„Architekten lassen Werke sprechen“

Ausstellung „Stierkampf im Spanischen Dorf“ eröffnet

von Liane Merkle

Seckach. „Architekten sind niemals große Redner. Sie lassen ihre Werke für sich sprechen“, war die feste Überzeugung von Helmut Ullmann. Doch auch, wenn seine „Exponate“ tatsächlich sehr deutlich ihre Aussagen machen, so widerlegte er seine eigene Theorie in Rekordgeschwindigkeit. Denn er schilderte seine Passion und das Motto seiner Ausstellung im großen Sitzungssaal des Seckacher Rathauses – den „Stierkampf im Spanischen Dorf“ – so kurzweilig und bildhaft, dass ihm auch der größte Skeptiker dieses Sports voll Bewunderung zuhören musste.

Herzlich erwähnte Helmut Ullmann, dass er sich beruflich und privat in Seckach überaus wohl gefühlt hatte. In die Heimat seiner verstorbenen Frau sei er ausgewandert, um sich nach schwerer Krankheit fernab des ehemaligen Berufsmittelpunktes als Freier Architekt wieder erholen zu können.
Da er nicht zum „Stillsitzen“ geboren sei, habe er sich sehr schnell, gern und leidenschaftlich der Malerei gewidmet und mit Portraits auch schnell finanziellen Erfolg verbuchen können, doch seine Passion galt dem dörflichen Stierkampf. Den er von je her als ausgesprochen fair empfunden habe: „Es gab in der langen Zeit meiner Beobachtungen dabei niemals einen wirklich ernsten Unfall, obwohl der Stier normalerweise gewonnen hat“. Doch dieser dörfliche Stierkampf diente tatsächlich der Volksbelustigung, bei der die jungen Burschen im Dorf die Stiere so lange reizten, bis diese sie verfolgten. Und dabei gab es dann oft sehr komische Szenen. Wie Ullmann sich erinnerte, kam es schon mal vor, dass ein wütendes Tier einen jungen Mann bis zum Hafen verfolgt und anstatt an der Kaimauer abzubremsen, diesem ins Wasser nachsprang und teilweise echte Schwimmrekorde aufstellen, um dann fix und fertig an einem Strand das Wasser verlassen zu können. Dann natürlich an einem menschenleeren Strand, denn die Touristen waren beim Anblick von „El toro“ – auch wenn dieser am Ende seiner Kräfte war – schnellstens geflüchtet.
Weiter war Ullmann der Meinung, dass selbst die Stiere, die für den professionellen Stierkampf gezüchtet werden, sechs Jahre lang nicht nur ein bedeutend längeres, sondern auch ein unvergleichlich schöneres Leben haben als unsere Konsumrinder., die höchstens drei Monate meist nicht besonders lebenswert gehalten werden.

Den interessanten Ausführungen des Künstlers zur Entstehungsgeschichte seiner Exponate war der herzliche Willkommensgruß von Bürgermeister Thomas Ludwig an einen großen Kreis interessierter Gäste vorausgegangen. Darunter Weggefährten des Künstlers aus Seckach, Buchen und halb Deutschland sowie Vertreter aus Kommunalpolitik und Schulwesen.

Feierlich umrahmt von den Wohlklängen des Vibraphons, das Sebastian Stahl aus dem „Eff Eff“ beherrschte, machte das Gemeindeoberhaupt zum einen aufmerksam auf die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Großen Sitzungssaals, die bei dieser Ausstellung wieder einmal unter Beweis gestellt würden.

Er empfand es als besondere Ehre, dem ehemaligen freien Architekten hier eine Plattform für die Präsentation seiner Werke geben zu können, und diese Würdigung macht er deutlich mit dem Frühlingsgedicht „Frische Fahrt“ von Joseph von Eichendorff. Denn dieser hatte 1849 die Grundherrschaft von Sedlnitz, der Geburtsstadt von Helmut Ullmann im Nordosten der heutigen Tschechischen Republik, geerbt.

Mit der Eröffnung der Ausstellung „Stierkampf im Spanischen Dorf als Volksbelustigung zur Feier der jährlichen Fiestas“ gab Bürgermeister Ludwig den Großen Sitzungssaal des Seckacher Rathauses bis 20. Mai zu den üblichen Öffnungszeiten des Bürgerbüros als „Kunsthalle“ frei.
wpid-468Architekten-lassen-Werke-sprechen-2011-05-2-22-49.jpg
Bürgermeister Thomas Ludwig (Mitte) mit dem Künstler Helmut Ullmann (re.) und Sebastian Stahl am Vibraphon. (Foto: Liane Merkle)

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: