Gambare Nippon – Minami Soma

Unser Bild zeigt von links: Michael Daishiro Nakajima mit Ryusuke und Takuya. (Foto: privat)

Bauland/Odenwald/Japan. Dieser Tage veröffentlichten wir den Spendenaufruf von Michael Daishiro Nakajima. Der Rosenberger mit japanischen Wurzeln flog in der vergangenen Woche nach Japan, um dort Hilfe zu bringen, wo sie die Menschen dringend benötigen. Die katholische Pfarrei Rosenberg stellt ein Spendenkonto für die Hilfsaktion bereit.

Seine Erlebnisse und Informationen von der Hilfsreise erzählt Michael Daishiro Nakajima in einem Online-Tagebuch, das wir hier auf NOKZEIT mit freundlicher Genehmigung seiner Frau Susanne wiedergeben. Somit wollen wir unseren Lesern das unsägliche Leid der Menschen in Japan aus einer ganz persönlichen, nicht nachrichtenmäßigen Sicht wiedergeben, aber auch die Hoffnung, die Menschlichkeit, den Glauben vermitteln, der hinter einer solchen Hilfsaktion steckt. Wenn sich dann noch der ein oder andere Leser angesprochen fühlt, ein paar Euro zu spenden, hat diese Art der Berichterstattung ihren Sinn erreicht. Weitere Fotos die den ganzen Schrecken dokumentieren gibt es im Online-Tagebuch.

Nun zum fünften Bericht aus Japan:

Gestern (17. Mai) kam mein ehemaliger Klassenkamerad, Soroku Ozawa, extra aus Tokyo, um mir sein Auto zu bringen. Das Auto ist ein Toyota Harrier, Typ Wagon 2000 cc. Für mich gibt es 3 Neuigkeiten: es ist erstens automatisch wie fast alle japanischen Autos. Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl, den Motor anzulassen, ohne auf den Schaltpedal zu drücken. Man hat das Gefühl, dass das Auto dann sofort losfährt und der Motor abgewürgt wird, obwohl ich mit dem Auto von Tomokazu Mitsuhashi schon etwas Erfahrung gesammelt habe. Zweitens sitzt der Lenker auf der rechten Seite, und er muss links fahren. Auch diese Erfahrung habe ich schon etwas. Drittens ist das Auto von Soroku Ozawa viel breiter als die übrigen. Irreführend ist dabei, dass es links vorne einen kleinen Rückspiegel gibt, um den Boden und das linke Rückrad zu sehen. Am Anfang dachte ich spontan, dass dieser Spiegel den äußersten Rand markiert. Fatalerweise ist aber der eigentliche große Seitenrückspiegel etwa 15cm mehr draußen. Wenn man also nach dem vorderen kleinen Rückspiegel orientiert, hat man noch nicht alles ausgewichen, zumal die japanischen Straßen sehr eng sind und man beim Vorbeifahren mit den entgegenkommenden Autos sehr dicht an den Rand ausweichen muss. Das Fazit ist, dass ich bei der ersten Fahrt – ich wollte den guten Ozawa zum Bahnhof bringen und gleichzeitig ihm die Angst davon nehmen, mir sein Auto ausgeliehen zu haben – an der Rückseite des gesagten großen Seitenrückspiegels einen Kratzer gemacht habe. Zum Glück ist er nicht der erste und der einzige, weil es schon 10 Jahre auf den Straßen ist. Aber der Effekt ist fatal. Er war bestimmt entsetzt, auch wenn er das nicht so zeigte. Ich meinerseits verlor das Vertrauen auf mein Gefühl zum Abstand, das ich von den Budo-Übungen her immer noch zu haben glaubte. Jetzt weiß ich, dass die Hauptursache davon daher rührt, dass ich den kleinen und den großen Spiegel für gleich-außen gehalten hatte.

Mittlerweile bin ich schon gestern einkaufen gefahren und auch heute in Minami-Soma gut angekommen. Am einfachsten ist natürlich auf der Autobahn. Ich fahre höchstens 130 km/h, aber meistens darunter. Denn erlaubt ist offiziell – wie gesagt – nur 100 km/h, auch wenn manche sogar 140 fahren. Ich sollte mich aber davor hüten, von der Polizei kontrolliert zu werden mit meinem trügerischen „internationalen“ Führerschein. Die Autobahnen sind übrigens an vielen Stellen schwarz mit Teer gefleckt. Dafür sind die Straßen aber schon wesentlich glatter geworden.

Vorhin war ich kurz in Soma – ohnehin muss man einmal bis Soma „hoch“ fahren, um die gesperrten südlichen Gebiete auszuweichen – und habe an einem Kindergarten Säfte und Kekse abgeladen, sowie für die Betreuerinnen die Anti-UV-Strahlen-Milch mit einem kosmetischen Touch geliefert. Übrigens habe ich von Kamakura aus für die Damen in Miyako Kosmetika und BHs schicken lassen, weil sie sich das wünschten. Ihr seht, was ich noch in meinen alten Tagen alles tue 🙂 Für diesen Zweck habe ich allerdings meine alte Kirchenkameradin Hiroko Sudo eingespannt, die mich damals beim Tischtennis-Spiel immer geschlagen hat. Übrigens war sie als Schülerin eine hochtalentierte Schwimmerin und Springerin. Sie wurde als ein großes Talent entdeckt. Als Ihr Trainger von ihr aber erwartete, dass sie täglich 100 Male vom 10-Meter-Brett runterspringen sollte, hat sie dem Angebot den Rücken gekehrt. Nun, ich habe zum ersten Mal erfahren, welche verschiedenen BHs und welche Foundations, Lippenstifte und Eyeshadows gibt. Die Vielfalt in der Kosmetik-Abteilung des Großhandels hat mich zum Staunen gebracht. Was alles die Damen für ihre Schönheit tun! Die Händler in dieser Branche können bestimmt gutes Geschäft machen.

Übrigens hat die Hort-Chefin selbst ihr Haus verloren und wohnt nun bei ihren Verwandten. Sie sagt aber, dass es keine Zeit gibt darüber nachzudenken und zu trauern, denn die Kinder haben z.T. Schlimmes erfahren und brauchen guten Beistand.

Es ist in diesem Hort schon eine Prozedur, dass die Betreuerinnen mit den Kindern die Hilfstransporter begrüßen mit einer papiernen Medaille, die die Betreuerinnen selber gemacht haben. Danach wird zusammen fotographiert. Die Kinder sind ganz ganz süß und schon für diese Begrüßung allein lohnt es sich dorthin zu kommen, aber ich hoffe, dass es für die Kinder nicht zu viel wird mit der Zeit.

Dass ich jetzt so ausführlich schreibe, kommt daher, dass ich wieder keine Internet-Verbindung und im Hotel sonst praktisch nichts zu tun habe. Mein pocket wifi versagt und verlangt von mir das Kennwort, das ich ihm natürlich gebe aber nichts nützt. Im Hotelzimmer ist eine Internet-Büchse, aber es gibt keine passende Kabel. Diese technischen Bremsen machen mir schwer zu schaffen. Eigentlich hätte ich Euch insgesamt viel schneller Informationen geschickt. Außerdem hätte ich viel mehr das Eigentliche machen können.

Ich bin direkt zum Hotel gefahren, so dass ich noch nicht das Meer und die Küstengebiete gesehen habe. Vielleicht mache ich das wieder morgen früh beim Spaziergang. Der Weg von Soma bis hierher nach Minami-Soma sieht ganz normal aus. Auch der Straßenbetrieb scheint alltäglich wie sonst zu sein.

So erzähle ich etwas, das ich in den letzten Tagen im hiesigen Fernsehen erfahren habe. Denn fast täglich verfolge ich die Nachrichten, damit ich die Lage gut im Kopf habe und gegebenenfalls ihr entsprechend handeln kann. Wenn 30,000 Legehühner massenweise sterben, weil es nichts mehr zu fressen gab, dann ist das für manche Ohren vielleicht nur eine neutrale große Zahl. Ich bin zwar sicher nicht für die Legebatterie, aber wenn man hört, dass der Besitzer 1950 mit 50 Hühnern angefangen hat und sein Geschäft groß gezogen hat, dann versteht man seine Trauer. Wenn es aber um ein Dutzend Milch-Kühe handelt, die ein Bauer wie eigene Kinder aufgezogen und um sie gekümmert hat, dann ist unser Mitgefühl noch größer. In meinem Leben habe ich noch nie um die Kühe geweint. Wenn du aber siehst, dass sie in der Evakuierungszone absichtlich nur wenig Nahrung bekommen, damit sie nicht so viel Milch produzieren, und deswegen ganz mager werden, dass die Knochen so hochstehen, wächst unsere Trauer. Wenn du aber siehst, dass dieser Bauer sich schweren Herzens entschließt, den Hof aufzugeben und seine geliebten Kühe schlachten zu lassen, und dass diese eine nach der anderen in einen großen Lastwagen der Schlächterei geschleppt werden, während sie sich mit letzter Kraft dagegen stemmen, dann ist in mir Holland in Not. Es gibt in dieser Welt wahrlich viel Not und Leid. Warum müssen wir etwas noch dazuzufügen? Gedankenlosigkeit? Manchmal schon, aber manchmal ist sie unverzeihlich.

Nun kam die Nachricht, dass ein 21-jähriger Ehemann das Baby von ihm und seiner 34-jährigen Frau zu Tode gequält hat. Das Baby ist gerade 3 Monate alt geworden. Man sagt, seine Tat rühre von der Eifersucht her. Er hätte seiner Frau gesagt, „Welcher ist für Dich wichtiger, das Baby oder ich?!“. Er hat sogar das kleine Arm des Babys am Ellbogen gebrochen. Ich versuche immer, auch über die schlimmsten Taten auf den Hintergrund des Täters hin zu fragen. Es gibt aber Dinge, die einfach nicht sein dürfen. Dürfen die AKWs sein, mit so viel Risiko für die Menschen, die Tiere und die Natur? Die Gedankenlosigkeit? Ja, durch die Gedankenlosigkeit der Massen hat man auch 6 Millionen Juden hingeschlachtet. Haben wir überhaupt die Chance, uns dauerhaft zu bekehren, und nicht nur für 3 Monate nach einer Katastrophe, wenn überhaupt? Der göttliche Urgrund unseres Daseins erbarme sich unser!

Do. 19. 05. 2011

Der Hotel-Betrieb scheint gänzlich wiederhergestellt zu sein. Heute morgen gab es einen typisch japanischen Frühstück mit dem getrockneten Seetang (Nori), gegorene Soja-Bohnen (Natto), dem Ei, gebratenen Lachsfilet, Reis, Miso-Suppe und andere Kleinigkeiten. Dazu den grünen Tee und Kaffee.
Zuerst fahre ich zum Seiai-Kinderhort, eine evangelische Einrichtung. Er ist etwa 24-25 km vom demollierten AKW „Fukushima 1“ entfernt. Logischerweise ist sie offziell geschlossen. Es gibt aber nicht wenige Leute, die zurückkommen, weil sie das Leben im Flüchtlingslager nicht länger ertragen. Wenn die Eltern dann arbeiten oder einkaufen gehen, können sie ihre Kinder im Hort lassen. Das ist ein freiwilliger Service der Betreuerinnen. Für diesen Fall brauchen sie auch etwas zum Essen und Trinken. Diese Sachen habe ich Frau Endo gegeben, die Leiterin dieses Hortes ist. Sie weiß nicht, ob der Kinderhort bestehen bleiben kann. Denn viele Familien mit Kindern wollen nicht in diese gefährliche Zone zurückkommen, solange die AKWs das Problem nicht gelöst haben.

Ihr Wunsch ist ein Geiger-Zähler, damit sie für die Sicherheit der Kinder sorgen können. Denn die Messungen, die vom Stadtbeamten durchgeführt werden, sind nicht sehr häufig. Und in Japan kann man keinen mehr kaufen. Es wäre gut, wenn die Deutschen, die sicher nicht in einer akuten Gefahr stehen, sich beherrschen und nicht so viele Geiger-Zähler kaufen würden. Dann gehen sie dahin, wo sie wirklich akut gebraucht werden. Meine Frau hat schon berichtet, dass man sich auf eine lange Wartezeit einstellen muss, wenn man einen neuen kaufen möchte. Auch ein Gebrauchter ist schon doppelt so teuer geworden, weil es so viel Bedarf unter den Deutschen gibt. Es ist schon ärgerlich, wenn man mit über 600 Euro einen Gebrauchten kauft, und er nach kurzer Zeit defekt hat.

Anschließend war ich am Meer, an der Grenze zur 20-km-Verbotszone. Mehrere Soldaten überwachten die Straßen. Die Küstengebiete sind wie auch in anderen Orten völlig zerstört. Nach der Foto- und Film-Dokumentation fuhr ich zu einem Behindertenwerk, das Frau Endo vermittelt hat. An sich hätte ich auch zum Zentrum für die freiwilligen Helfer/-innen gehen können. Aber die amtliche Handlung der Anmeldung usw. nimmt zu viel Zeit. Außerdem muss man schon um 16 Uhr Schluss machen. Ich neigte von vorne herein, jemanden direkt zu fragen. Es gibt sehr viele Leute, die Hilfe brauchen, aber nicht bekommen. Es ist etwas schwach, wenn man weit entfernt wohnt und nicht zum Helfen kommt, weil der offizielle Weg nicht geöffnet wird. In solchem Notfall muss man erst bei den Betroffenen sein. Dann öffnet sich der Weg zum Helfenkönnen. Ich finde es prima, wenn das Behörde ein offizielles Angebot macht. Aber wenn man nur darauf wartet, dass es gemacht wird, dann lässt man viele Menschen in Not im Stich.

Nun kam ich zum Behindertenwerk und sollte nachmittags eine Arbeit bekommen. Da ich bis dahin anderthalb Stunden hatte, fuhr ich wieder in die Küstengegend und aß mitten in den kaputten Häusern mein Mittagessen, das ich in einem wiedergeöffneten Supermarkt mit etwa 4 Euro gekauft habe. (Übrigens zahle ich mein Essen bis auf das letzte Cent selbst, damit die Spendengelder gut bei den Betroffenen ankommen.) Ja, ich aß seelenruhig mitten in dieser Misere und bin überzeugt von meinem Tun. Denn ich muss arbeiten für die Betroffenen. Wenn die Helfer vor lauter Mitleid nicht essen und eingehen, nützt das niemandem. Die Helfer müssen starkt sein, ja brutal stark sein. In meinem Herzen denke ich aber an die Menschen, die hier ihre geliebten Menschen verloren haben. Ja, ich denke an ihre große Trauer. Gerade deswegen muss ich stark sein und darf nicht vom Gefühl der Trauer verschlungen werden. Stattdessen verschlinge ich mein Mittagessen mitten in dieser Vernichtung!

Fr. 20. 05. 2011

nun schreibe ich die Fortsetzung von gestern. Leider ist die Internetverbindung immer noch nicht wiederhergestellt. Nun glaube ich, dass dieses Macbook Air heikel ist, denn mein iPhone schafft die Verbindung zum pocket wifi mittlerweile.

Nach dem Mittagessen fuhr ich zum „Peanuts“ (so heißt die Einrichtung für die geistig Behinderten. Die privaten Betreiber haben noch 2 weitere Einrichtungen, und diese haben die Namen der Bohnen.) zu Frau Kori, die Frau Endo des Kinderhorts telefonisch für mich angefragt hat. Die beiden Damen sind gut befreundet und arbeiten zusammen. Das Haus Peanuts war nicht direkt vom Tsunami betroffen. Die Welle mit der vernichtenden Energie kam bis etwa 1.5 km landeinwärts, auch wenn das Wasser weiter hineinkam. Das Haus „Peanuts“ liegt aber etwa 2.5 km vom Meer entfernt.

So. 22. 05. 2011

Gestern bin ich heil aus Minami-Soma zurückgekehrt. Mein ehemaliger Schulkamerad Soroku Osawa ist mit dem Zug extra aus Tokyo nach Kamakura gekommen, um sein (heilgebliebenes) Auto abzuholen.
Anschließend bin ich von den 16 ehemaligen Schul-Kameraden des Tennis-Klubs zu ihrem Jahrestreffen eingeladen worden. Nicht nur, dass ich umsonst Feines essen und trinken durfte, sondern sie haben auch die Spendengelder gesammelt, obwohl einige von ihnen schon reichlich gespendet hatten. Insgesamt kam fast 1200 Euro zusammen.

Die Einrichtung in Minami-Soma darf eigentlich nicht geöffnet sein. Innerhalb von 20 bis 30 km vom havarierten AKW entfernt müssen alle älteren Menschen, Kinder und Behinderten das Gebiet verlassen. Denn sie können nicht bei einem Notfall schnell das Gebiet verlassen. Einige konnten es aber am Anfang unmöglich verlassen, weil es kein Benzin gab oder weil es keinen entsprechenden Ort für sie außerhalb. So hat die Präfektur akzeptiert, dass die Einrichtung weiter betrieben wird. Nur müssen die Verantwortlichen dafür sorgen, dass der Umzug notfalls zügig vorangetrieben wird. Ich habe mich mit einer zuständigen Dame und den 2 Freiwilligen bei dieser Vorbereitung geholfen. Diese bestand darin, dass ein Lager geräumt wurde. Ein Teil wurde zu einer Müllsammelstelle und ein anderer Teil zu einem anderen Lager außerhalb der 30 km Zone wegtransportiert. Nach zwei Tagen war das Lager noch lange nicht fertig geräumt, aber schwerere Arbeiten wurden schon getan.
Es stellte sich heraus, dass die Verantwortlichen dieser Einrichtung, Herr Aota und Frau Kori, über die eigentliche Aufgabe hinaus – der akuten Situation entsprechend – sehr Wichtiges leisten. Die Zeit ist nämlich schon vorbei, dass man die allgemeinen Güter nach dem eigenen Ermessen zum Katastrophengebiet schickt. Im Prinzip gibt es Waren in den wiedergeöffneten Supermärkten. Es gibt aber Menschen, die sie nicht kaufen können, weil sie kein Geld haben. Prinzipiell können sie zu den behördlichen Stellen gehen und um die Waren bitten. Aber manche schämen sich wiederholt dorthin zu gehen. Herr Aota und Frau Kori kennen diese Menschen persönlich, und für diese Menschen ist die Schwelle dieser Wohltätigkeitseinrichtung bei weitem nicht so hoch wie der behördlichen Stelle. So können sie das Nötige selbst anschaffen und den Leuten zwangslos anbieten. Die Leute wiederum bieten an, für die Einrichtung etwas zu tun, weil sie nicht nur empfangen wollen. Ich habe Frau Kori empfohlen, diese Bitte der Menschen zuzulassen, damit sie auch ihre eigenen Werte empfinden können.

Jedenfalls habe ich mich entschlossen, ab jetzt diese Einrichtung hauptsächlich zu helfen. Nachdem ich meine Aktivität hier beendet habe, werde ich die Spendengelder, die mir zur Verfügung stand und noch steht ihr zukommen lassen. Denn Minami-Soma hat vierfaches Leiden: Erdbeben, Tsunami, AKW-Gefahr und Gerüchteschäden (Obwohl die Radioaktivität im Vergleich zu näheren Gebieten relativ niedrig ist, ist die Stadt als Gefahrzone gebrandmarkt, so dass die Hilfstransporter nur zögerlich hineinkommen und die Waren der Stadt vermieden werden). Ryusuke Okano und Tomokazu Mitsuhashi sollen wie bis jetzt je 1/3 erhalten.

Diesmal fühlte ich mich vollends bestätigt, dass es sehr wichtig ist Mut zu haben, zu den leidenden Menschen zu gehen. Wenn man darauf wartet, dass das Behörde für dich den Weg zur Hilfsaktion ebnet, lässt man viele Menschen im Stich, auch wenn der behördliche Weg natürlich auch wichtig ist.
Auch diesmal fühlte ich die große Solidarität unter den Japanern. Meine Mitstreiter/-innen kamen diesmal aus Kyushu (die südlichste von den großen 4 Inseln), aus der Chiba-Präfektur und der Yamagata-Präfektur. Einer erzählte mir, dass er im Zug eine ältere Japanerin traf, die extra aus den USA kam. Es sind tolle Begegnungen, in denen ich auch Deutschland miteinbeziehen kann. Denn die Leute interessieren sich für Deutschland und fragen mich darüber.
Morgen fahre ich zur letzten Mission nach Shiogama (nordöstlich von Sendai) zusammen mit meinen ehemaligen Klassenkameraden Akira Koto und Tomokazu Mitsuhashi, der einen jungen Mann mitbringt.

In dieser Gelegenheit danke ich auch den anonymen Spendern/-innen sehr herzlich. Gott wird ihre guten Taten schauen und ich bete für sie genauso wie für die mir namentlich Bekannten.

Diesmal veröffentliche ich diese Zeilen ohne meinen jüngsten Sohn um die Korrektur zu bitten, weil ich später keine Zeit mehr haben werde.

Herzliche Grüße an Euch alle Michael Daishiro Nakajima

Wer Spenden tätigen und/oder Informationen erhalten möchte, kann dies auch über Diakon Manfred Glittenberg, Tel. 06292-1821 oder 06292-928777 abwickeln.

Spendenkonto: Katholischen Pfarrei Rosenberg, Volksbank Kirnau – BLZ 67461733, Konto-Nummer 16250, Stichwort ,,Japanhilfe“

Auch Solidaritätsbekundungen in Form von Postkarten oder Briefen oder von Kindern gemalte Bilder werden in Japan als tröstend und ermutigend erfahren, sehen die Betroffenen daran, dass die Welt Anteil an ihrem Schicksal nimmt.Die Briefe sollten an eine der folgenden Adressen geschickt werden: Daishiro Nakajima, Omachi 5-4-21, Kamakura-shi, 248-0007 Japan oder Tomoichi Mitsuhashi, Ushigome 928-1, Shirakomachi, Chosei-gun, Chiba-ken, 299-4202 Japan. An beide Adressen können gerne Karten und Briefe mit Ermutigungen gesandt werden – möglichst mit einfachen Texten und evtl. auch in Englisch, denn natürlich verstehen nicht sehr viele Japaner deutsch. Mit Hilfe des Internets ist es heute ja auch möglich, ein paar japanische Brocken (in lateinischer Schrift) zu schreiben, wie etwa „Gambare Nippon!“ (Japan, halte durch!). Auch Nachrichten per Mail an: Susanne.nakajima@googlemail.com kommen an. Natürlich dürfen unsere Leser ihre Briefe/Mails auch an die Redaktion übermitteln. Wir werden dafür Sorge tragen, dass sie in Japan ankommen.

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