Schwere Verkehrsunfälle zurückgegangen

Unfallbilanz 2010: Erfolgreiche Strategie von Überwachung, Prävention und Analyse

Neckar-Odenwald-Kreis. (pol) Bereits im dritten Jahr in Folge ist im Neckar-Odenwald-Kreis die Zahl der schwerwiegenden Verkehrsunfälle bei denen Menschen verletzt oder getötet worden sind weiter zurückgegangen. Mit 365 Unfällen – im Vorjahr waren dies noch 408 – haben diese in einem Fünfjahresvergleich einen neuen Tiefststand erreicht. „Diese Zahlen, die es weiter zu reduzieren gilt, zeigen deutlich, dass wir mit unserem differenzierten Maßnahmenpaket im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit auf dem richtigen Weg sind. Dies bedeutet aber auch, die repressiven und präventiven Bemühungen konsequent fortzusetzen“, sagt der Leiter der Polizeidirektion Mosbach, Hans Becker, bei der Vorstellung der Unfallbilanz für das Jahr 2010.

Trotz des deutlichen Rückgangs der Verkehrsunfälle bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind, wurden bei der Polizei im Jahr 2010 mit insgesamt 3282 Unfällen 278 mehr registriert als im Jahr zuvor (+ 9,2 Prozent). „Zurückzuführen ist diese Steigerung hauptsächlich auf die hohe Zahl der Wildunfälle, die mit 838 Unfällen zu Buche schlagen und in den Gesamtunfallzahlen enthalten sind. Im Jahr 2009 waren dies noch 229 Wildunfälle weniger, die uns von den Verkehrsteilnehmern gemeldet worden sind. Hier kommt nun die konsequent durchgeführte Unfallaufnahme und Ausstellung der für die Versicherung erforderlichen Wildunfallbescheinigung durch die Polizei zum Tragen, “ erläutert Leitender Polizeidirektor Hans Becker.

In den Vorjahren wurde die Wildunfallbescheinigung nämlich noch in vielen Fällen von den Jagdpächtern ausgestellt und die Polizei nicht notwendigerweise über den Unfall informiert. Zudem werden die Wildunfälle erst seit dem Jahr 2007 in der polizeilichen Unfallstatistik erfasst.

Weniger Menschen verletzt oder getötet
Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 506 Menschen (Vorjahr: 568) auf den Straßen des Landkreises zu Schaden. Hierbei wurden 341 Unfallbeteiligte (Vorjahr: 386) leicht und 156 (Vorjahr: 172) schwer verletzt. Neun Menschen, darunter vier Motorradfahrer, verloren bei einem Verkehrsunfall ihr Leben (Vorjahr: 10).

„Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit wird daher weiterhin die Bekämpfung der Motorradunfälle sein. Zwar konnte der zu erkennende Aufwärtstrend bei den Motorradunfällen im Jahr 2010 gestoppt werden, aber die Tatsache, dass es sich bei vier der neun Todesopfer um Motorradfahrer handelte, lässt ganz klar den Handlungsbedarf erkennen“, so Hans Becker. Festzustellen ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der Mehrheit der an schweren Motorradunfällen Beteiligten um Motorradfahrer mittleren Alters handelt.

Problembereich motorisierte Zweiradfahrer
80 Unfälle im Zusammenhang mit motorisierten Zweirädern ereigneten sich 2010 und somit 28 weniger als im Vorjahr. Bei 61 dieser Unfälle wurden Menschen verletzt oder getötet. Bei 46 Unfällen handelte es sich um Motorradunfälle (Vorjahr: 54).
Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Motorradunfälle führte die Polizeidirektion Mosbach neben Aufklärungsmaßnahmen für Zweiradfahrer 39 Kontrollaktionen durch, bei denen gezielt motorisierte Zweiradfahrer ins Visier genommen wurden. Dabei erfolgten u.a. auch Überwachungsmaßnahmen mit zivilem Video-Motorrad und Video-Pkw. Insgesamt wurden bei diesen Kontrollaktionen 86 Verstöße festgestellt und entsprechend sanktioniert.

Grafiken zur Unfallbilanz 2010 – (Quelle: Polizei) [nggallery id=98]

Nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr blieb die Zahl der Radunfälle. 39 Radunfälle ereigneten sich 2010 (Vorjahr: 40). Bei 33 dieser Unfälle wurden Menschen verletzt.
Von 44 auf 36 reduzierten sich die Unfälle, bei denen Fußgänger beteiligt waren. Hierbei wurden allerdings neun Menschen schwer und zwei tödlich verletzt. Bei beiden Todesopfern handelte es sich um Seniorinnen, die ohne auf den Verkehr zu achten die Fahrbahn überquerten bzw. unvermittelt auf die Fahrbahn traten und hierbei von Fahrzeugen erfasst wurden.

Hohes Gefährdungspotential bei „Jungen Fahrern“
„Junge Fahrer (18 bis 24 Jahre) für die Gefahren zu sensibilisieren und aufzuklären ist auch weiterhin eine wichtige Aufgabe bei der Verkehrssicherheitsarbeit. Obwohl die Unfälle mit schwerwiegenden Folgen, an denen „junge Fahrer“ beteiligt waren, erfreulicherweise von 167 auf 121 Unfälle zurückgegangen sind, liegt der Anteil dieser Zielgruppe bei diesen Unfällen bei 33,1 Prozent (Vorjahr: 40,9 Prozent). Bemessen an ihrem Bevölkerungsanteil (ca. 8,5 Prozent der Bevölkerung des NOK ist zwischen 18 und 24 Jahre alt) weist diese Altersgruppe daher immer noch eine zu hohe Unfallbelastung auf,“ sagt Hans Becker, der neben gezielten Präventionsaktivitäten für diese Altersgruppe zudem darauf setzt, dass sich durch das „begleitete Fahren ab 17“ positive Effekte einstellen werden.

Unfallursachen
Wie bereits in den Vorjahren war die Hauptunfallursache bei den schwerwiegenden Verkehrsunfällen mit 29 Prozent unangemessene Geschwindigkeit, gefolgt von Vorfahrtsverletzungen mit 18 Prozent. Mit 11 Prozent steht ein zu geringer Abstand an dritter Stelle der Unfallursache. Konstant blieb die Unfallursache Alkohol/Drogen mit 5 Prozent. Bei 54 Unfällen (Vorjahr: 52), die sich 2010 im Landkreis ereigneten, war Alkohol im Spiel, bei 17 dieser Unfälle kamen Menschen zu Schaden. Bei drei Unfällen spielte Drogeneinfluss eine Rolle (Vorjahr: 10).

„Äußerst wichtig ist es, das Unfallgeschehen genauestens zu analysieren, mögliche Unfallschwerpunkte (zeitlich/örtlich) und -ursachen festzustellen und Handlungskonzepte zu entwickeln. Das ist polizeiliches Kerngeschäft,“ erläutert Becker und weist darauf hin, dass gerade hier die enge und sehr gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Kommunen im Landkreis zum Tragen komme.

Gezielte Überwachungsmaßnahmen
Um der Hauptunfallursache Geschwindigkeit entgegenzuwirken, führten die Beamtinnen und Beamten der Polizeidirektion Mosbach auch im Jahr 2010 zahlreiche Geschwindigkeitskontrollen durch. An unfallträchtigen Stellen kamen daher gezielt Lichtschrankenmessgerät und Laser-Handmessgerät zum Einsatz. Hierbei wurden 3.744 Verstöße festgestellt und zur Anzeige gebracht. 80 Fahrzeugführer wurden mit einem Fahrverbot belegt. „Dieses Ergebnis zeigt, dass es bei vielen Verkehrsteilnehmern leider nicht ausreicht, an deren Vernunft zu appellieren und neben gezielter Aufklärungsarbeit Sanktionierungen unumgänglich sind,“ so Hans Becker. Auch der hohe Verfolgungsdruck auf Fahrer, die sich unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen hinter das Steuer ihres Fahrzeugs setzen, soll im Landkreis weiter erhalten bleiben. Denn auch im Jahr 2010 stieß die Polizei bei ihren gezielten Kontrollen auf uneinsichtige Fahrzeugführer und stellte 291 Verkehrsteilnehmer fest, die unter Alkoholeinfluss ein Fahrzeug führten. 155 dieser Fahrer waren mit mehr als 1,1 Promille unterwegs, so dass eine absolute Fahruntüchtigkeit vorlag. 114 weitere Fahrzeugführer standen unter dem Einfluss von Betäubungsmittel, so dass Anzeige gegen sie vorgelegt wurde und sie sich für ihr Verhalten verantworten mussten.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Schwere Verkehrsunfälle zurückgegangen“ url=“//www.nokzeit.de“] Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leistet die Polizei bei der Überwachung des auch im Neckar-Odenwald-Kreis zunehmenden gewerblichen Güter- und Personenverkehrs. Denn nicht selten werden hier in Zeiten enormen Konkurrenz- und Zeitdrucks Lenkzeiten überschritten, Kontrollgeräte nicht ordnungsgemäß betrieben oder Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten. 1.326 Fahrzeuge wurden im Jahr 2010 von den Beamten der Polizeidirektion Mosbach kontrolliert und dabei zeitaufwändige Überprüfungen vorgenommen. Bei 708 Fahrzeugen kam es zu Beanstandungen, darunter waren auch sieben Gefahrguttransportfahrzeuge.

Aus der Arbeit der Unfallkommission
Weitgehend unbekannt, aber ein effektiver Baustein zur Hebung der Verkehrssicherheit, ist die Arbeit der Unfallkommission im Landkreis. Diese in regelmäßigen Intervallen tagende Gruppe nimmt insbesondere bauliche Gegebenheiten, wie z.B. Fahrbahnbeläge, unübersichtliche Stellen ins Visier.

Werden bei den permanent durchgeführten Auswertungen Unfallhäufungspunkte festgestellt, treffen sich die Verantwortlichen von Polizei, Landratsamt und Kommune umgehend um bei einem „vor Ort Termin“ die Örtlichkeit genauestens unter die Lupe zu nehmen und die Ursache für die Häufung, zu der beispielsweise auch die Fahrbahngriffigkeit gehören kann, zu analysieren. Als weiterer Schritt werden Sofortmaßnahmen ergriffen, um die erkannte Gefahrensituation möglichst zu beseitigen. Als Sofortmaßnahmen können dabei Beschilderungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, das Anbringen von Schutzplanken etc. in Betracht kommen. Selbst die Verbesserung des Fahrbahnbelags oder bauliche Veränderungen sind in diesem Zusammenhang denkbar. Derartige Maßnahmen wurden so beispielsweise auf der Landesstraße 582 zwischen Osterburken und Bofsheim ergriffen. Nachdem es in der dortigen „Kalbe-Kurve“ zu mehreren schweren Unfällen gekommen war, führten eine Oberflächenbehandlung der Fahrbahn, das Aufstellen von Verkehrszeichen, eine Geschwindigkeitsbegrenzung und Geschwindigkeitsüberwachungen dazu, dass sich die Unfälle an dieser Stelle reduzierten bzw. im Jahr 2010 kein Unfall ereignete.

Prävention wichtiger Bestandteil der Gesamtstrategie
„Neben den erwähnten Verkehrsüberwachungsmaßnahmen stellt die schon seit Jahren durchgeführte intensive Verkehrspräventionsarbeit bei der Polizeidirektion Mosbach einen weiteren wichtigen Baustein dar. Gerade hier gilt es durch zielgruppenorientierte Präventionsmaßnahmen Verkehrsunfälle schon im Vorfeld zu vermeiden,“ so Hans Becker weiter.

Die Verkehrserziehung der Polizeidirektion Mosbach führte im vergangenen Jahr zahlreiche Aktivitäten bei den unterschiedlichsten Zielgruppen durch:

Jugendverkehrsschule
Die Hauptaufgabe der Arbeit der Verkehrserziehung liegt in der Radfahrausbildung, welche in allen 4. Schulklassen des Neckar-Odenwald-Kreis durchgeführt wird. In fünf aufeinanderfolgenden Übungseinheiten, wobei drei Einheiten auf den Verkehrsübungsplätzen in Mosbach und Buchen und zwei Einheiten im öffentlichen Straßenverkehr stattfinden, haben so im letzten Jahr insgesamt 1383 Schülerinnen und Schüler erfolgreich die Fahrradprüfung bestanden.

Verkehrspuppenbühne
Neben der Radfahrausbildung setzen die Verkehrserzieher einen Schwerpunkt auf den Einsatz der Verkehrspuppenbühne. Flächendeckend werden hierbei alle Vorschulkinder in den Kindergärten, sowie alle Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse im Landkreis erreicht. Mit zwei interaktiven Theaterstücken werden die Kinder dabei einerseits auf das richtige Verhalten im Straßenverkehr hingewiesen und andererseits über die Kriminalitätsgefahren informiert und sensibilisiert.

Junge Kraftfahrer
Da die Altersgruppe der jungen Kraftfahrer wie bereits erwähnt eine hohe Unfallbelastung aufweist führten die Beamten der Verkehrserziehung 2010 regelmäßige Vorträge in Fahrschulen zum Thema Alkohol und Drogen im Straßenverkehr durch.

Senioren
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung stellt insbesondere die Mobilität im Alter ein hohes Lebensgut dar. Um diese Mobilität zu erhalten und zu fördern erfolgten im vergangenen Jahr zahlreiche Vorträge bei verschiedenen Seniorenveranstaltungen zum Thema „Mobilität im Alter“.

Amtlicher Verkehrsunterricht
In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises haben die Beamten des Verkehrserziehungsdienstes im vergangenen Jahr ca. 80 jugendliche Fahrzeugführer auf Grund gerichtlicher Auflagen nachgeschult.

Fazit
„Unser Ziel bleibt es, die Zahl der schweren Verkehrsunfälle weiter zu senken,“ sagt Hans Becker, der weiterhin an der erfolgreichen Strategie in Sachen Verkehrssicherheit, die zum einen auf Aufklärung und Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer und zum anderen auf Überwachungsmaßnahmen setzt, festhalten will.

„Ein besonderer Dank geht daher an die Partner der Polizei im gemeinsamen Einsatz für mehr Sicherheit auf den Straßen des Landkreises, neben den Verkehrsbehörden im Landratsamt und den Kommunen namentlich den beiden Verkehrswachten Mosbach und Buchen und dem Förderverein „Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“, so Dienststellenleiter Becker.

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