Kreisjägermeister fordert Kurswechsel

Gesetzliche Regelungen gegen freies Betretungsrecht für Wälder

von Liane Merkle

Die neuen Ehrenmitglieder der Kreisjägervereinigung.

Neckar-Odenwald-Kreis. Als ,,echte Sauerei“ bezeichnete Landrat Dr. Achim Brötel in seinem Grußwort anlässlich der Jahreshauptversammlung der Kreisjägervereinigung Buchen mit bläserischer Einleitung der Jagdhornbläser unter der Leitung von Bernhard Meixner, die üppige Entwicklung des Schwarzwildes sowohl in den klassischen Odenwald-Revieren als auch in der näheren Umgebung von Mosbach.

Dafür stelle sich die Situation im Bauland hingegen relativ entspannt dar. Neben der Beseitigung einiger ,,hausgemachter Gründe“ könne man diesem Problem nur mit hohem Jagddruck einigermaßen wirkungsvoll begegnen, nachdem die ,,Pille für die Sau“ in den Reihen der Jäger nur auf wenig Gegenliebe stoße.

Weiter führte der Landrat aus, dass die stichprobenartigen Kontrollen bezüglich Fütterungs- und Kirrungsverhalten in den einzelnen Revieren mehrheitlich keine Beanstandungen zu Tage brachten aber immer noch Raum für Verbesserungen beinhalte. Die große Vielfalt an bejagbarem Wild im großen Waldbestand von Mudau hob dessen Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger hervor und MdL Georg Nelius bezeichnete die Jäger als Garanten eines funktionierenden Naturhaushaltes mit Priorität Hege und Pflege.
Er halte die Jagdsteuer daher für unnötig und wolle alles daransetzen, dass diese abgeschafft werde. Weiter bemängelte er die grundsätzliche Nachlässigkeit von Waffenbesitzern im Umgang und Aufbewahrung ihrer Waffen, was allerdings auch aufgrund der effizienten Kontrollen durch den Landkreis nicht für den Neckar-Odenwald-Kreis gelte.

Kreisjägermeister Wolfgang Brand dankte eingangs der Versammlung der Gemeinde Mudau für die Überlassung der Odenwaldhalle in Mudau, Alfred Dambach als Hegeringleiter IV für die Gestaltung des Veranstaltungsortes, Franz Martin für die Ausrichtung der Trophäenschau und allen, die sich für die Belange der Kreisjägervereinigung eingesetzt hatten. Den hohen Stellenwert der KJV verdeutlichte weiter die Anwesenheit seines Mosbacher „Kollegen“ Roland Kirstätter sowie von Vertretern des Kreisjagdamtes, Veterinäramtes und des Kreisbauernverbandes.

Zu Beginn seines Rechenschaftsberichtes forderte der Kreisjägermeister von allen Mitgliedern und Jagdbetroffenen einen Kurswechsel unter dem Motto ,,vom ich zum wir – von der Gemeinschaft zur Geschlossenheit“. Nur so könne man sich mehr Gehör verschaffen.

Positiv resümierend nannte Wolfgang Brand die Jungjägerausbildung mit hohem persönlichem Engagement der Ausbilder und die kreiseigene Homepage. Aktuell seien derzeit 529 Mitglieder im Kreisverein organisiert.

Weiterhin als großes Ärgernis bezeichnete er die Jagdsteuer, die sachlich nicht mehr gerechtfertigte sei. Als Jäger komme man dem gesetzlichen Hegeauftrag als Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit nach und bringe darüber hinaus erhebliche Leistungen, die im öffentlichen Interesse liegen. Daher fordere er eine dringliche Abschaffung der Jagdsteuer.

Zur Wildbret Verwertung und Lebensmittelhygiene sagte der Kreisjägermeister, dass sich der Verbraucher darauf verlassen könne, dass im NOK nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl kein kontaminiertes Wild auf den Markt gelangte. Bezüglich der Wildschäden nannte er als Erfordernis, hohe Schwarzwildbestände durch gezielte, aufeinander abgestimmte kulturtechnisch-ackerbauliche Maßnahmen und durchdachte Bejagungskonzepte auf ein verträgliches Maß zurückzuführen, wozu man keine neuen gesetzlichen Regelungen brauche.

Wohl aber hinsichtlich des freien Betretungsrechtes der Wälder für Mountainbiker, Geo-Cacher, Quadfahrer, Stockenten usw., die zu jeder Tages- und Nachtzeit die Einstände des Wildes verunsichern.

Nachdem Kreisjägermeister Wolfgang Brand die Problematik des Schießstandes in Osterburken erörtert und anstehende Aktivitäten benannt hatte, konnte Schatzmeister Norbert Dieterle trotz hoher Ausgaben über eine noch zufrieden stellende Finanzlage im Kreisverband berichten.
Der Kreisjägermeister meinte zu diesem Punkt, dass man zwar noch keine Grippe habe, aber durchaus schon Temperatur. Er begründete diese Aussage mit der Tatsache, dass man von den 60 Euro Mitgliedsbeitrag über 54 Euro an den Landesverband abführen müsse.

Keinerlei Beanstandungen hatten daher die beiden Kassenprüfer Rolf Wein und Lothar Weber zu vermelden und so erteilten die Mitglieder als Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit und auf Antrag des Mosbacher Kreisjägermeistesr Roland Kirrstätter der gesamten Vorstandschaft einstimmig Entlastung.

Unter der Leitung von Martin Franz erfolgte die Gehörnbewertung im Rahmen der Trophäenschau mit Übergabe des Berichtes an den stellvertretenden Kreisjägermeister Albrecht Reichert. Leider waren nur drei Gehörne abgegeben worden. Eine Silbermedaille erhielten mit 108,53 Punkten das Gehörn aus dem Revier Schlierstadt I von Erleger Horst Müller sowie mit 015,48 Punkten aus dem Revier Langenelz von Erleger M. Egenberger. Das eigentlich interessante Gehörn aus dem Revier Steinbach II von Erleger J. Pittner konnte nicht bewertet werden, weil im Schädelknochen ein Stück Holz eingegossen war.
wpid-468Kreisjaegermeister-fordert-Kurswechsel-2011-05-29-18-36.jpg
(Foto: Liane Merkle)

Unter der feierlichen Umrahmung der Bläsergruppe mit der Ehrenfanfare als Einleitung konnte Kreisjägermeister Wolfgang Brand folgende Mitglieder für ihre langjährige Treue zur Jagd und dem Kreisjägerverein mit Urkunde und Ehrennadel auszeichnen: (10 Jahre Jagdhornbläser) Renate Heitmann, (25 Jahre Mitgliedschaft-Ehrennadel in Silber) Berthold Farrenkopf, Benno Henn, Jürgen Kühner, Hans Joseph Wellie, Franz Millitzer, Heinrich Müssig, Georg Ott, Alfred Rippberger, Heinz Schäfer, Paul Semel und Ulrich Herrmann, (40 Jahre Mitgliedschaft-Ehrennadel Gold) Winfried Klotzbücher und Bruno Trunk, (50 Jahre Mitgliedschaft-Ehrennadel in Gold) Heinz Auer, Gottfried Burger, Erich Fitz, Eugen Günther, Erich Henn und Walter Herre. Heinz Hefner ist derzeit musikalischer Leiter der Bläsergruppe Bauland und seit 1959 Mitglied der KJV. Bernhard Meixner ist seit der Gründung am 11. April 1964 musikalischer und Gruppenleiter von Weidmannsheim Buchen und Bläser in der Parforcehorngruppe der Jagdfreunde Erftal. Beide haben sich um das Jagdhornblasen verdient gemacht und wurden so zu neuen Ehrenmitgliedern der Kreisjägervereinigung ernannt.

Mit dem Aufruf zu einer konstruktiven Geschlossenheit im Interesse der Jagd und eines starken Kreisverbandes schloss Kreisjägermeister Wolfgang Brand mit einem Waidmannsheil für ein erfolgreiches neues Jagdjahr die Jahreshauptversammlung und leitete nach dem gemeinsam gesungenen „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“ zu einem Zutrunk mit regen Diskussionen über.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: