„Es strömt so aus mir heraus“

Gespräch mit der Landtagskandidatin Simone Heitz

Will in den Stuttgarter Landtag. (Foto: privat)

Am 27. März 2011 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Für Bündnis 90/Grüne kandidiert im Neckar-Odenwald-Kreis Simone Heitz aus Aglasterhausen. Die Journalistin Ulla Brinkmann hatte die Gelegenheit, der Kandidatin einige Fragen zu stellen.

NOKZEIT: Sie peilen die nächste Polit-Stufe an, Frau Heitz – nach dem Sitz im Gemeinderat (Aglasterhausen) und im Kreistag (des Neckar-Odenwald-Kreises) wollen Sie nun in den Landtag von Stuttgart. Logischer Karriereschritt oder inneres Bedürfnis?

Heitz: Ein ehemaliger Klassenkamerad hat mich das am Rande des Neujahrsempfangs mit Fritz Kuhn ebenfalls gefragt. Aber Rückfrage: Macht man als Landtagsabgeordnete Karriere? Ich glaube nicht. Politische Arbeit ist schwere, inhaltliche Arbeit. Wenn man nicht blenden, sondern etwas bewirken will, wenn man seine Vorstellungen, seine Grundüberzeugungen einbringen möchte, wenn man erreichen möchte, dass die Welt ökologischer und sozialer wird, dann ist das harte Arbeit.

NOKZEIT: Der ländliche Raum des Kleinen Odenwaldes ist Ihre Heimat und ist Ihr Thema, dafür wollen Sie sich stark machen. Was haben Sie dabei besonders im Blick?

Heitz: Ich liebe meine Heimat, und als Naturschützerin kenne ich die Schätze gut, die das Neckartal, der Odenwald und der Kraichgau zu bieten haben. Unser ländlicher Raum ist so schön, aber es gibt in den Dörfern viele leer stehende Häuser und Geschäftsräume. Die Zukunftsfrage für die Dörfer ist: Wie können sie attraktiv werden für neue Bewohner, für Familien, für Kinder, aber auch für Unternehmen?

NOKZEIT: Können die Gemeinden, die kleinste politische Ebene, denn etwas bewirken?

Heitz: Global denken – lokal handeln: das ist grüner Grundsatz und  Vor-Ort-Politik. Wir Grüne sind für starke leistungsfähige Kommunen mit guter Infrastruktur. Wir finden: wer den Gemeinden Aufgaben überträgt – wie etwa die Kleinkindversorgung – muss auch für die Bezahlung sorgen. Wir Grüne machen uns stark dafür, dass die Wertschöpfung vor Ort, in den Gemeinden, in den Landkreisen bleibt. Wir setzen uns dafür ein, dass Arbeitsplätze in der regionalen Energie- und Bauwirtschaft, in der Land- und Forstwirtschaft geschaffen werden. Außerdem finden wir, finde ich: Güter wie Wasser und Strom gehören in kommunale Hände. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Trend zur Rekommunalisierung und wollen diesen stärken.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Gespräch mit Simone Heitz – Es strömt so aus mir heraus“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8948″]

NOKZEIT: Zu einer guten Infrastruktur gehören Verkehrswege…

Heitz: … die mit der S-Bahn ja schon ein gutes Stück vorangekommen sind. Machen wir daraus einen noch größeren Erfolg, indem wir die Fahrtakte erhöhen und alle Gemeinden im Stundentakt (wenigstens von Bussen und Ruftaxis) angesteuert werden. Die mobile Zukunft liegt für mich im öffentlichen Verkehr. Bypass-Planungen, wie die in der Rhein-Neckar-Region, die Bahnhöfe wie Mannheim oder Heidelberg links liegen lassen, dürfen unter keinen Umständen Wirklichkeit werden. Das wäre außerdem fatal für den Teil der Metropolregion, in dem wir leben, für den Neckar-Odenwald-Kreis.

Und dann gibt es ja noch so ein paar Träume… Die Reaktivierung der Strecke Neckarbischofsheim – Hüffenhardt mit einer Querspange nach Babstadt zählt dazu, oder eine Durchbindung Aglasterhausen – Neckarelz. Auch im östlichen Teil des Landkreises gibt es solche „Traumprojekte“.

NOKZEIT: Als Landtagsabgeordnete wären Sie an vielen Entscheidungen beteiligt, die die Zukunft Baden-Württembergs betreffen. Wo und wie muss gehandelt werden?

Heitz: Meine Aufgabe als Landtagsabgeordnete verstehe ist so: die Bedürfnisse der Menschen wahr- und ernst zu nehmen und daraus politisches Handeln werden lassen. Wir Grüne wollen die Bürgerbeteiligung ausbauen, damit Bürgerinnen und Bürger sich vermehrt in kommunalpolitische Fragen einmischen und in Entscheidungen einbringen können. Hierzu gehören auch Bürgerentscheide über haushalts- und wirtschaftspolitische sowie städtebauliche Fragen. Zudem sehe ich im Naturschutz noch viel Handlungsbedarf.

NOKZEIT: Mit dem Slogan Politik, die ernst nimmt, treten Sie zur Wahl an. Was gehört für Sie außer einer stärkeren Einbeziehung der Bürger noch dazu?

Heitz: Gerade mein letztgenannter Punk: Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen steht für mich  an erster Stelle. Wir brauchen das Hand-in-Hand von Ökologie, Ökonomie und sozialer Gerechtigkeit. Es bedeutet, dass die Begriffe Wachstum und Wohlstand neu definiert werden. Auf der persönlichen Ebene könnte ich das übersetzen in Gesundheit und Zufriedenheit, auf der gesellschaftlichen Ebene in demokratische Mitbestimmung – gerechter Staat – verantwortungsvoller Umgang mit den Menschen und der Schöpfung.

[poll id=“2″]

NOKZEIT: Motiviert Sie da auch Ihr christlicher Glaube?

Heitz: Ja. Ich bin evangelische Christin,  und  ich bin grün. Das gehört für mich zusammen. Ich habe Verantwortung vor Gott und den Menschen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass künftige Generationen noch gesund auf dieser Erde leben können. Ich habe mich vor fast zehn Jahren zur kirchlichen Umweltauditorin ausbilden lassen und unterstütze Kirchengemeinden in ihrem Anliegen, die Schöpfung zu bewahren. Aber wir dürfen nicht nur reden, wir müssen handeln. In der Genesis ist die Rede von „bebauen und bewahren“. Für mich ist das der moderne Nachhaltigkeitsbegriff in biblischer Sprache. Um Nachhaltigkeit, darum geht es. Die Erde ist ein geschlossenes System. Alles, was wir tun, wirkt sich auf dieses System aus. Nachhaltig!

NOKZEIT: Glauben Sie, auf Landesebene denn mehr erreichen zu können?

Heitz: In den Kommunen hat sich in punkto Nachhaltigkeit schon einiges getan. Im ländlichen Raum kennt man regionale Wertschöpfung, weiß um den Jobmotor von regenerativen Energiequellen. Die Kehrseite ist: Wir haben hier in Obrigheim den Atommüll vor der Haustüre. Wir nehmen wahr, dass die Biodiversität abnimmt. In Stuttgart ist das alles noch nicht angekommen. Die schwarz-gelbe Landesregierung setzt auf ein „Weiter so“. Doch dieser Weg  führt in eine Sackgasse. Ich kandidiere für den Landtag, weil Politik meine Leidenschaft ist, weil ich mich mit Leidenschaft für den Weg aus der Sackgasse einsetzen will.

NOKZEIT: Stichwort Strom: Der Neckar-Odenwald-Kreis hat es in punkto Energieautarkie schon weit gebracht…

Heitz: …aber noch nicht weit genug. Ganz klar: regenerative Energien sind unsere Zukunft. Erst recht in einer regionalen Energieversorgung. In Wasserkraft, Sonne und Biomasse steckt noch viel ungenutztes Potential. Und auch wenn sie nicht unumstritten sind: ich mag Windräder. Zu Atomkraft sage ich wie vor 35 Jahren entschieden: „Nein Danke!“ Und was das Kernkraftwerk Obrigheim angeht: da kann mir keiner ein X für ein U vormachen. Damals nicht und heute nicht. Deshalb bin ich damals auf die Straße gegangen, deshalb gehe ich heute auf die Straße.  Ich plädiere für den sofortigen Ausstieg, ich bin gegen die Laufzeitverlängerung, die ja leider gerade von der baden-württembergischen Landesregierung forciert wurde. Das KWO ist abgeschaltet, aber das radioaktive Material strahlt nach menschlichem Zeitbegriff bis in alle Ewigkeit.

NOKZEIT: Und worüber strahlt Simone Heitz?

Heitz: Meine jüngste Tochter hat, als sie klein war, gemalt und auf die Frage, wie sie das so schön, so harmonisch hingekriegt habe, erklärt: „Das strömt so aus mir heraus.“  Sie meinte, dass das, was sie im Inneren bewegt, zu einer äußeren Bewegung wird. Dieses Herausströmen ist bei uns in der Familie zu einem geflügelten Wort geworden. Ich finde, dieses Bild vom Herausströmen ist eine schöne Umschreibung für das Leitbild meines Wirkens.

Die Fragen für NOKZEIT stellte Ulla Brinkmann.

Infos im Internet:
www.simone-heitz.de

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: