NABU ruft auf: Kein Ei mit drei!

Zahlencode gibt Herkunft der Eier an / NABU: Bio-Eier sind bessere Wahl

Stuttgart. (pm) Ein wenig mehr als die Fläche eines DIN-A4-Blattes – mehr Platz zum Leben als diese 750 Quadratzentimeter hat hierzulande eine „normale“ Henne in Käfighaltung nicht. Der Naturschutzbund NABU ruft daher alle Verbraucher auf, zumindest zum Freudenfest Ostern Eier aus Biohaltung zu kaufen. „Mit den Flügeln schlagen, ein Sandbad nehmen, im Boden scharren? Fehlanzeige! All diese natürlichen Verhaltensweisen eines Huhns, die grundlegendsten Dinge eines Hühnerlebens: Bei der industriellen Hühnerhaltung sind sie kaum möglich“, sagt Matthias Strobl, Landwirtschaftsreferent beim NABU Baden-Württemberg.

Nach Angaben des NABU leiden die Tiere unter Bewegungsmangel und haben daher brüchigere Knochen. „In der Regel haben ihre Gefängnisse nicht einmal Fenster“, kritisiert Strobl die mangelhaften gesetzlichen Standards. Diese waren zwar in den vergangenen Jahren etwas verbessert worden, ausreichend sei das jedoch bei weitem nicht. „Die dunklen Seiten der industriellen Tierhaltung werden ja durch die ständigen Dioxin- und Futtermittelskandale immer wieder an die Oberfläche gespült. Wer weiterhin Käfig-Eier kauft, muss sich dessen bewusst sein, dass er damit diese Art der Tierhaltung fördert“, mahnen die Naturschützer.

Der NABU lädt alle Verbraucher ein, sich bewusst gegen den Kauf solcher „Käfig-Eier“ zu entscheiden und stattdessen Öko-Eier zu kaufen. Diese stammen aus Freilandhaltung, bei der jeder Henne mindestens vier Quadratmeter Auslauf mit Gras und Sträuchern zustehen. Im Stall werden höchstens sechs Tiere pro Quadratmeter gehalten. Dieser muss zu mindestens einem Drittel eingestreut sein, und die Tiere müssen die Möglichkeit haben, im Staub zu baden. Tageslicht sowie eine achtstündige Nachtruhephase ohne Licht im Stall sind ebenfalls vorgeschrieben. Außerdem sind keine präventiven Medikamente erlaubt. Das Futter stammt überwiegend aus ökologischem Anbau, Gentechnik ist tabu.

Hintergrund-Info:
Einen Überblick über die verschiedenen Haltungsformen und Produktionsweisen von Hühnereiern gibt der europaweit gültige Zahlencode. Er verrät, woher ein Ei stammt. Vor allem auf die erste Ziffer kommt es an:

  • 0 steht für ökologische Erzeugung: Freilandhaltung, mindestens vier Quadratmeter Auslauf, Futter aus ökologischem Anbau, Gentechnik verboten
  • 1 steht für Freilandhaltung: mindestens vier Quadratmeter Auslauf im Freien für jedes Huhn
  • 2 steht für Bodenhaltung: maximal 9 Hühner pro Quadratmeter in einem Stall
  • 3 steht für Käfighaltung: Käfige mit Metallgittern, 750 Quadratzentimeter je Henne, meist in Etagen gestapelt

Nach den Ziffern 0, 1, 2 oder 3 steht ein Kürzel, das das Herkunftsland angibt. So steht zum Beispiel DE für Deutschland, AT für Österreich usw.

Die folgende längere Zahl zeigt an, woher das Ei genau stammt. Besonders interessant sind dabei die ersten beiden Ziffern. Sie geben an, aus welchem Bundesland das Ei stammt. Dabei steht 08 etwa für Baden-Württemberg. Im Sinne kurzer Transportwege rät der NABU, Bio-Eier mit dieser Herkunftskennzeichnung zu bevorzugen.

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1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    nach der Lektüre dieses Artikels werden Sie alle vermutlich denken, dass die Legehennen bei der Bodenhaltung alle auf einem eingestreuten Boden rumlaufen und das bei einer Besatzstärke von max. 9 Hennen pro m² (Ein Quadratmeter = 1m² = 100 cm x 100 cm = 10000cm²). Ein Huhn hat nach der Lesart 1111 cm² „Bewegungsraum“ auf dem Boden (10000 / 9 Hühner). In der Käfighaltung hätten die Hühner nur 750 Quadratzentimeter (cm²) zur Verfügung, also 32% weniger.

    Dazu ist zu sagen:
    1) Bodenhaltung meint nicht, dass die Hühner alle am Boden rumlaufen. Der eindruck wird, wie hier vom NABU, gern erweckt. Da gibt es auch Etagen. Die Hühner könnten nur auf den Boden laufen, unten, zwischen den Etagen. Zählt man diese Etage zu, dann dürfen 18 Hühner pro m² Stallboden gehalten werden, das sind 556 Quadratzentimeter Bodenfläche pro Huhn..

    2) Die engen Käfige sind in Deutschland verboten. Wenn ein Ei aus Deutschland (DE) eine 3 trägt, dann stammt dieses Ei aus einer Kleingruppe, aus einem „größeren Käfig“. Da hat eine Henne 800 oder 900 cm² Fläche. Die Käfige sind auch in Etagen angeordnet, das Huhn kann hier aber nicht auf den Boden flattern.

    Vielleicht sollte man das Huhn fragen, statt unkundiger Menschen, wo es denn leben möchte. Auf einer der vielen Etagen einer „Bodenhaltung“ mit 6000 anderen oder in der ruhigeren Kleingruppe. Das ist gar nicht so sicher, vielleicht würden die dann der $13b = Kleingruppe = „Großkäfig“ wählen.

    Falls Sie nachlesen wollen, § 13a TierSchNutztV zur „Bodenhaltung“:“ In Haltungseinrichtungen, in denen die nutzbare Fläche sich auf mehreren Ebenen befindet, dürfen je Quadratmeter von den Tieren nutzbare Stallgrundfläche nicht mehr als 18 Legehennen gehalten werden.“, siehe: http://bundesrecht.juris.de/tierschnutztv/BJNR275800001.html#BJNR275800001BJNG000401377

    Mit freundlichen Grüßen: Georg Keckl

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