Krieg, Motoren, KZ-Frauen, Erinnerung

Buchpräsentation mit Helmuth Bauer am Opfer-Gedenktag

Mosbach. (dr) Am 27. Januar, dem Gedenktag an die Opfer der NS-Diktatur, laden der Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz und das ver.di Bildungszentrum Mosbach um 20. 00 Uhr zu einer Buchpräsentation ins Bildungszentrum in Mosbach-Bergfeld (Am Wasserturm 1 – 3) ein.

Vorgestellt wird das neue Buch des Berliner Autors und Filmemachers Helmuth Bauer „Innere Bilder wird man nicht los“. Das umfangreiche Werk schildert das Schicksal von Frauen aus jenem Außenlager des KZ Ravensbrück, das 1944/45 bei Daimler-Benz in der Genshagener Heide bei Berlin eingerichtet wurde.

Was sich auf den ersten Blick wie eine in jeder Hinsicht ferne Geschichte anhört, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Brennglas, in welchem sich Kriegsgeschichte, deutsche Industriegeschichte, Landes- und Lokalgeschichte und sogar Kunstgeschichte und Psychoanalyse bündeln. Gleichzeitig geht es um den Kampf um Würde und Lohn und nicht zuletzt um Erinnern und Vergessen auch in der Gegenwart.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Krieg, Motoren, KZ-Frauen, Erinnerung“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8670″] Denn in Genshagen befand sich das besonders kriegswichtige Flug-Motorenwerk der Daimler-Benz-AG. Zentrale Teile dieses Werks wurden ab März 1944 unter dem Tarnnamen „Goldfisch“ nach Obrigheim an den Neckar verlagert. Ab September 1944 wurde direkt im Werk Genshagen ein KZ-Außenlager eingerichtet, denn nach wie war die Endmontage der Motoren dort angesiedelt. Zur Zwangsarbeit dort holte sich Daimler-Benz 1100 Frauen aus Ravensbrück, vor allem Polinnen, Ungarinnen, Französinnen und Deutsche. Ihre Geschichte wurde – ebenso wie die von „Goldfisch“ – lange verdrängt und vergessen. Das entsprechende Schweigen auch bei den Feiern des Daimler-Benz-Konzerns zum Jubiläum „100 Jahre Automobil“ im Jahre 1986 brachte kritische Historiker, darunter Michael Schmid aus Mosbach und Helmuth Bauer aus Ulm, auf die Spur.

In wenigen Tagen wird in Stuttgart am 29. Januar 2011 „125 Jahre Automobil“ wieder mit einem Groß-Event begangen.
Helmuth Bauer hat in akribischer Arbeit Lebenswege der „Frauen von Genshagen“ nachgezeichnet, darunter den der Künstlerin Edit Bán Kiss aus Budapest, die unmittelbar nach dem Krieg versuchte, sich ihre traumatischen Erinnerungen von der Seele zu malen. Nach vielen Lebenswenden – ihre letzten drei Lebensjahre arbeitete sie in der Klinik von Anna Freud in London – wählte Edit Bán Kiss 1966 den Freitod: „Innere Bilder wird man nicht los“.

Die Buchvorstellung wird von Helmuth Bauer mit Filmsequenzen aus seiner Fernseh-Dokumentation „Für Lohn und Würde“, in denen die überlebenden Frauen von Genshagen erscheinen, auch bildlich untermalt.

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