Gutes Bildungsangebot für Kleinkinder

Haßmersheim. (pm) Eng wurde es bei der letzten Gemeinderatssitzung im Haßmersheimer Sitzungssaal, denn zahlreiche Zuhörer füllten nahezu alle Besucherstühle. Grund dafür war sicherlich die interessante Tagesordnung, die neben der Bestellung der neuen Feuerwehrkommandanten, wir berichteten bereits darüber, auch die Vorstellung eines Gutachtens über die Kleinkindbetreuung in Haßmersheim beinhaltete, aber auch das Sicherheitslagebild der Polizei interessierte die Einwohnerschaft.
Die Bildungs- und Betreuungslandschaft in Baden-Württemberg für Kinder unter 6 Jahren ist bereits seit Jahren sehr stark in Bewegung geraten. Dabei geht es, so Bürgermeister Marcus Dietrich, um die verstärkte Unterstützung der Eltern bei der Entwicklung und Erziehung des Kindes und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch entsprechende Betreuungsangebote. War bislang nur der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren gesetzlich verankert, der sogenannte Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, so kommt ab dem Jahr 2013 ein weiterer Rechtsanspruch hinzu. Dann soll nämlich auch für Kinder zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr ein Betreuungsplatz zur Verfügung gestellt werden. Landesweit geht man davon aus, dass rd. 34 % aller Kinder zwischen 1 und 3 Jahre einen solchen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Die örtliche Schaffung dieser Krippenplätze soll jedoch bedarfsgerecht durch die Gemeinden erfolgen.

Unter dem Eindruck der demographischen Entwicklung und der zurückgehenden Geburtenzahlen, auch in Haßmersheim, stehen bereits seit einem längeren Zeitraum mehr Kindergartenplätze für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren zur Verfügung, als tatsächlich Kinder vorhanden sind. Darüber hinaus hat sich im ev. Kindergarten in Hochhausen die Kleinkindbetreuung der Kinder zwischen 1 und 3 Jahren bewährt. Aufgrund dieser Fakten und der absehbaren Entwicklung bei den Geburtenzahlen sieht sich die Gemeinde Haßmersheim verpflichtet, so Bürgermeister Marcus Dietrich, den künftigen Platzbedarf so exakt wie möglich zu berechnen und einen evtl. Handlungsbedarf möglichst frühzeitig zu erkennen. Vor diesem Hintergrund hat die Gemeinde im letzten Jahr den Gemeindetag mit der Erstellung einer Bestandsaufnahme zur Ermittlung des Handlungsbedarfs beauftragt. Die Ergebnisse wurden nun dem Gemeinderat präsentiert.

Iris Bohlen vom Gemeindetag erläuterte ausführlich, dass die Gemeinde Haßmersheim zwischenzeitlich ein sehr gutes Betreuungsangebot hat. So können Kinder zwischen 1 und 3 Jahren im ev. Kindergarten in Hochhausen betreut werden, für alle Kinder zwischen 3 und 6 Jahren ist ein Kindergartenplatz vorhanden, für die Kinder zwischen 6 und 10 Jahren ist im Rahmen der Grundschulbetreuung im ev. Kindergarten Haßmersheim eine ganztägige Betreuung möglich und die 5. – 10.-Klässler der Friedrich-Heuß-Schule werden im Rahmen der Ganztagsschule dort betreut. Ein solches Konzept, so Iris Bohlen, sei nur in wenigen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises vorhanden. Gleichzeitig führte sie positiv aus, dass in Haßmersheim rund 99 % der Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt in einem Kindergarten betreut werden. Dies ist mehr als im Neckar-Odenwald-Kreis bzw. im Land Baden-Württemberg. Lediglich bei der Betreuungsquote der Kinder im Alter von Geburt bis unter 3 Jahren werden derzeit in Haßmersheim im Vergleich zum Landkreisdurchschnitt mit 13,3 % nur 11 % der Kinder betreut. Insgesamt gibt es in Haßmersheim derzeit 166 Kindergartenplätze in 4 Kindergärten sowie 10 Krippenplätze für Kinder unter 3 Jahren. Insgesamt wird es jedoch aufgrund der statistischen Werte in den kommenden 10 Jahren so sein, dass sich der Bedarf an Kindergartenplätzen zwischen 137 und 148 bewegen wird. Das bedeutet, dass auch bei einer 100 %-igen Inanspruchnahme des Kindergartenangebots dauerhaft ein Überhang von rd. 20 Kindergartenplätzen bestehen wird.

Iris Bohlen verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die unterschiedlichen Kindergärten derzeit auch unterschiedliche Angebote machen. So gäbe es altersgemischte Gruppen, in denen auch Kinder unter 3 Jahren im Kindergarten aufgenommen werden. Es gibt die bereits erwähnte Kinderkrippe in Hochhausen und daneben gibt es auch noch unterschiedliche Öffnungszeiten von Regelgruppen, die vor- und nachmittags für jeweils mehrere Stunden geöffnet haben oder Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten, die durchgehend mindestens 6 Stunden am Tag oder sogar ganztägige Gruppen, die in mehr als 7 Stunden die Kinder betreuen.

Aufgrund der bereits genannten Zahlen informierte sie den Gemeinderat darüber, dass die Anzahl der Krippenplätze für Kinder unter 3 Jahren auf dem derzeitigen Stand nicht ausreichend sei. Vielmehr müsse das Angebot von derzeit 10 Plätzen in der Krippengruppe bis zum Jahr 2013 noch erhöht werden. Zunächst müsse jedoch der Gemeinderat festlegen, wie hoch die Versorgungsquote für dieses Betreuungsangebot in der Gemeinde sein soll. Den Landesdurchschnitt von 34 % hielt sie für eine Gemeinde im ländlichen Raum wie Haßmersheim deutlich überzogen. Sie empfahl eine Versorgungsquote von 20 – 25 % anzustreben. Dies würde bedeuten, dass bis zu 29 Kinder unter 3 Jahren in Haßmersheim zu betreuen wären. Im Gemeinderat entspann sich dann in diesem Zusammenhang auch eine Diskussion, ob dies eine ausreichende Zahl sei. Von Seiten des Gemeinderates wurde erwartet, dass evtl. noch mehr Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren angeboten werden müssen.

Dass die Abschätzung schwierig ist, zeigt auch eine Umfrage der Gemeinde Haßmersheim von 108 Familien mit Kindern unter 3 Jahren, die angeschrieben wurden, um den Betreuungsbedarf für Kleinkinder festzustellen. Denn lediglich 14 hatten geantwortet, davon hatten 8 erklärt, dass sie keinen Betreuungsbedarf für ihr Kind sehen und lediglich für 6 Kinder wurde von den Eltern Bedarf angemeldet. Dies zeigt, so Iris Bohlen, wie schwierig die Abschätzung eines realistischen Wertes für die Kleinkindbetreuung sei.

Aus ihrem umfangreichen Zahlenmaterial hatte sie dem Gemeinderat 3 Entscheidungsvarianten vorgestellt, wie schrittweise genügend Krippenplätze bereitgestellt werden können, zum Teil unter Inanspruchnahme der jetzigen Räumlichkeiten der Kindergärten, indem eine Kindergartengruppe zu einer Krippengruppe umgewandelt wird, zum Teil aber auch mit der Option verstärkt altersgemischte Gruppen in den Kindergärten zu betreuen, in denen dann auch Kinder ab dem 2. Lebensjahr aufgenommen werden können und auch auf die Möglichkeit der Kindertagespflege mit dem Tagesmütterverein des Neckar-Odenwald-Kreises wies sie hin. Denn bereits jetzt werden 6 Kinder von Tagesmüttern betreut.

Letztendlich warf sie natürlich auch einen Blick auf die Kosten, denn sowohl die Schaffung von neuen Räumlichkeiten für eine Krippengruppe unter 3 Jahren als auch die Umwandlung von vorhandenen Kindergartenräumlichkeiten in Krippenräumlichkeiten führen zu Kosten von rd. 200.000 – 400.000 Euro. Desgleichen entstehen dann auch jährliche Betriebsdefizite, die ebenfalls von der Gemeinde zu tragen wären.

Da es  im Rahmen dieser Sitzung zunächst einmal  um die Information an den Gemeinderat ging, wurden keine weiteren Beschlüsse herbeigeführt. Als nächster Schritt soll nun im Kindergartenkuratorium, das paritätisch mit Mitgliedern des Gemeinderats und Vertretern der Kindergärten besetzt ist, dieses Konzept besprochen werden, bevor dann weitere Entscheidungen im Gemeinderat in Ansprache mit den kirchlichen Träger der örtlichen Kindergärten getroffen werden.

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