Infostand zum Welttuberkulosetag

Mosbach. „Die Lungen waren mit kleinen, harten Knötchen durchsetzt. An der oberen Hälfte der linken Lunge war etwas Kavernenartiges…“ So der Obduktionsbericht eines im Jahre 1781 verstorbenen Schulkameraden des Dichters Friedrich Schiller.

Tuberkulose, damals als „Schwindsucht“ geläufig, gab es zu Zeiten Schillers überall. Keiner war gefeit, jeden konnte es treffen. Ein Viertel aller Todesfälle ging auf eine Tuberkulose zurück. Erst 100 Jahre später, am 24. März 1882, gab Robert Koch die Entdeckung des Tuberkuloseerregers in Berlin bekannt. Wieder 100 Jahre später, am 24. März 1982, wurde der erste Welttuberkulosetag von der Weltgesundheitsorganisation ausgerichtet, um diese nach wie vor gefährliche und viel zu oft auch tödliche Infektionskrankheit in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Vor diesem Hintergrund lädt der Fachdienst Gesundheitswesen des Landratsamtes in Zusammenarbeit mit dem Patienteninformationszentrum der Neckar-Odenwald-Kliniken zu einer formlosen Infoveranstaltung ein, bei der über Krankheitsbild, Ansteckungsmöglichkeiten, Diagnose und Behandlung informiert wird. Am Donnerstag, 24. März wird von 10 bis 17 Uhr im Foyer des Krankenhauses in Mosbach ein Informationsstand aufgebaut sein, der ganztägig personell besetzt sein wird, um entsprechende Fragen zu beantworten.

Obwohl Tuberkulose heilbar ist, sterben jährlich rund zwei Millionen Menschen daran. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird weltweit auf sieben bis acht Millionen Menschen geschätzt. In Deutschland ist die Tuberkulose heute weitgehend unter Kontrolle. Die Zahl der Neuerkrankten ist auf einem niedrigen Niveau stabil und liegt bei fünf bis sechs Neuerkrankungsfällen auf 100.000 Einwohner pro Jahr.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Infostand zum Welttuberkulosetag“ url=“//www.nokzeit.de/?p=9865″] Auch im Neckar-Odenwald-Kreis wird die Krankheit immer wieder diagnostiziert. Die Anzahl der Neuerkrankungen blieb mit jährlich rund neun Personen in den vergangenen Jahren nahezu konstant und entspricht dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Ist eine Person im Landkreis akut an Lungentuberkulose erkrankt, muss der Fachdienst Gesundheitswesen des Landratsamtes informiert werden. Die behandlungsbedürftige Tuberkulose ist nach dem Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung. Die Mitarbeiter des Fachdienstes ermitteln dann die Personen, mit denen der oder die Erkrankte in den letzten Wochen und Monaten vor der Diagnosestellung in Kontakt war. Diese Personen werden im Rahmen einer „Umgebungsuntersuchung“ getestet. Von der Öffentlichkeit werden diese Maßnahmen meist gar nicht bemerkt. Wichtig sind sie dennoch, weil dadurch bisher unerkannte Ansteckungsquellen entdeckt und die Ausbreitung der Krankheit verhindert werden kann. Alle Kontaktpersonen werden engmaschig durch den Fachdienst Gesundheitswesen betreut, beraten und versorgt.

Unter den Neuerkrankten im Kreis im Jahre 2010 hatten 55 Prozent eine „offene“ und damit ansteckungsfähige Tuberkulose. 345 Kontaktpersonen wurden ermittelt und untersucht. Im Rahmen dieser Umgebungsuntersuchungen konnten drei weitere Erkrankungen im frühen Stadium entdeckt. Darüber hinaus wurden unter den Kontaktpersonen 17 weitere Infizierte diagnostiziert, die sich zwar angesteckt hatten, aber nicht oder noch nicht erkrankt waren. Sie befinden sich derzeit in Überwachung bei der Tuberkulosefürsorgestelle des Fachdienstes Gesundheitswesen und sind in lungenfachärztlicher Behandlung.

Die Tuberkulose kann verschiedene Organe des Menschen befallen, am häufigsten betroffen sind jedoch die Lungen. Tückisch ist, dass sie über längere Zeit keine oder nur mäßige Beschwerden wie leichten Husten, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Nachtschweiß und leichtes Fieber am Abend verursacht. Die Behandlung dauert neun bis 12 Monate. Daran schließt sich eine Art „Überwachung“ durch den Fachdienst Gesundheitswesen über mehrere Jahre an.

Bei grundsätzlichen Fragen zur Tuberkulose steht Edwin Rilling als Tuberkulosefürsorgearzt des Fachdienstes Gesundheitswesen des Landratsamtes unter der Telefonnummer 06261/842432 gerne zur Verfügung.

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