Weniger Straftaten in Wertheim

AK Sucht und Gewalt beriet Sicherheitslage

Wertheim. (pm) Zum jährlichen Informations- und Erfahrungsaustausch kamen die Mitglieder des Arbeitskreises Sucht- und Gewaltprävention unter Vorsitz von Bürgermeister Wolfgang Stein im Rathaus zusammen. Im Mittelpunkt stand ein Bericht der Polizei zur Sicherheitslage in Wertheim. Weitere Schwerpunkte waren die Entwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe und das Lokale Aktionsprogramm Jugendschutz.

Zu Beginn stellten Burkhard Reinhart vom Polizeirevier Wertheim und Rolf Klein von der Kriminalpolizei Tauberbischofsheim in ihrem Sicherheitslagebericht die Fallzahlen für Wertheim im Jahr 2010 dar. Erfreulicherweise gab es bei den erfassten Straftaten einen Rückgang um 12,8 Prozent (das entspricht 149 Fällen). Am auffälligsten verringert haben sich die Fallzahlen im Bereich „besonders schwerer Diebstahl“ sowie die Rauschgift- und Straßenkriminalität. Sprunghaft angestiegen ist dagegen um 23,4 Prozent die Quote der Vermögens- und Fälschungsdelikte. Auffällig bei der Rauschgiftkriminalität bleibt nach Aussage der Polizeibeamten nach wie vor das Gebiet Reinhardshof/Wartberg. Als Einstiegsdroge sei vermehrt Heroin zu registrieren. Der Rückgang der Straftaten sei nicht zuletzt auf das gute Freizeitangebot in Wertheim zurückzuführen, war aus den Reihen der Gremiumsmitglieder zu hören.

Umfangreiches Daten- und Zahlenmaterial hatte auch Thomas Sauter vom Jugendamt des Landratsamtes mitgebracht. Aus dem Familienbericht des Main-Tauber-Kreises ging hervor, dass erzieherische Hilfen in Wertheim in geringerem Umfang in Anspruch genommen werden als im Kreisdurchschnitt. Sprachprobleme seien häufig, aber nicht ausschließlich der Grund für die Inanspruchnahme dieser Hilfsangebote, so die Einschätzung von Thomas Sauter. Sowohl der Jugendamtsmitarbeiter als auch Arbeitskreismitglieder lobten das gute Angebot an Sprachförderprogrammen und die Vielfalt der Beratungsstellen in Wertheim. Man wünsche sich aber eine stärkere Präsenz des Jugendamtes. Von einer Verknüpfung von Jugendamt und Sozialarbeit erhofft man sich positive Auswirkungen für die Kernstadt und den Wartberg. Bisher unterhält der Main-Tauber-Kreis – anders als in Bad Mergentheim – in Wertheim keine Außenstelle der Jugendbehörde.

Der allgemeinen Entwicklung folgend ist auch in Wertheim ein Anstieg beim Alkoholmissbrauch festzustellen. Bürgermeister Stein informierte aus der Statistik der Rotkreuzklinik Wertheim. 15 Jugendliche waren dort 2010 mit Alkoholvergiftungen eingeliefert worden, 2009 waren es nur fünf. Aber auch die Anzahl der mit dieser Diagnose aufgenommenen Erwachsenen hat sich mit 59 gegenüber 30 im Vorjahr fast verdoppelt, ergänzte Uwe Schlör-Kempf von der Stadtverwaltung. Gerhard Heine von der Suchtberatung der AGJ wies auf die Möglichkeit des „Alkoholrisikochecks“ zur Aufarbeitung der Problematik hin und wünschte sich, dass dieses Angebot künftig stärker in Anspruch genommen wird.

Das im Rahmen des „Lokalen Aktionsprogramms Jugendschutz“ eingeführte Jugendschutz-Qualitätssiegel sei bisher für lediglich fünf Jugendveranstaltungen beantragt worden. Uwe Schlör-Kempf fand dies unverständlich, denn die Kriterien für das Qualitätssiegel orientieren sich an den gesetzlichen Vorgaben.

Alles in allem könne man mit den Entwicklungen in Wertheim zufrieden sein, dieses Fazit zog Bürgermeister Stein am Ende und unterstrich nochmals die Bedeutung der Präventionsarbeit, besonders im Sucht- und Gewaltbereich. In der nächsten Sitzung des Arbeitskreises im kommenden Jahr wird man sich des Themas „Digitale Sozialnetzwerke, Cybersucht und -mobbing“ annehmen.

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