„Knackis“ lernen im Knast pfeifen

10 Jung-Schiedsrichter in JVA Adelsheim ausgebildet – Notwendigkeit der „Spielregeln“ vermittelt

Unser Bild zeigt von links: Stefan Unmüßig, Horst Saling, Rainer Goderbauer, Heiko Link, Klaus Zimmermann, Arno Trautwein – weiterer am Kurs  teilnehmender JVA-Mitarbeiter. (Foto: Brauch-Dylla)

Adelsheim. (bd) Das Sport über die Mauern der JVA hinweg verbinden kann ist nicht nur in Adelsheim ein alter Hut, seit über 30 Jahren bestehen enge Verbindungen der Jugendstrafanstalt zum SV Germania wie auch zum badischen Fußballverband und der Sepp-Herberger-Stiftung. In den letzten Wochen stand nun für 8 Insassen und zwei Bedienstete eine ungewöhnliche Prüfung an, die dem DFB 10 neue Schiedsrichter „bescherte“. Dass verurteilten Regelbrechern die Möglichkeit geboten wird, als Schiedsrichter für die Einhaltung von Regeln zu sorgen, macht die Besonderheit des Projekts aus.
Die Initiative dafür hatte JVA-Sportbeamter Heiko Link ergriffen, der nun selbst mit den jungen Strafgefangenen den Kurs absolvierte. Bei Schiedsrichter-Obmann Horst Saling und Lehrwart Stefan Unmüßig von der Schiedsrichtervereinigung Buchen stieß er gleich auf offenen Ohren, auch Fußballkreisvorsitzender Klaus Zimmermann und der Badische Fußballverband signalisierten Unterstützung und spendierten einen kostenlosen „Neulingskurs“.
Anliegen der JVA ist ihrer Zweckbestimmung nach zwar nicht dem Fußball zum Schiedsrichternachwuchs zu verhelfen, doch die Vermittlung der Notwendigkeit und der Einhaltung von Spielregen auf allen Ebenen zählt Anstaltsleiter Rainer Goderbauer zum Kern der Erziehungsaufgabe des Jugendstrafvollzugs. Zum Abschluss der theoretischen Ausbildung, während der auch einige Interessenten die Segel strichen, dankte er Kursleiter Stefan Unmüßig und Obmann Horst Saling herzlich für ihren Einsatz. „Auch außerhalb des Fußballs geht ohne Regeln gar nichts“ betonte er, die Befolgung, Überprüfung und Einhaltung von Regeln sei für die „Unparteiischen“ eine herausfordernde Aufgabe. Er freute sich, dass alle Prüflinge zum Erfolg kamen und beglückwünschte sie zu ihrem Durchhaltevermögen. An Unmüßig und Saling gewandt betonte er: „Sie haben den umfangreichen Lehrstoff lebendig und begreiflich vermittelt, der Lernerfolg unserer Jugendlichen wirkt deutlich über den Fußball hinaus!“. Stefan Unmüßig erhielt zum Dank eine inder JVA-Werkstatt gefertigte „Gitteruhr“. Fußballkreisvorsitzender Klaus Zimmermann war zur Feierstunde ebenfalls nicht mit leeren Händen angereist. Er hatte nicht nur einen Spielball für das JVA-Team im Gepäck, gemeinsam mit den Prüfbescheinigungen übereichte er den Absolventen Erstausstattungsmappen, die die Sepp-Herberger-Stiftung den Jung-Referees spendierte.
Nachdem diese Woche die Laufprüfungen in der JVA von allen Jung-Schiris bestanden wurden ist die nächste Hürde genommen. Richtig los mit der Schiedsrichterei geht es für die „Pfeifenmänner“ aber erst, wenn die Haft hinter ihnen liegt, bis dahin ist nur der Sportbetrieb hinter der Mauer ihr Betätigungsfeld. Da in Fußballvereinen jedoch stets ein Mangel an qualifizierten Schiedsrichtern herrscht, erhoffen sich die Kurs-Verantwortlichen für die Lehrgangsabsolventen nach der Haftentlassung einen erleichterten Zugang zu den Vereinen. Dies könne eine gute Hilfestellung und ein wichtiger Schritt zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft sein, die nach wie vor eine große Herausforderung darstellte.
Am Sonntag können sechs der Nachwuchs-Schiris, die bereits „Haftlockerungen“ erhalten, in Hoffenheim den Kollegen beim Länderspiel Deutschland-Uruquay über die Schulter schauen. Mit Hilfe des DFB konnte Heiko Link für seine Lehrgangskollegen die begehrten Länderspiel-Tickets erwerben.

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