Ein Viertel mit auffälligem Essverhalten

Frühes Erkennen kann Essstörung positiv beeinflussen

Neckar-Odenwald-Kreis. Essstörungen waren das Thema einer Informationsveranstaltung des Patienten-Informations-Zentrums (PIZ) und des Fachdienstes Gesundheitswesen des Landratsamtes in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Essstörungen. Referent Dr. Karsten Rudolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie der Johannes-Diakonie Mosbach, erläuterte die unter Essstörungen zusammengefassten Krankheitsbilder: Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht) und Binge Eating (Fressucht).

Dr. Rudolf erklärte, dass etwa 25 Prozent aller Jugendlichen ein zumindest auffälliges Essverhalten zeigten. Auch wenn nicht jede Auffälligkeit zwangsläufig in eine Essstörung führe, sollten Eltern, Lehrkräfte und Vertrauenspersonen von Kindern und Jugendlichen bei ersten Anzeichen wachsam sein. Denn, so der Referent: „Es ist wichtig, eine Esssucht möglichst frühzeitig zu erkennen.“
Folgende Verhaltensmuster könnten auf eine Essstörung hinweisen: Zu Beginn entsteht eine Veränderung im Essverhalten, die Gedanken des Betroffenen kreisen nur noch ums Essen und die eigene Figur. Dazu kommt häufiges Wiegen und ständig wechselnde Diäten – die „bis zum fast gar nichts mehr Essen“ führen – werden ausprobiert. Das eigene Körperbild werde völlig verzerrt wahr genommen, die Betroffenen fühlen sich grundsätzlich zu dick und diese Einstellung ist durch ganz praktische Vergleiche oder durch gutes Zureden nicht korrigierbar. Hinzu komme häufig ein sozialer Rückzug; Hobbys werden vernachlässigt, Kontakte zu Freunden und Bekannten nehmen ab. Sport werde manchmal exzessiv betrieben. Darüber hinaus könnten sich depressive Verstimmungen und ängstliches Verhalten, aber auch aggressive Verhaltensmuster entwickeln. Erstaunlich sei, dass trotz körperlicher Schwäche über lange Zeit ein hohes Leistungsniveau erhalten bleibe.
In einer solchen Situation, so Dr. Rudolf, sei es wichtig, genau hin zu schauen und aktiv zu werden: „In vielen Fällen ist es sinnvoll, den Betroffenen direkt anzusprechen und die eigenen Sorgen mitzuteilen. Über alle weiteren Schritte sollte dann offen und transparent miteinander gesprochen werden.“

Informationen und Beratung zum Thema Essstörungen gibt es beim Fachdienst Gesundheitswesen: Tel. 06261-842434. Di, Mi, Fr, von 9.00-12.00 Uhr oder im Internet unter www.BZgA.de

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