Bei Familienhelfern ist „Not am Mann“

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) „Die Kinderzahl sinkt. Aber die Zahl der problembelasteten und hilfebedürftigen Familien nimmt zu“. Mit dieser Aussage bringt Timo Matt die schon seit Jahren zu beobachtende Entwicklung auf den Punkt. Der erfahrene Sozialpädagoge ist hauptamtlicher Familienhelfer beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreis und mit Isolde Sebert koordiniert er die Einsätze seiner hauptamtlichen Kollegen und der Honorarkräfte. Tatsächlich kümmerten sich 2008 rund 100 Honorarkräfte um 133 Familien (zuzüglich der hauptamtlichen Familienhelfer und deren Fälle), 2010 waren 110 Honorarkräfte bei 207 Familien im Einsatz. „Noch können wir die Anfragen bedienen und die Wartezeiten, wenn überhaupt, klein halten. Aber es fehlt uns einfach an qualifizierten Familienhelfern zur Verstärkung unseres Honorarkräftepools. Ganz besonders fehlen uns die Männer in diesem eher weiblichen Berufsfeld“, erklärt er.

Immer mehr Alleinerziehende, immer mehr Patchwork-Familien, immer mehr psychische Erkrankungen, Suchtproblematiken, eine zunehmende Gewaltbereitschaft und gleichzeitig immer höhere Ansprüche auf allen Seiten – die Gründe, die für die Zunahme von innerfamiliären Problemen führen, sind vielfältig. Vielfältig ist auch das Hilfeangebot, das Eltern in Not in Anspruch nehmen können. Oder auch müssen, wenn Außenstehende zu dem Schluss kommen, dass es so nicht weiter gehen kann, weil das Kindeswohl gefährdet ist.

Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ gilt und ebenso, dass in einem nicht akut bedrohlichen Fall vor einem massiven Eingriff – wie ihn beispielsweise die Herausnahme von Kindern aus einer Familie bedeuten würde – zunächst andere Hilfen angeboten werden müssen. Wie eben die Familienhilfe, die dann zum Tragen kommt, wenn Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) des Landkreises zu dem Schluss kommen, dass diese längerfristig angelegte Unterstützung Sinn machen könnte. Der ASD ist die erste Stelle, die sich auf Hinweise von außerhalb oder auch nach einem Hilferuf direkt aus der Familie vor Ort ein Bild macht und dann über „passgenaue“ Hilfen entscheidet. „Passgenau“ ist auch Matts Stichwort: „Soll eine Familienhilfe installiert werden, dann kann ich nicht jeden in jede Familie schicken. Der Familienhelfer muss in diese ganz spezielle Familie und zu dieser ganz speziellen Problematik „passen“, um ein Vertrauensverhältnis aufbauen und so tatsächlich etwas bewirken zu können. Um das zu gewährleisten, brauche ich eine gewisse Auswahl.“
Die aber wird immer knapper. Vor allem Männer sind Mangelware im von Frauen dominierten pädagogischen Bereich. Dabei gibt es Problemstellungen, auf die Männer leichter Einfluss nehmen können: In einem männerlosen Haushalt beispielsweise oder wenn heranwachsende Jungs involviert sind. „Da fehlt halt ganz oft die „männliche Komponente“, weiß Matt. Grundsätzliches Ziel der Arbeit ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe und der Erhalt der Familie.

Um dieses Ziel zu erreichen, suchen Familienhelfer je nach Problemstellung die Familie meist über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren ein- oder mehrmals die Woche auf, um zu beraten, anzuleiten, Konflikte zu lösen oder zu entschärfen, konkrete Hilfestellungen zu leisten und den Tagesablauf zu strukturieren. „Das ist, je nach der Bereitschaft der Beteiligten zur Mitarbeit, mal mehr und mal weniger schwierig. Tendenziell steigen aber die Ansprüche an die Familienhelfer, weil es „einfache“ Fälle kaum noch gibt. Oft finden wir nicht nur ein Problem in der Familie vor, sondern gleich mehrere. Der Arbeitslosigkeit folgt die finanzielle Notlage, der Sucht die Gewaltbereitschaft, dem Dauerstreit die Paarproblematik und die Verweigerung oder psychische Auffälligkeiten der Kinder.“ Deshalb können auch nur Fachkräfte möglichst mit Berufserfahrung als Honorarkräfte in diesem Bereich tätig sein. „Natürlich melden sich immer auch mal Laien, die darauf Bezug nehmen, selber Kinder erfolgreich großgezogen zu haben. Aber die unterschätzen die Situation. In deren eigenem Interesse müssen wir solche Bewerbungen leider ablehnen“, erklärt Timo Matt.
Die professionelle Begleitung der Familienhelfer durch Gespräche, Fortbildungen und Supervision ist übrigens Standart. Alleingelassen wird bei dieser anspruchsvollen Arbeit niemand, versichert der Sozialpädagoge.

Wer sich für die Arbeit eines Familienhelfers auf Honorarbasis interessiert und über eine Ausbildung im sozialen oder pädagogischen Bereich verfügt, kann sich gerne völlig unverbindlich informieren bei Timo Matt, Telefon 06261/84-2082, E-mail timo.matt@neckar-odenwald-kreis.de oder bei Isolde Sebert (Sozialarbeiterin und Familientherapeutin SG), Telefon 06261/84-2083, E-Mail isolde.sebert@neckar-odenwald-kreis.de.

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1 Kommentar

  1. Vielleicht braucht es neben der professionellen Begleitung auch einer angemessenen Bezahlung, damit sich entsprechende Bewerber melden.

    JH

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