Mischwasserlösung erfordert Solidarität

Bürgerversammlung zur Wasserversorgung in Seckach und Ortsteilen

von Liane Merkle

Seckach. Mit über 130 Personen konnte Bürgermeister Thomas Ludwig in der Seckachtalhalle erfreulich viele interessierte Bürger zur Bürgerversammlung rund um die derzeit in der Diskussion befindliche „Wasserversorgungskonzeption für die Gesamtgemeinde“ begrüßen.

Zusammen mit Dr.-Ing. Eduard Leiber, Geschäftsführer des Ing. Büros Fritz Planung GmbH aus Bad Urach, und Prof. Dr.-Ing. Hans Mehlhorn, Technikvorstand des Zweckverbandes Bodensee-Wasserversorgung aus Stuttgart, Dipl. Ing. Oswald Gehringer als Vertreter des Ing. Büros Sack und Partner aus Adelsheim und dem technischen Leiter der Wasserversorgung Bauland, Dipl. Ing. Rainer Bühler, erläuterte das Gemeindeoberhaupt zunächst, in welch schwieriger Lage sich die Gemeinde Seckach bei diesem Thema befindet.

Ausgangspunkt der Überlegungen war der schon in der Eingemeindungsvereinbarung vor knapp vier Jahrzehnten zugesagte und allseits unstrittig notwendige Neubau eines 250 cbm fassenden Hochbehälters für den Ortsteil Zimmern. Diese schon Anfang der 90-er Jahre fertig gestellte und genehmigte Planung für einen Standort neben dem mit Bodenseewasser gespeisten Schlierstadter Hochbehälter wurde seinerzeit allerdings wegen wichtiger anderer Investitionsvorhaben nicht weiter verfolgt. Im Jahre 2007 griff der Zimmerner Ortschaftsrat diese Planungen jedoch erneut auf und der Gemeinderat schloss sich diesem Ansinnen an.

Im März 2008 ereignete sich ein Trübungsfall im Großeicholzheimer Tiefbrunnen. Neben dem Aufbau einer kostspieligen Notversorgung (zunächst mittels einer mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlage und dann per Versorgung mit Bodenseewasser aus Richtung Seckach) machte man sich sofort an die Sanierung dieses Tiefbrunnens, welche im Oktober 2010 mit dem Einbau einer Ultrafiltrationsanlage abgeschlossen wurde. Diese Maßnahme ist der erste Teil eines vom Regierungspräsidium als Fördervoraussetzung geforderten und vom Gemeinderat im September 2008 beschlossenen Konzepts für die Wasserversorgung der Gesamtgemeinde.

Die Realisierung der weiteren Bauabschnitte, nämlich des Neubaus des Hochbehälters Zimmern, der Sanierung und Vergrößerung der beiden Seckacher Hochbehälter um 500 cbm und der Herstellung eines Bodenseewasseranschlusses für Großeicholzheim, um auch dort Mischwasser anbieten zu können, steht noch aus. Der Wunsch nach Mischwasser hat seine Berechtigung aber nicht nur in der hiermit einher gehenden deutlichen Verbesserung der Versorgungssicherheit.

Vielmehr würde damit auch eine von vielen Bürgern in Großeicholzheim und Zimmern empfundene Schieflage bei der Gebührenbemessung beseitigt werden, denn sie müssen infolge einer Prüfungsfeststellung der Gemeindeprüfungsanstalt seit dem Jahre 2008 den gleichen Kubikmeterpreis wie die Seckacher zahlen, erläuterte der Bürgermeister. Bis 2007 war den Ortsteilen wegen des deutlich höheren Kalkgehalts des Eigenwassers und der damit verbundenen eigenen Mehraufwendungen ein pauschaler Nachlass von ca. 0,12 €/cbm gewährt worden.

Als die Gemeinde nun aber den Fachbehörden ihre Gesamtkonzeption vorlegte, warfen diese die Frage auf, wie es wohl um die Versorgungssicherheit des Ortsteils Seckach bestellt sei. Auch in Seckach gibt es nämlich kein zweites Standbein, weil die bestehende Versorgung mit Bodenseewasser sehr zuverlässig ist und daher bislang als absolut ausreichend angesehen wurde.

Wie Ludwig weiter deutlich machte, verlange das Regierungspräsidium als Voraussetzung für die Gewährung von Fachfördermitteln, dass die zukünftige Konzeption sowohl die Aspekte „Wirtschaftlichkeit“ und „Versorgungssicherheit“ wie auch den im Wassergesetz festgeschriebenen „Vorrang des Eigenwassers“ im bestmöglichen Maße bündelt.
Da das Versorgungsnetz des Ortsteils Seckach schon seit vielen Jahrzehnten aus zwei eigenständigen Teilnetzen besteht, deren Grenze in etwa die Bahnstrecke bildet, wäre es für Variante 5 problemlos möglich, Großeicholzheim mit dem westlichen Teil Seckachs sowie Zimmern mit dem östlichen Teil Seckachs zu verbinden und jeweils mit Mischwasser zu versorgen.

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Auf großes Interesse der Bürger stieß die in der Seckachtalhalle abgehaltene Bürgerversammlung zum Thema ,,Wasserversorgungs-Konzeption“ für die Gesamtgemeinde Seckach. (Foto: Liane Merkle)

Das Mischungsverhältnis würde sich auf 20 % (Zimmern) bzw. 25 % (Großeicholzheim) Eigenwasser und dementsprechend 80 bzw. 75 % Bodenseewasser belaufen.

Bauamtsleiter Roland Bangert stellte verschiedene Varianten im Einzelnen vor und arbeitete heraus, was die Kriterien „Wirtschaftlichkeit“, „Versorgungssicherheit“ und „Vorrang des Eigenwassers“ am besten vereint. Selbst ein Ausfall der Bodenseewasserversorgung würde im Ortsteil Seckach nicht zum vollständigen Zusammenbruch der Versorgung führen, da die eigenen Quellen in Großeicholzheim und Zimmern auch hierfür genügend Wasser liefern könnten. Bei einem Kalkgehalt des Mischwassers von 13 deutschen Härtegraden befände man sich wie beim Bodenseewasser immer noch im mittleren Härtebereich.

Die eigenen Quellen in Großeicholzheim und Zimmern könnten im Jahresmittel optimal ausgenutzt werden und es wäre sogar der Verzicht auf den Hochbehälter „Oberer Wald“ im Ortsteil Seckach möglich, weil der neue Zimmerner Hochbehälter dann ein Volumen von 700 cbm hätte.

Bürgermeister Ludwig ergänzte, dass natürlich auch ihm das Misstrauen vieler Bürger aus dem Ortsteil Seckach gegen die „Mischwasser für alle“-Lösung nicht verborgen geblieben sei. Weil man diese Bedenken sehr ernst nehme, habe man mit den genannten Behörden und Büros Rücksprache genommen, um herauszufinden, wie dieser Sachverhalt dort bewertet wird.
Im Ergebnis vertraten alle Experten die Auffassung, dass eine Veränderung des Härtegrades von 9 auf 13 keine nennenswerte Erschwernis sei und dass diese außerdem durch den Zuwachs an Versorgungssicherheit mehr als aufgewogen würde. Außerdem würden für die erwähnten Investitionen in die Hochbehälter des Ortsteils Seckach ohne Einbindung in eine Gesamtkonzeption wohl kaum Zuschüsse gewährt werden. Auf diese sei die Gemeinde Seckach aber dringend angewiesen, um die aus den Baumaßnahmen resultierenden Erhöhungen der Wasserverbrauchsgebühr in einem zumutbaren Rahmen zu halten.

Dr. Ing. Leiber beleuchtete das Investitionsvolumen der einzelnen Varianten. Als realistische Ausführungsdauer für das gesamte Bauprogramm wurden acht bis zehn Jahre genannt. Weitere Aufschlüsse brachte der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Mehlhorn, welcher zunächst den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung vorstellte. Freilich räumte auch Mehlhorn ein, dass es bei keiner Wasserversorgung eine hundertprozentige Sicherheit gibt, weshalb es, falls möglich, immer sinnvoll sei, die Wasserversorgung auf zwei Standbeine zu stellen.

Diesen umfangreichen Vorträgen folgte eine ausführliche und von den Bürgern mit viel Engagement, überwiegend großer Sachlichkeit, aber auch „zwischen den Zeilen“ unvermeidlich emotional geführte Diskussion, bei welcher die ganz unterschiedlichen Standpunkte deutlich wurden.

Zuerst äußerten Bürger aus dem Ortsteil Seckach und dem Kinder- und Jugenddorf Klinge ihre Ablehnung gegenüber jeglicher Mischung des Bodenseewassers mit Eigenwasser aus Großeicholzheim oder Zimmern. Man sehe keinen Grund, an der Versorgungsform, die sich seit 38 Jahren bestens bewährt habe, irgendetwas zu ändern. Auf der anderen Seite gab es aus allen Ortsteilen Stimmen, die die Vorteile der Mischwasserlösung betonten. Genannt wurden insbesondere die deutlich höhere Versorgungssicherheit und der hierdurch mögliche wirtschaftliche Weiterbetrieb der beiden eigenen Quellen.
Weiterhin war davon die Rede, dass bei der Mischwasserlösung von allen Ortsteilen Solidarität eingefordert würde, aber auch alle Ortsteile ihre Vorteile daraus zögen.

Mehrere Detailfragen bezogen sich auf den Nitratgehalt des Mischwassers, auf alternative Mischungsverhältnisse mit weniger Eigenwasseranteil, auf den Standort des gemeinsamen Hochbehälters für Zimmern und den östlichen Teil Seckachs sowie auf die in einigen hoch gelegenen Wohngebieten unbefriedigenden Druckverhältnisse. Am Ende der Bürgerversammlung dankte Bürgermeister Thomas Ludwig allen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Referenten für ihre Teilnahme und ihre Wortbeiträge.

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