„Homeing“ gegen „Bühnenarrest“

Schwarze Grütze in der Alten Schule in Osterburken

Foto: Michael Pohl

Osterburken. (ham) So sind sie, die Jungs von „Schwarze Grütze“: anstatt sich uneingeschränkt darüber zu freuen, dass der Saal der Alten Schule in Osterburken bis auf den letzten Platz gefüllt war, machte das Musikkabarett-Duo aus Potsdam die Zuhörer anhand des Fernsehprogramms darauf aufmerksam, was sie an diesem Abend beim „Homeing“, der modernen Form der Stubenhockerei, versäumten. Doch das sei nur gerecht, denn schließlich hätten die beiden Musiker ja auch „Bühnenarrest“. Der namensgebende Opener für ihr neues Programm, mit dem sie nach fünf Jahren wieder einmal Gast bei der Kulturkommode waren, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was das Publikum geboten bekommen sollte: komödiantische Wortspielereien, groteske Geschichten mit und ohne Musik – ein Abend, der trotz so manchen Griffs ins Kalauer- und Makabritäten-Kabinett für anspruchsvolle Unterhaltung sorgte.

Vor etwa 15 Jahren lernten sich der ambitionierte Liedermacher Dirk Pursche und Stefan Klucke, damals Gitarrist einer Punk-Band, kennen und machten in verschiedenen Ensembles völlig unterschiedlicher Stilrichtungen gemeinsam Musik, ehe das Duo „Schwarze Grütze“ entstand. Der sprichwörtliche schwarze Humor wird dabei genial gepaart mit einer Mischung aus Scharfsinn und Unsinn („Grütze“) und einer instrumentalistischen Leichtigkeit, welche die Musik nicht in den Vordergrund bringt, sondern den Fokus auf die ausgefeilten Texte lenkt. Ganz im Stile ihres künstlerischen Vorbilds Georg Kreisler verpacken sie ihre absurden Alltagsbetrachtungen in Chansons, welche sie an Gitarre und Bass oder am Klavier begleiten – durchaus auch mal mit Rock-, oder Blues-Anleihen.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“„Homeing“ gegen „Bühnenarrest““ url=“//www.nokzeit.de“] „Schwarze Grütze“ verstehen ihre Kunst als Kabarett, das trotz des einen oder anderen Seitenhiebs auf aktuelle Geschehnisse nicht auf die hohe Politik abzielt sondern in kleinen Geschichten dem Publikum einen gesellschaftspolitischen Spiegel vorhält. Dabei bieten sie durchaus kreative Erziehungsansätze, wie in „Marvins Eltern“, in dem sie die Erwachsenen all die verbotenen Dinge tun lassen, die sonst ihre Kinder tun würden. Da Kinder nie so werden wollen wie ihre Eltern, müssten sie so folgerichtig zu gut erzogenen Jugendlichen heranwachsen. In einem anderen Song machen sie sich darüber Gedanken, wie ein Raucher ob seiner Gifte im Körper nach seinem Ableben möglichst 2Homeing gegen Buehnenarrest umweltgerecht zu entsorgen wäre. Beinahe könnte einem bei den schwarzhumorigen Pointen das Lachen im Halse stecken bleiben, wären die gut beobachteten Geschichten aus der Feder von Dirk Pursche und Stefan Klucke nicht so gnadenlos überhöht und haarscharf an der Realität vorbei, dass es letztendlich doch das reine Vergnügen ist, den beiden zuzuhören.

Neben diesen durchaus nicht unpolitischen Nummern bietet das Potsdamer Duo allerdings auch genügend schräge Songs, intelligenten Trash und Nonsens: „Einer geht noch“ ist ein urkomisches Medley aus total verfremdeten Stimmungshits und wer auf die originellen Wortspiele der „Schwarzen Grütze“ gewartet hat, kam bei dem beinahe ausnahmslos aus Schüttelreimen bestehenden „Schüttelkind“ voll auf seine Kosten. So kurzweilig und unterhaltsam war der Abend, dass das begeisterte Publikum noch einige Zugaben einforderte, ehe es die „Schwarze Grütze“ aus ihrem Bühnenarrest entließ.

Infos im Internet:
www.kulturkommode.de

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