„Süddeutsches Shuntzentrum“ in Mosbach

„Wir wollen die Shuntchirurgie in Mosbach zur neuen Blüte bringen“, war die Kernsaussage von Dr. Pia Hamm und Klaus Neckarauer (Mitte), die als Nierenfachärztin und als Chirurg ab Februar im neuen „Süddeutsche Shuntzentrum“ an den Neckar-Odenwald-Klinken in Mosbach für die chirurgische Betreuung schwer Nierenkranker zuständig sein werden. Geschäftsführer Andreas Duda (links) und Landrat Dr. Achim Brötel (rechts) hörten die Aussage mit Freude. (Foto LRA)

Mosbach. Ein echter „Paukenschlag“ soll 2011 als „Jahr der guten Nachrichten für die Neckar-Odenwald-Kliniken“ – wenn es nach Landrat Dr. Achim Brötel geht – eröffnen: Die Einrichtung des „Süddeutschen Shuntzentrums Mosbach“ nämlich, das am 2. Februar 2011 an den Neckar-Odenwald-Klinken seinen Betrieb aufnehmen wird.
Damit verbunden ist eine deutliche Ausweitung des medizinischen Leistungsspektrums mit einem überregionalen Einzugsbereich bis nach Hessen und Franken. Denn im Umkreis von 150 Kilometern gibt es keine vergleichbare Einrichtung mehr.

Tatsächlich ist das „Geschäftsmodell“ Shuntchirurgie nicht neu. Seit 1976 wurde sie in einem hoch spezialisierten Fachkrankenhaus in Neckargemünd praktiziert. Dort, praktisch auf der grünen Wiese, fehlte allerdings die Einbindung in ein funktionierendes Akutkrankenhaus mit Intensivstation. Doch dazu und zur allgemeinen Modernisierung wären Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe notwendig gewesen, weshalb die SRH die Notbremse zog. Ein Chirurg und eine Nierenfachärztin, Klaus Neckarauer und Dr. Pia Hamm, taten sich daraufhin zusammen und beschlossen, einen neuen Standort für dieses funktionierende Geschäftsmodell zu suchen. In Mosbach schließlich wurden sie fündig, denn gerade hier passten wichtige Eckdaten: ein freier OP-Saal, eine rund um die Uhr verfügbare Anästhesieabteilung und unabhängige Dialyseplätze vor Ort.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Süddeutsches Shuntzentrum in Mosbach“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8795″] Insgesamt acht bisher in Neckargemünd beschäftigte Ärzte, Pflegefachkräfte und eine Verwaltungskraft werden ab Februar in Mosbach arbeiten. Die Shuntchirurgie wird organisatorisch in die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie unter Chefarzt Dr. Harald Kirr eingegliedert und nutzt da die Synergieeffekte eines funktionierenden Klinikbetriebs. Die vorhandenen Strukturen sind für Dialysepatienten besonders wichtig, weil sehr oft weitere schwere Erkrankungen vorliegen, die am besten vor Ort entsprechend behandelt werden müssen.

„Der Geschäftsführer, Andreas Duda, ist aus dem Stand über eine ziemlich hohe Latte gesprungen“, bestätigten Neckarauer und Hamm das Lob, das zuvor schon der Landrat in Richtung Geschäftsleitung ausgesprochen hatte. Denn erst am 15. Dezember waren die Verträge unterzeichnet worden, derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit im Februar dann tatsächlich die ersten Operationen vorgenommen werden können. Duda gab das Lob gerne weiter an die Ärzte und das Pflegepersonal, die hochflexibel und kooperativ reagiert hätten.

„Unsere Patienten sind Hochrisikopatienten, wir wollen und können da keine langen Verzugszeiten entstehen lassen“, erklärten Neckarauer und Dr. Hamm die Eile, mit der das Projekt voran getrieben wird. Die in Mosbach notwendigen Investitionen in die entsprechende Technik – sechs Dialyseplätze sollen entstehen, die allerdings nur für Dialysen direkt vor oder nach einer OP genutzt werden – beziffert Duda auf rund 200.000 Euro. „Sehr sinnvoll“ sei diese Investition, betonte der Geschäftsführer, der dadurch auch nicht das wirtschaftliche Ergebnis der Kliniken in 2011 negativ beeinflusst sieht: „Unser Ziel ist, die Qualität der Häuser zu steigern und Nischen zu besetzen. Nur diese Strategie kann uns langfristig den Erfolg sichern. Da ist die Shuntchirurgie irgendwann vielleicht mal das „Sahnehäubchen“.
Auch wenn die anvisierten Operationszahlen zunächst bewusst niedrig gehalten wurden, ließen die beiden neuen Ärztekollegen keinen Zweifel: „Wir wollen die Shuntchirurgie hier in Mosbach zu einer neuen Blüte bringen.“

Shuntchirurgie

Hierunter versteht man die Neuanlage oder Versorgung von sogenannten Dialyse-Shunts. Ein Shunt ist eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Vene und einer Arterie, in der Regel am Unterarm, aber auch an anderen Regionen des Körpers. Über diesen Shunt werden in den ambulanten Dialysezentren die Patienten dann an die jeweiligen Dialysegeräte angeschlossen, die bei Nierenversagen oder schweren Nierenschäden die Reinigung des Blutes übernehmen.
Ein Shunt ist ein „Gebrauchsgegenstand“, der bis zu sieben Jahre benutzt werden kann. Verstopfungen sind allerdings nicht selten. Auch hier hilft die Shuntchirurgie, die schnell und flexibel sein muss, weil die meist dreimal in der Woche anstehende Dialyse für die Patienten lebensnotwendig ist.
Rund 500.000 Patienten sind derzeit in Deutschland auf die Dialyse angewiesen. Tendenz steigend, weil auch die Zahl der Diabetes-Patienten steigt. Diabetes ist eine Vorerkrankung, die häufig zu Nierenversagen führt. Auch die steigende Lebenserwartung ist ein Grund, warum die Shuntchirurgie immer wichtiger wird.

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, mir wurde heute während meiner Dialyse gesagt, daß das Süddeutsche Shuntzentrum nach Heilbronn verlagert worden wäre. Stimmt das? Wenn ja, teilen sie mir doch bitte die neue Adresse mit. Wenn nein, erbitte ich ebenfalls ihre Mitteilung. Dank.
    Mfg Volker Luley

    • Leider kann ich Ihnen dahingehend keine Auskunft erteilen. Vielleicht rufen Sie einfach dort an.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jürgen Hofherr

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