ÖPNV nicht nur auf der Schiene

Wirtschaftsausschuss tagte

Neckar-Odenwald-Kreis/Mudau. (lra) Im Bürgersaal des Mudauer Rathauses tagte der Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr des Kreistages des Neckar-Odenwald-Kreises unter Vorsitz von Landrat Dr. Achim Brötel.

Ein Zufall, dass sich dann gleich die ersten beiden Tagesordnungspunkte um Mudauer Belange drehten: Zum einen die Vergabe der Arbeiten für die Baumaßnahme K 3918 Donebach-Mörschenhardt, die im Herbst 2011 beginnen sollen und für die die Firma Weiss aus Bad Mergentheim den Zuschlag erhielt, und zum anderen die Anerkennung der Schlussabrechung für die Baumaßnahme K 3971 Mudau-Landesgrenze, die mit rund 3.016.000 Euro immerhin 150.000 Euro billiger kam als im Kostenanschlag vorgesehen. Der bei dieser Baumaßnahme realisierte Radweg würde sehr gut angenommen, betonte der gastgebende Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, der vorab seine Gemeinde vorgestellt hatte. Mit der Kreisstraßenbaumaßnahme K 3913 Wettersdorf-Glashofen stand eine weitere Anerkennung der Schlussabrechung an. Auch hier blieb man mit rund 557.000 Euro tatsächlichen Kosten um rund 63.000 Euro unter dem Ansatz.

Die sogenannte Frankenbahn, also die Bahnlinie Stuttgart-Würzburg, stand in der Folge im Mittelpunkt. Auf Initiative der an der Strecke liegenden Städte, Gemeinden und Landkreise ist ein „Gutachten zur Ertüchtigung der Frankenbahn“ erstellt worden. Im Wesentlichen wurden die positiven Effekte von Infrastrukturmaßnahmen an verschieden Stationen untersucht, von einer Erhöhung der Geschwindigkeit durch trassierungstechnische Maßnahmen an der Strecke sowie vom Einsatz schnelleren Wagenmaterials. „Ein Grundproblem waren viele Jahre lang die unterschiedlichen Interessenslagen. Während etliche den Schwerpunkt auf eine möglichst schnelle Verbindung legten, wollten andere den Zügen nicht nur hinterher winken, sondern möglichst viele Haltestellen bedient wissen. Das geht schwer zusammen. Aber jetzt ist, auch Dank der Koordination vom Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg, erfreulich viel Bewegung in die Problematik gekommen“, erklärte Landrat Dr. Achim Brötel. Noch gäbe es viele Unwägbarkeiten, weshalb dem Ausschuss bis dato auch nur ein Sachstandsbericht vorgelegt werden könne, aber: „Da tut sich was.“ Auf Osterburken freilich kommen aufgrund unbedingt nötiger Infrastrukturmaßnahmen am dortigen Bahnhof voraussichtlich hohe Kosten zu. Von rund 3,4 Millionen Euro war die Rede, von denen die Stadt allein rund 1,2 Millionen schultern müsste. Bürgermeister und Verwaltung forderten – „mit Recht“, wie der Landrat betonte – eine finanzielle Beteiligung des Kreises analog der großen Bedeutung des Osterburkener Bahnhofs als wichtiger Knoten, als Schnittstelle zur S-Bahn RheinNeckar, als Anschluss an den Fernverkehr und auch als Schulstandort. Im Anschluss entwickelte sich eine kurze Diskussion über die Bedeutung der Schiene, die Simone Heitz von den Grünen sehr hoch ansetzte. Mit Dr. Rippberger (Mudau) und Heribert Fouquet (Hardheim) konterten zwei Bürgermeister, deren Gemeinden nicht an die Schiene angebunden sind: „Wir haben uns nie gegen Investitionen in die Schiene ausgesprochen. Umgekehrt müssen aber auch der ÖPNV auf den Straßen und die Straßen selber unbedingt erhalten und ausgebaut werden, weil wir nun mal zwingend auf das Straßennetz angewiesen sind.“

Eine Anfrage der SPD zum Reizthema Gigaliner – überlange Lastkraftwagen – lag dem nächsten Tagesordnungspunkt zugrunde. Tatsächlich hat das Landratsamt nur sehr begrenzt Einflussmöglichkeiten auf die Zulassung, Beschränkung oder das Verbot von Gigalinern. „Außerdem will sich die neue Landesregierung laut Koalitionsvertrag ohnehin nicht an dem von der Bundesregierung geplanten Feldversuch mit den sogenannten „Monstertrucks“ beteiligen“, ergänzte Landrat Dr. Brötel.

Unter „Mitteilungen und Anfragen“ gab der Landrat bekannt, dass der Neckar-Odenwald-Kreis in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Miltenberg ab Pfingstmontag an Wochenenden einen mit speziellen Radanhängern ausgestatten Bus zur Verbesserung des Nahverkehrsangebotes einsetzten wird, der auch der länderübergreifenden Förderung der touristischen Regionen Neckar, Odenwald und Main dienen soll. Die Busse verkehren im Zwei-Stunden-Takt zwischen dem S-Bahn-Anschluss in Eberbach und dem Bahnhof Amorbach und bieten dort den Übergang zur Madonnenlandbahn und zum hessischen „NaTourBus“ der Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH (OREG). Waldbrunn und Mudau, die an der Linienführung des Radbusses liegen, werden sich finanziell beteiligen. „Das ist eine wunderbare Ergänzung dessen, was bereits geschaffen wurde und was noch geschaffen wird“, befand Bürgermeister Dr. Rippberger. Eine öffentliche Information über das neue Angebot gibt es am Sonntag, 5. Juni ab 13.30 Uhr am Bahnhof in Amorbach.

Mit einem „dicken Kompliment“ für den hervorragenden kreisweiten Winterdienst leitete der Landrat zum letzten Punkt der öffentlichen Sitzung über: „Dass auch in diesem strengen und langen Winter der Räumdienst zu jeder Tages- und Nachtdienst so gut funktioniert hat, ist keine Selbstverständlichkeit, wie uns ein Blick in andere Landkreise beweist.“ Trotzdem wolle man auch da „noch besser“ werden. Im Anschluss stellten Harald Steinbach und Alexander Giebel vom Fachdienst Straßen des Landratsamtes ihr neues „Winterdienstkonzept“ vor, das unter anderem die Verbesserung des Einsatzablaufs vorsieht mittels hochmoderner GPS-Ortungssysteme an den Streufahrzeugen sowie die Aufstellung eines Soleerzeugers, mit dem die Straßenmeisterei in Buchen dann selbst Natriumchloridsole herstellen können, das im Winterdienst eingesetzt wird. „Das macht uns unabhängig von verzögerten Lieferungen und ist außerdem billiger“, erklärte Harald Steinbach. Die notwendigen Investitionen von rund 85.000 Euro jedenfalls würden sich schon nach rund sechs Jahren amortisieren.

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