„Geburtshilfe als Haftungsrisiko“

Simone Heitz im Gespräch mit Hebammen

Mosbach. (cd) Es gibt seit einigen Jahren ein Hebammensterben mit teilweise dramatischen Ausmaßen. Die Ursache liege in den massiv gestiegenen Haftpflichtprämien und nicht im demographischen Wandel. Im Landkreis sei die Geburtenrate stabil, jährlich ca. je 450 Geburten in Mosbach und Buchen. Dieses schilderte Heike Klingmann, Sprecherin der hiesigen Hebammen, der grünen Landtagskandidatin und Kreisrätin Simone Heitz bei einer Zusammenkunft in Mosbach mit 20 Teilnehmerinnen. Geburten, Geburtshilfe seien Risiken, vor allem aber Haftungsrisiken. Unter dieser Überschrift könnte man den Anstieg der Haftpflichtprämien von 1981 bis heute sehen. Die Haftpflichtprämien stiegen von 1981 bis heute um über das 100fache – von 30 Euro auf 3.689 Euro. Heike Klingmann schildert diese dramatische Situation, die dazu führt, dass immer mehr Hebammen ihren Beruf aufgeben müssen. Es seien die Krankenkassen die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, so die Hebammen, die sich auf Hintergrundinformationen des Deutschen Hebammenverbands stützen.
Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Geburtshilfe als Haftungsrisiko“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8830″] Denn die Krankenkassen seien in den letzten Jahren vermehrt dazu übergegangen, eigene Regressabteilungen damit zu beschäftigen, den Schuldigen bei „Schadensfällen“ zu suchen. Bei Geburtsschäden werden neben den direkten Auswirkungen des „Schadensfalls“ wie Klinikaufenthalte, Arztkosten, Medikamente, Hilfsmittel auch indirekte Auswirkungen in Rechnung gestellt, wie Verdienstausfall der Bezugspersonen und Verdienstausfall des Kindes, das möglicherweise nie oder nur teilweise ins Erwerbsleben eintreten könnte. Krankenhaushebammen wurden so zu Beleghebammen mit Übernahme des Haftungsrisikos und einer Entlohnung von 224 Euro pro Geburt bis zu 11 Stunden. Von den 224 Euro sind Sozial- und Krankenversicherungen einschließlich Haftpflicht zu bestreiten. Nach dem Beitragsstabilisierungsgesetz haben die Hebammen kaum Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Sie beklagen insbesondere die Beweislastumkehr, denn „die juristische Sicherheit für den Geburtshelfer ist nicht unbedingt der sicherste Weg für Mutter und Kind.“

„Muss nicht die Kinderfreundlichkeit eines Landes hinterfragt werden, das Geburtshilfe so stark unter Schadensersatzgesichtspunkten betrachtet?“, so Simone Heitz. Sie betonte die Wichtigkeit der Arbeit von Hebammen in Vor- und Nachsorge und unter der Geburt. Als dreifache Mutter hat sie davon nicht nur theoretische Kenntnisse. Simone Heitz unterstrich die Aussage von Sigrid Hörner: „Alle Menschen, alle neuen Erdenbürger haben ein Recht auf das besondere, auf das einmalige Erlebnis Geburt. Geboren wird man nur einmal. Dass dieses so wenig Wertschätzung genießt in unserer Gesellschaft, dass dieses nicht gefeiert und nicht honoriert wird, ist eigentlich unfassbar.“

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