Lachsalven und Beifallsstürme

“maenner ohne nerven” im ausverkauftem Dorfgemeinschaftshaus gefeiert

(Foto: Brauch-Dylla)

Wagenschwend. (bd) Die Zeit können auch die “maenner ohne nerven” nicht zurück drehen, weder beim Friseur, wo die weibliche Fachkraft Christoph „Gigoff“ Schmidt mit einem einzigen Satz aus den Wonnen der Kopfhautmassage reißt – „die werden aber auch schon grau“ – noch am Samstag bei ihrem Gastspiel im hohen Odenwald. Wenn man halt bis fünf nach Elf auf der Bühne rumturnt, dann bleibt der für 23:00 Uhr reservierte Tisch im Gasthaus leer.

Mit dem Brot des Künstlers, das ja der Applaus sein soll, war das Vokal-Quartett zuvor reichlich überschüttet worden, eine dreiviertel Stunde erklatschte sich das begeisterte Publikum Zugabe um Zugabe. Mit hochklassiger Gesangskunst, komödiantischen Zwischenspielen, schlagfertigen Stand-Up-Einlagen und gut gemeinten Tanzchoreographien brachten die „Maenner“ die Besucher im ausverkauften Dorfgemeinschaftshaus sofort auf Touren. Die Limbacher vhs und der Förderverein des Dorfgemeinschaftshauses, die das Gastspiel ausrichteten, hatten einen Volltreffer gelandet.

Die ersten drei Songs umrissen gleich die gesamte thematische Bandbreite des bevorstehenden Liederabends: „Männer ohne Nerven“, „Mädchen“ und „Primaten“. Im zwanzigsten Jahr des Bestehens des Chors zeigten Philipp Leschhorn (Bariton), Norbert Kotzan (Tenor), Christoph Schmidt (Bariton und Beat-Box) und Thorsten Werner (Bass) eine greifbare Bühnenlust, und der Funke zum teilweise weitgereisten Publikum sprang spätestens über, als Gigoff Schmidt „zur präzisen Justierung des weiteren Programms“ das Bildungsniveau zu evaluieren begann. Ob im weiteren eher E- oder U-Musik erklingen soll wird durch eine Wissensabfrage historischer Paare geklärt. Sind die Zuhörer bei Romeos Partnerin und Tristans Isolde noch voll im Soll, wollen sie dann beim gefragten Pendant zu Siegfried dem Nibelungenhelden nicht Kriemhild zur Seite zu stellen, sondern „Roy“ ins Rennen zu schicken. Gespieltes Entsetzen bei den Bühnenartisten, die Notenblätter mit Schubert und Kollegen werden sofort auf der Bühne in Konfetti verwandelt.

Auch gut, im weiteren nun eben dreidimensional inszenierte Songs über Chili con Carne, das Charisma des „Masseurs“ (Philipp Leschhorn) und den Alltag in der Männergruppe.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“maenner ohne nerven – Lachsalven und Beifallsstürme“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8933″] Im zweiten Teil dann optisch verwandelte Sänger, Latzhose, Norweger-Pulli und Beckham-Trikot weichen feinem Zwirn. Der Körpereinsatz lässt jedoch nicht nach, auch wenn zunächst getragenere Nummern erklingen. Dennoch bleiben sie hart am Thema Beziehungswelt. Aus Sting’s „walking on the moon“ wird ganz irdisch „bitte räum Dein Zimmer auf!“. Unvergleichliche Werke deutscher Pubertätslyrik kommen vertont zu Gehör, ehe die Geschichte des den Familienurlaub auf der besonnten Fensterbank verbringenden Zwiebelmettbrötchens kundgetan wird, aus dem reichlich neues Leben entsteht – Ekel kann so melodiös sein!

Als schließlich im Dorfgemeinschaftshaus die letzten besinnlichen Töne verklungen sind, das unplugged da gebrachte „zerbrochene Ringlein“ von Eichendorff („In einem kühlen Grunde…“), da gehen viele lachende Besucher auseinander und es ist bewiesen: „die kenne nett nur danze.“

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(Foto: Brauch-Dylla)

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