich, aber doch wohl nichts anderes als: „Die Region soll sich nur für einen Teil stark machen, der Rest ist uns egal“.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Landrat kritisiert oberzentrales Kirchturmdenken“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8397″] Der Neckar-Odenwald-Kreis, der genauso zur Metropolregion gehört, habe schon jetzt die Schließung des Standorts Mosbach zu verkraften. Die gesamte Mosbacher Kaserne sei inzwischen komplett leer. Auch Neckarzimmern, Walldürn und Hardheim könnten im schlimmsten Falle noch zur Disposition stehen. Darüber hinaus gebe es auch in anderen ländlichen Teilen der Metropolregion Militärstandorte, die von massiven Einschnitten bedroht seien.

Von der infrastrukturellen Bedeutung her, so Brötel, treffen Standortschließungen den ländlichen Raum aber ungleich härter als die Oberzentren. Dazu komme als weiteres denkbares Spannungsfeld, dass 700 Hektar frei werdende Fläche im Ballungsraum natürlich theoretisch auch gezielt gegen die Interessen des ländlichen Raums entwickelt werden könnten. Hier seien deshalb unbedingt abgestimmte Konzepte vonnöten, die allen (!) Teilen der Region auch künftig noch die Möglichkeit zur Eigenentwicklung belassen.

Es sei deshalb zwar absolut sinnvoll, bereits frühzeitig Konzepte zu entwickeln. Wer regional denke, dürfe hier aber keinem Schnellschuss das Wort reden, sondern müsse vielmehr ein Gesamtkonzept anstreben, das tatsächlich auch alle im Blick hat. Gerne sei er zu einem konstruktiven Dialog darüber bereit. Der Vorstoß der Abgeordneten Bauer und Pfisterer führe allerdings lediglich zu einer „Modellregion des oberzentralen Kirchturmdenkens“. Davon habe man, so Brötel, jedoch bereits jetzt mehr als genug.

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1 Kommentar

  1. Auszug aus der Website (http://www.m-r-n.com/1056.0.html) der Metropolregion Rhein-Neckar:

    „…Das Ziel lautet, bis zum Jahr 2025 als eine der attraktivsten und wettbewerbsfähigsten Regionen in Europa bekannt und anerkannt zu sein. Dazu werden Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung künftig noch enger zusammenarbeiten. Denn im globalen Wettbewerb um Investitionen, die besten Fach- und Führungskräfte und um Besucher werden diejenigen Regionen erfolgreich sein, die ihre Kräfte bündeln und nach innen und außen ein klares Profil kommunizieren…“

    Wenn es also darum gehen soll, die Kräfte der Metropolregion zu bündeln, damit der Gesamtraum im interregionalen Wettebwerb umso stärker auftreten kann, wäre eine einseitige Begünstigung bei vergleichbaren Ausgangspositionen (wie in diesem Fall) wohl tatsächlich ein fragwürdiges Instrumentarium.

    Ein klares Profil nicht nur nach außen, sondern auch nach innen kommunizieren zu wollen, sollte wohl heißen, die wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb einer starken Region nicht mit einem einseitig angesetzten Hobel – in diesem Fall sogar mit einem Werkzeug der Regionalentwicklung selbst – zu vergrößern.

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