HSG – „Über Grenzen / Irland“

HSG-Oberstufenschüler auf Exkursion in Irland und Nordirland

von Verena Dillmann

Eberbach. „Über Grenzen / Irland“ heißt ein Seminarkurs der 12. Klasse, der in diesem Schuljahr am Hohenstaufen-Gymnasium (HSG) Eberbach stattfindet und von interessierten Schülern zusätzlich gewählt werden konnte. Unter der Leitung von Studienrätin Julia Naßutt, Oberstudienrat Bernhard Schell und Studienrat Dr. Christian Jung beschäftigen sich die Schüler dabei in Projekt- und Gruppenarbeit mit Alltagsgrenzen und Barrieren jeglicher Art von der Theologie über die Geschichte und englischen Sprachwissenschaft bis zur Kriminologie.

Bevor die Oberstufenschüler dieses interdisziplinären Kurses nun in den kommenden Wochen wie an einer Universität Hausarbeiten zu selbstgewählten „Grenz“-Themen schreiben und sich einer mündlichen Prüfung stellen müssen, die im Abitur abgerechnet werden kann, stand in den Winterferien 2011 eine freiwillige, fünftägige Exkursion zur irischen Geschichte nach Dublin und Belfast auf dem Programm, da die unterschiedlichen Grenzen Irlands sich für eine Vertiefung besonders gut eignen.

In der irischen Hauptstadt Dublin wurde zuerst das 1592 gegründete Trinity College mit seiner großen Bibliothek besucht. In diesem ist auch die berühmte Handschrift „Book of Kells“ aus dem 8. Jahrhundert zu sehen, in der die vier Evangelien mit großen Buchmaterialien zu sehen ist. Auf dem Programm stand ebenso die Besichtigung des irischen Nationalmuseums und der Town Hall, in denen sich die Schüler vor allem mit dem irischen, zum Teil blutigen Unabhängigkeitskampf zwischen 1916 und 1949 beschäftigten. Einen Termin hatte die 23-köpfige Gruppe zudem im Goethe-Institut Dublins, wo sie von dessen Leiter Rolf Stehle begrüßt wurde.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“HSG – Über Grenzen / Irland“ url=“//www.nokzeit.de/?p=10348″] Außerdem hatte man die Literaturwissenschaftlerin Dr. Christine O’Neill gewinnen können, die vor dem Seminarkurs über den Literaturnobelpreisträger James Joyce (1882-1941) und sein besonderes Verhältnis zu Dublin sprach. Das Gefängnis Kilmainham Gaol als Erinnerungsstätte des irischen Freiheitskampfes gegenüber den Briten war als Kontrastprogramm zum Literaturvortrag nichts für schwache Nerven. Denn in dem Ende des 18.Jahrhunderts entstandenen Komplex mit seinen heute besuchbaren dunklen Zellen wurden nach dem Osteraufstand 1916 viele inhaftierte Rebellenführer und nationalistische Politiker hingerichtet.

Ein ganzer Tag war außerdem dem Nordirland-Konflikt und der nordirischen Hauptstadt Belfast gewidmet. Die HSG-Gruppe wurde dort von dem Soziologen Dr. Dirk Schubotz (Young Life and Times Director at ARK at Queen’s University Belfast) empfangen, der sich mit Einstellungsmustern von Jugendlichen in dem immer noch nicht nur mentalitätsmäßig in Bezug auf die Konfessionen geteilten Land beschäftigt. Er führte unter anderem durch das protestantische Stadtviertel Sandy Row, indem wie auch in katholischen Vierteln der Untergrundkampf mit seinen terroristischen Elementen immer noch auf überdimensionalen Wandbildern heroisiert wird.

Aus diesem Grund nahmen Lehrer und Schüler auch an einer Bus-Stadtrundfahrt teil, bei der insbesondere die langen Sperranlagen, die Protestanten und Katholiken als unnatürliche Grenzen mitten in Belfast trennen, abgefahren wurden. Ein längerer Spaziergang führte die Gruppe dann abschließend zu einem katholischen Gemeindezentrum, indem die 19-jährige Abiturientin Melissa Rebholz gerade für ein Jahr im Rahmen ihres „Friedensdienstes“ mit Kindern beider Konfessionen an Nachmittagen arbeitet und über ihre Eindrücke in der geteilten Stadt berichtete.

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In der nordirischen Hauptstadt Belfast besuchten die Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses „Über Grenzen“ der 12. Klasse zusammen mit ihren betreuenden Lehrern auch die Sperranlagen zwischen Protestanten und Katholiken. Diese sind zum Teil drei Mal höher als die frühere Berliner Mauer. (Foto: privat) – Zum Vergrößern anklicken.

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