Älter werden auf dem Land

Mudau. (lw) „Ältere Menschen im ländlichen Raum“ war das Thema einer Diskussionsrunde, die der CDU-Ortsverband Mudau im örtlichen Golfclub-Restaurant angeregt hatte. Und die große Resonanz zeigte den Verantwortlichen dann auch den dringenden Handlungsbedarf in der Odenwald-Gemeinde, obwohl sie in vielen Bereichen eine Vorreiter-Rolle einzunehmen scheint.

Alexander Opfolter war als 1. Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes stolz, mit Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, Fritz Peter Schwarz als Vertreter der Neckar-Odenwald-Kliniken gGmbH, Caritas-Geschäftsführer Meinrad Edinger, VdK-Ortsverbandsvorsitzenden Franz Handl sowie Bernhard Werner vom Kreisseniorenrat gleich fünf kompetente Referenten begrüßen zu dürfen. Damit konnten die Probleme der Thematik gleich von verschiedenen Seiten beleuchtet werden.

Den Sachstand der Gesamtgemeinde Mudau erläuterte Dr. Rippberger. Dabei sei die Tatsache, dass die Zahl der Senioren auch hier drastisch zunehme genau so unumstößlich, wie die Wertschätzung dieser Altergruppe, die sich durch ihr hohes ehrenamtliches Engagement unbezahlbar in das soziale und kulturelle Leben Mudaus einbringe. Selbstverständlich sehe man aber auch die Bedürfnisse der Senioren, die sich eben nicht mehr einbringen könnten, erläuterte das Gemeindeoberhaupt und beschrieb, wie man derzeit darauf eingehen könne. Zum einen sei die allgemeinärztliche Versorgung, Physiotherapie, Apotheke hier noch überaus zufriedenstellend. Zum Zweiten aber auch die Zahl der Pflegeheimplätze, das Angebot im Tagesdemenzzentrum sowie das Gemeindeangebot an durchaus altersgerechten Wohnungen.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Älter werden auf dem Land“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8859″] Fritz Peter Schwarz hob in seinen Ausführungen die Kostenexplosion im medizinischen Bereich hervor, die konträr zu den sinkenden Sozialabgaben stünden. Während noch vor 50 Jahren das Berufseinstiegsalter bei 14 Jahren und das durchschnittliche Rentnerdasein bei drei Jahren lagen, würde der Einstieg heute mit über 22 Jahren beginnen und man könne seine Rente durchschnittlich 18 Jahre lange genießen. Dennoch müsse sich der Neckar-Odenwald-Kreis nicht verstecken. Immerhin 600 Betten stünden in den medizinisch vorbildlichen Krankenhäusern im Kreis zur Verfügung und über 1.300 Pflegebetten in Seniorenheimen.

Auch Meinrad Edinger beschrieb – nicht ohne Stolz, dass der Caritasverband Neckar-Odenwald-Kreis mit seinen 300 Mitarbeitern rein ambulant aufgestellt derzeit täglich 500 Personen betreue, und zwar im Auftrag der Kirche ohne Gewinnmaximierung. Doch um das Niveau halten und vielleicht weiter ausbauen zu können, sei es wichtig, sich weiter auf den Anteil aus Kirchensteuern verlassen zu können. Weiter erläuterte Edinger, dass man dabei sei, die ambulante Versorgung zum einen medizinisch, aber auch in der Lebensmittelversorgung weiter auszubauen. Dieser Service werde gerade auf dem Land immer wichtiger, wo das größte Handicap in der Mobilität liege. „Die Mehrgenerationenhaushalte von früher gibt es nicht mehr, und wenn von einem Paar nur noch einer übrig bleibt, ist unser Pflegedienst oft die einzige Ansprache für die Senioren“, sprach Meinrad Edinger ein weiteres Problem des demographischen Wandels an.

Ein Manko unserer bürokratisch überladenen Gesellschaft, das bis dato noch nicht erwähnt war, wurde in dem kurzen Statement von Franz Handl deutlich. Als Vorsitzender des VdK Mudau konsultieren ihn zunehmend Mitglieder, die mit dem Formular-Wust der Behörden ebenso wenig klar kommen wie mit den Verzögerungstaktiken, die diese im Genehmigen durchaus berechtigter Anträge auf Pflegestufen, Frührenten oder Schwerbehindertenausweise anwenden. Handl sah hier die Ursachen hauptsächlich in der Bundespolitik, wo man sich immer mehr von der Basis entferne. Dabei gab er dem Tenor der Referenten recht, dass Politik in erster Linie den Menschen dienen, und nicht als Machtpotential missbraucht werden sollte.

Bernhard Werner bekräftigte diese Aussage, indem er die Ziele des Kreisseniorenrates vorstellte. Als Bestandteil des NOK-Freiwilligenzentrums verstehe man sich als Kontakt- und Versammlungsbörse. Und zwar sowohl in Richtung der Senioren als auch in die der Instanzen, die älteren Menschen das Leben erleichtern können. Der Kreisseniorenrat arbeite ausschließlich eigennützig, aber partei- und kirchenpolitisch neutral. Dabei biete er eine individuelle Erstberatung für Senioren, die man gerne auch orientierend begleite. Aber man wolle, so Werner weiter, sich auch dafür einsetzen, dass die verschiedenen Informations- und Hilfsquellen ihre Kräfte bündeln, um zu klären „Wo scheitert es an welchen Problemen“.

Alexander Opfolter fasste die Grundproblematik kurz zusammen, bevor eine lebhafte Diskussion die Veranstaltung bereicherte und Anregungen gab, das Thema in Detailbereichen weiter zu verfolgen. Angefangen bei den Kartenautomaten der Bahn bis zu Akzeptanzbrücken für Betreuungseinrichtungen.

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