Ärztliche Versorgung im Kreis

Vortrag des Europaabgeordneten Dr. Thomas Ulmer

(Foto: privat)

Neckar-Odenwald-Kreis. (bw) Die Lebensqualität eines Menschen hängt in hohem Maße von seiner Gesundheit – aber auch von der ihm zur Verfügung stehenden medizinischen Infrastruktur ab. Eine flächendeckende Versorgung mit Haus- und Fachärzten ist hierbei ein wichtiges Kriterium.

Doch während zum Beispiel in Heidelberg ein Arzt für rund 240 Patienten zur Verfügung steht, sind es im ländlichen Raum schon mal 800 Patienten oder auch mehr. Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, denn viele Hausärzte stehen hier kurz vor dem Ruhestand.

Dieser zunehmende Arztmangel betrifft viele, denn je nachdem, welche Gemeinden man dazuzählt, leben immerhin 35 bis 50 Prozent der Bevölkerung Baden-Württembergs im ländlichen Raum.
Die Bereitschaft zur Neuniederlassung junger Kollegen in überwiegend ländlich strukturierten Regionen ist gering.
Die Folge dieser Entwicklung ist, dass immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten behandeln müssen. Oft müssen weite Wege zurückgelegt werden, auch um lebensbedrohliche, akute Erkrankungen zu behandeln, bei denen jede Minute zählt und es lebensrettend sein kann, dass ein Arzt schnell vor Ort ist – beispielsweise bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Eine zeitnahe Versorgung ist jedoch bei längeren Anfahrtswegen fast nicht zu schaffen.

Eine drohende Unterversorgung kündigt sich allmählich an. Immer schwieriger wird es, Haus- oder Fachärzte zu finden, die bettlägerige Bewohner im Heim besuchen kommen. Der Neckar-Odenwald-Kreis bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Ausgerechnet hier, wo ein verhältnismäßig hoher Anteil älterer Menschen lebt und der Anteil von Alten- und Pflegeeinrichtungen überdurchschnittlich hoch ist, nimmt die Zahl der Landarztpraxen kontinuierlich ab.

Wie die Situation im NOK sich im Detail darstellt, welche Tendenzen sich abzeichnen und mit welchen Strategien diesem Trend begegnet werden kann, diese und andere Fragen sind Inhalt einer gemeinsamen Veranstaltung des Kreisseniorenrates und des Betreuungsvereins des Neckar-Odenwald-Kreises.

Als Referent steht Dr. Thomas Ulmer, Arzt für Allgemeinmedizin und Mitglied im Europäischen Parlament zur Verfügung. Er wird insbesondere auch auf Lösungsmöglichkeiten eingehen, wie z.B. die Abmilderung finanzieller Risiken, die mit dem Aufbau einer eigenen Praxis auf dem Land verbunden sind. Auch die Gründung von Gemeinschaftspraxen, die es den zukünftigen Hausärzten ermöglichen soll, Berufs- und Privatleben miteinander zu vereinbaren, spielt eine Rolle – angesichts von derzeit 60 % weiblichen Medizinstudenten sicherlich ein zukunftsträchtiges Modell.

Die Veranstaltung zu diesem bedeutsamen Thema findet statt am Mittwoch, den 01.06.2011 um 15 Uhr im Hotel „Zum Amtsstüble“, Lohrtalweg 1 in Mosbach. Um Anmeldungen wird gebeten unter Telefonnummer 06261-918756 oder 06261-918711. Herr Dr. Ulmer wird Fragen der Zuhörer beantworten.

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