Das Schlotfegerland prunkte

Seckach. (lm) „Nach 30 Johre hin und her, die Stroos do naus, die war nix mehr. Jetzt krieche mer e Autobahn, do könned Aichelscher a schnell uff Seggi fahrn!!“ – so viel Aufwand, und dann hatte sich nur ein einzelner Schnäischittler zur Prunksitzung im Schlotfegerland eingefunden.

Sitzungspräsident Christian Schneider war so enttäuscht wie das Narrenvolk amüsiert. Es war nur ein Joke, denn die Abordnungen aus Hainstadt, Götzingen, Zimmern, Großeicholzheim, Hettingen, Osterburken, Mudau, Merchingen, Walldürn und Rosenberg hatten sich lediglich an der gemütlichen Bar verquatscht und sie brachten neben Gastgeschenken auch jede Menge gute Laune in den Seggemer Narrentempel.

Dank dem Musikverein Seckach unter Stabführung von Martin Heß – der nahezu perfekten Sitzungs- und Schunkelkapelle – war man zwar hier schon vor der Sitzung bester Stimmung und absolut gespannt auf das Schlotfeger-Programm, aber dennoch stieg das Laune-Barometer im Laufe des Abends stetig an, um beim Finale schließlich den absoluten Siedepunkt erreicht zu haben.

Als relativ junger Fastnachtsverein kennt die FG „Seggemer Schlotfeger“ bereits fast alle Höhen und Tiefen, doch als echte und hauptberufliche Optimisten sind sie auf dem besten Weg, erfolgreich eine neue Ära in Sachen Prunksitzung zu starten.

Das Schlotfegerland prunkte (Fotos: Liane Merkle) [nggallery id=87]

Die Schlotfeger haben sehr richtig erkannt, dass ein noch so gutes Programm vor Mitternacht aus sein sollte, damit die Narren ganz entspannt die gute Stimmung genießen können. Und so zog man das Programm in aller Kürze mit viel Würze durch. Keine langen Zugaben, die Ansagen kurz und knackig und selbst der Bürgermeister hielt sich in seiner Laudatio auf die Fastnacht an die alte Telefonzellen-Grundregel „Fasse dich kurz“.

Zwar ist man noch auf der Suche nach eigenen Büttenrednern, aber dieses Manko machten die Verantwortlichen wett, indem die die Besten aus dem Narrenring eingeladen hatten. Dazu gehörten zweifellos Helena Schell und Wolfgang König von den Höpfemer Schnapsbrennern sowie nahezu konkurrenzlose Felix Hugen von den Beddemer Hanmertli. Sie sorgten für Zwerchfell-Training im Turbo-Gang.

Als Helena Schell von ihrer 1. und letzten Party berichtete, kam anwesenden Eltern schon im ersten Absatz, als sie den Grill im Wohnzimmer aufstellten, das kalte Grausen. Doch sie meinte „des war gar net übel, denn draußen goss es wie aus Kübel“. Keine Frage, dass das ganze mit der Feuerwehr und blassen Eltern endete.

Wolfgang König wusste als versierter Kellner überaus amüsante Histörchen über VIPs und solche, die sich dafür halten, zu erzählen. Unter „Wissenswertes“ war sicher seine Deklaration von „Vegetariern“ einzuordnen: „des kommt aus em Indianische un heeßt frei übersetzt: zu blöd zum Jagen“.

Als Dioxin-geschädigter Osterhase klagte Felix Hugen sein Leid. Nicht nur dass er in Folge dieses Giftes statt seines astreinen Hochdeutsch nun Rheinländisch spreche, nein! Er habe auch das Klettverschluss-Syndrom. Bei jeder Bewegung, bei jeder Berührung. Und das täte den Ostereiern gar nicht gut. Als knackiger Rocker hatte er dann andere Probleme und dachte musikalisch über die Bildung der Jugend in den verschiedenen Bundesländern nach bevor er „das Lied vom Scheißtag“ als unvermeidliche Zugabe – eine echte Rarität an diesem Abend – gab.

Visuell eingebettet waren diese heftigen Zwerchfellattacken in die schönsten Tanzdarbietungen. Mini-, Jugend- und Schlotfeger-Garde präsentierten Gardetänze, die an charmantem Temperament und harmonischer Choreografie kaum zu überbieten waren. In ihren Schautänzen „Mama Mia“, „Schulmädchen“ und „Scottish Girls“ bewiesen sie außerdem neben unglaublicher Kondition auch ein gerüttelt Maß an Innovation und schauspielerischem Talent.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Das Schlotfegerland prunkte“ url=“//www.nokzeit.de/?p=9924″] Und diese Eigenschaften waren auch dem Männerballett Hainstatt (Trainerinnen Michaela Breunig und Diana Schwarz-Berberich) mit ihrem „Eisbärentanz“ nicht abzusprechen. Allerdings verwandelten sich die Eisbären vom Nordpol mit ausgesprochen guter Akrobatik in die „Eishockey-Eisbären“, so die wie Männerauslese Walldürn (Trainerinnen Silke Trunk und Stefanie Pfeiffer) ihre Sportlichkeit beim mitternächtlichen Puppenspaß im Spielzimmer unter Beweis stellte.

Wie man bei den Zimmerner Fugschlöchern ein Sendefrequenzproblem löst, zeigte deren Schautanzgruppe unter Leitung von Annika Wahl und Astrid Heyder. Aus dem angrenzenden Schnaischittler-Land waren die „Goweddls“ als überzeugend harte und coole Rockerbräute unter Regie von Diana Neureither angereist und die Gruppe „Maus“ begeisterte mit ihrem Kannibalen-Tanz (Trainerin Jasna Wild).

Mit dem Zimmerner „Dieter Thomas Kuhn“ alias Simon Amend und seiner Playback-Show tanzte das Narrenvolk dann zu „Mendecino“, „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und „Über den Wolken“ auf den Tischen, bevor die FG Seggemer Schlotfeger zum finalen Laune-Feuerwehr ausholte.

Die Vorstandschaft präsentierte eine tänzerische „Weltschow“ unter der Prämisse „Wenn ich einmal groß bin“. Denn dann geht es ab in die Türkei, nach Mallorca, Moskau, in die USA, zu den Pinguinen und schließlich zum Aufwärmen nach Afrika. Und dann bewies der Elferrat, dass man durchaus auch als „Mr. Gaga“ Chancen und Erfolg haben könnte.

Zusammen mit dem Publikum und der Schlotfeger-Garde tanzte der Saal vor dem großen Finale „Madcon –GLOW“. Christian Schneider zeigte sich begeistert von seinem Publikum, schließlich hatte er diesen Flashmob an diesem Abend immer mal wieder mit dem närrischen Publikum eingeübt.

Ein Dank der FG „Seggemer Schlotfeger“ galt für den tollen Orden und das Bühnenbild – Rainer Kampfhenkel, den Trainerinnen Dunja Danner, Bianca Keller, Tanja König, Nicole Pfeiffer, Julia Mehl und Maren Herkel, den Kostüm-Näherinnen Monika Kottmüller, Rosi Binnig, Brigitte Wahl und „Mama“ Hartl, Technik-Team Kristian Antunovic, Christian Eberhard, Sebastian Kaufmann, Video-Spezialist Rudi Zuber, Bühnenhelfer Sebastian Erfurt, allen, die sich in irgendeiner Weise für diesen Abend eingebracht hatten.

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