Gambare Nippon! – NOKZEIT aus Japan

Wie sehen die Zig-Inseln nun aus? Man sagte mir, sie hätten beim Erdbeben ihre Formen geändert. Die Inseln liegen auf dem gleichen Breitengrad wie das Epizentrum des Erdbebens. (Foto: privat)

Bauland/Odenwald/Japan. Gestern veröffentlichten wir den Spendenaufruf von Michael Daishiro Nakajima. Der Rosenberger mit japanischen Wurzeln flog in der vergangenen Woche nach Japan, um sich vor Ort ein Bild von der Katastrophe zu machen und auszuloten, wo Hilfe am dringendsten und sinnvollsten ist, aber auch, um sicher zu stellen, dass Hilfsgelder da ankommen, wo sie die Menschen dringend benötigen. So wird er mit den eingehenden Geldern in nicht betroffenen Landesteilen Lebensmittel, Trinkwasser und anderen Bedarf einkaufen und ins Katastrophengebiet bringen.

Unterstützt wird der Rosenberger von seiner Frau Susanne, der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden in Rosenberg. Somit steht auch die katholische Pfarrei Rosenberg hinter diese ehrenamtliche Sache und stellt ein Spendenkonto für die Hilfsaktion bereit.

Seine Erlebnisse und Informationen von der Hilfsreise erzählt Michael Daishiro Nakajima in einem Online-Tagebuch, das wir hier auf NOKZEIT mit freundlicher Genehmigung seiner Frau Susanne wiedergeben. Somit wollen wir unseren Lesern das unsägliche Leid der Menschen in Japan aus einer ganz persönlichen, nicht nachrichtenmäßigen Sicht wiedergeben, aber auch die Hoffnung, die Menschlichkeit, den Glauben vermitteln, der hinter einer solchen Hilfsaktion steckt. Wenn sich dann noch der ein oder andere Leser angesprochen fühlt, ein paar Euro zu spenden, hat diese Art der Berichterstattung ihren Sinn erreicht.
Auch Solidaritätsbekundungen in Form von Postkarten oder Briefen oder von Kindern gemalte Bilder werden in Japan als tröstend und ermutigend erfahren, sehen die Betroffenen daran, dass die Welt  Anteil an ihrem Schicksal nimmt.Die Briefe sollten an eine der folgenden Adressen geschickt werden: Daishiro Nakajima, Omachi 5-4-21, Kamakura-shi, 248-0007 Japan oder Tomoichi Mitsuhashi, Ushigome 928-1, Shirakomachi, Chosei-gun, Chiba-ken, 299-4202 Japan. An beide Adressen können gerne Karten und Briefe mit Ermutigungen gesandt werden – möglichst mit einfachen Texten und evtl. auch in Englisch, denn natürlich verstehen nicht sehr viele Japaner deutsch. Mit Hilfe des Internets ist es heute ja auch möglich, ein paar japanische Brocken (in lateinischer Schrift) zu schreiben, wie etwa „Gambare Nippon!“ (Japan, halte durch!).  Auch Nachrichten per Mail an: Susanne.nakajima@googlemail.com kommen an. Natürlich dürfen unsere Leser ihre Briefe/Mails auch an die Redaktion übermitteln. Wir werden dafür Sorge tragen, dass sie in Japan ankommen.
Aber lassen wir nun Michael Daishiro Nakajima sprechen:

Die erste Nachricht aus Japan

Hallo zusammen,
ich habe Euch warten lassen. Ich musste hier einige Verbindungen herstellen, damit mein privates und Tohoku-Unternehmen funktioniert. Vorweg möchte ich anmerken: hier habe ich meine liebe Frau nicht mitdabei, sie mein Deutsch korrigiert und verbessert. Also habt Nachsehen. Außerdem habe ich viel größere Schwierigkeit mit der Internetverbindung als ich dachte. Immerhin bin ich nun klar gekommen mit dem Laptop, das mein lieber Budo-Schüler und Freund Erwin Zipser (Solar Zipser) hier hinterlassen und mir zur Verfügung gestellt hat.

Nun am Mittwoch 13. 04. bin ich hier angekommen, am gleichen Tag Ryusuke Okano angerufen, am 14. 04. ihn getroffen zusammen mit einem jungen Mann, der auch die Tohoku-Hilfe mitmachen möchte. Am Samstag dem 16. 04. wurde ich nachts (morgens ganz furchtbar früh), nämlich um 01.10 Uhr von Ryusuke abgeholt. Nun beginnt mein erstes Tohoku-Hilfe-Projekt. Mit dabei ist Mikio (39) und Takuya (ca. 25). Die beiden sind die Freunde von Ryusuke. Mikio ist ein Programm-Direktor von NHK-Rundfunk und Takuya ist beschäftigt in der Stadt Kamakura, wo ich auch wohne, und kümmert sich um die Stadt-Zeitschrift. Unterwegs zeigte sich Mikio sehr interessiert für meinen Werdegang, für Kampfkunst und für Religion. Er hat viele Fragen gestellt und ich habe fleißig geantwortet, so dass die Schläfrigkeit schnell verflogen ist. Immerhin habe ich vorher 3 Stunden geschlafen. Unser Ziel ist Soma, ca. 50km nördlich von Fukushima I, der unrühmliche Berühmtheit in der ganzen Welt erhalten hat. Übrigens ist Fukushima eine Präfektur, deren Hauptstadt auch Fukushima heißt und etwa 60km nördwestlich von den Reaktoren entfernt ist. Hier ist die Radioaktivität verhältnismäßig hoch, wahrscheinlich deswegen weil diese Stadt wie im Kessel liegt, während Soma – obwohl sie näher an die Reaktoren liegt – relativ niedrige Radioaktivität aufweist.

Auf der Autobahn in die Nähe der Reaktoren kommend spüren wir die unsichtbare Drohung der Radioaktivität. Es ist ganz anders, ob man 10-tausen km entfernt die Bedrohung spürt oder nur 50km. Denn wir müssen westlich den Reaktoren vorbeifahren, um Soma zu erreichen. Das alt-gebrauchte Audi von Ryusuke, das er billig ergattert hat, wird auffällig unruhig an einigen Stellen. Ich dachte zuerst an die kleinen Schlaglöcher. Später erfuhr ich, dass einige Stellen etwas gesunken sind, so dass die Verbindungsstelle der Straßenbefestigungsblöcke kleine Stufen gebildet haben.
Nun kommen wir von der Autobahn weg. Wir fahren an Ryosen (Berg) vorbei, wo die Radioaktivität am stärksten ist abgesehen von der unmittelbaren Nähe der Reaktoren. Ryosen ist sonst ein Erholungsgebiet. An einem Schild heißt es „Willkommen im Ryosen-Kinder-Dorf“. Welche Ironie! Was hinterlassen wir unseren Kindern?

Zunächst kommen wir zu einem Kinderhort „Minato Hoikuen“ am Binnenmeer, dessen Namen ich leider kurz vergessen habe. Der (oder das?) Hort liegt nur 80m vom Binnenmeer entfernt, aber zum großen Glück ca. 4m höher als die vorgelagerten Häuser, die sehr stark beschädigt wurden. Das Wasser kam jedoch bis zum Vorgarten des Horts. Die Betreurinnen führten die Kinder übers Dach in das hintere Gebäude, habe ich gehört. Hier haben wir Wasser und einige Sachen abgegeben, die Ryusuke vorbereitet hat. Zum Kochen und Trinken für die Kinder brauchen sie 30L täglich. Obwohl das Wasser nur geringfügig erhöhte Werte zeigt und Soma offiziell kein Wasser von Auswärts nötig hat, gibt man hier den kleinen Kindern sicherheitshalber Wasser aus Bottle. Weiteres 96L Wasser ist aus Kyoto unterwegs, weil mein gut bekannter Tee-Händler Masahiro Takada es freundlicherweise organisiert hat. Die Bedarfsmenge habe ich erst hier erfahren. Jetzt kann ich Herrn Takada weiteres Wasser schicken lassen (mit unserem Spendengeld).

Die Ausräumearbeit an den unteren Häusern hat offensichtlich schon einige Fortschritte erzielt. Vor den Häusern liegen die zerstörten Möbel und andere Dinge vom Sand überdeckt. Das war aber nur der Anfang der Vernichtungsszene natürlich. Jetzt fahren wir auf die andere Seite der kleinen Halbinsel über. Unterwegs sehen wir auf dem Weg oder im Garten gestrandete Schiffe.

Nun muss ich den Snack verlassen, dessen junger Besitzer Herr Matsuoka Freund meines Sohnes Franziskus und seiner Frau Nadine ist. Hier kann ich glücklicherweise Wi-Fi benutzen und ins Internet gehen. Der Laden wird aber bald geschlossen. Vielleicht kann ich abends wieder kommen.  Viele liebe Grüße an Euch und Sie alle (Mittlerweile helfen auch viele Mitglieder der Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit Adelsheim-Osterburken(-Rosenberg)-Seckach und auch der evangelischen Kirchengemeinden Rosenberg. Vielen herzlichen Dank an alle!

Wer Spenden tätigen und/oder Informationen erhalten möchte, kann dies auch über Diakon Manfred Glittenberg, Tel. 06292-1821 oder 06292-928777 abwickeln.

Spendenkonto:

  • Katholischen Pfarrei Rosenberg
  • Volksbank Kirnau – BLZ 67461733
  • Konto-Nummer 16250
  • Stichwort ,,Japanhilfe“

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