530 Landwirte bei FIONA-Schulungen

Hiesige Landwirte sehr innovationsfreudig

Rund 530 Landwirtinnen und Landwirte aus dem Kreis haben 2010 und 2011 Anwenderschulungen beim Fachdienst Landwirtschaft besucht, um das Online-Verfahren FIONA anwenden zu können. Das spart viel Zeit und Aufwand bei der Antragstellung des „Gemeinsamen Antrags“. Die Schulungen waren erfolgreich: Fast 44 Prozent der Antragsberechtigten nutzen mittlerweile den Computer und machen damit sich und den Sachbearbeitern das Leben leichter. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Trotz gegenteiliger Bemühungen steigt der bürokratische Aufwand in vielen Berufsgruppen. Auch deutsche Landwirte verbringen mittlerweile mehr Zeit am Schreibtisch, als manchem lieb ist. Ausgleichsleistungen müssen beantragt werden. Die kommen aus unterschiedlichen Töpfen, die verschiedene marktpolitische oder dem Naturschutz dienende Ziele verfolgen und mit entsprechenden Auflagen und Verpflichtungen verknüpft sind. Die unterschiedlichen Förderprogramme sind im Wesentlichen gesammelt im „Gemeinsamen Antrag“, einem umfangreichen Formularpaket, das seit einigen Jahren mit dem Verfahren FIONA auch via Computer bearbeitet werden kann. Mit erheblicher Aufwands- und Zeitersparnis für den Landwirt – und für die Sachbearbeiter in den Verwaltungen.

Im letzten Jahr haben sich die Mitarbeiter des Fachdienstes Landwirtschaft des Landratsamtes mächtig ins Zeug gelegt, um als Teilnehmer des landesweiten FIONA-Pilotprojektes mit möglichst vielen online abgegebenen Anträgen punkten zu können. Über 24 Anwenderschulungen waren damals von Volker Noe, Peter Müller und Gerhard Bundschuh organisiert und durchgeführt worden. 328 Landwirtinnen und Landwirte haben daran teilgenommen, um FIONA effektiv nutzen zu können. Mit schließlich 35,2 Prozent mittels FIONA abgegebenen Anträgen – das waren 400 Anträge bei einem Gesamtvolumen im Neckar-Odenwald-Kreis von 1141 Anträgen – waren die hiesigen Landwirte 2010 auf Anhieb die innovationsfreudigsten in ganz Baden-Württemberg und trugen mit dazu bei, dass der Regierungsbezirk Karlsruhe im Vergleich zu den anderen Regierungsbezirken mit Abstand am besten abgeschnitten hat.

Für 2011 wird nun gemeldet, dass 43,8 Prozent der Antragsberechtigten im Kreis FIONA genutzt haben. 15 Schulungen wurden von nochmals 200 Antragstellern besucht. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, welchen Platz man damit heuer im „Ranking“ Baden-Württemberg einnimmt, sind die Verantwortlichen vom Landratsamt absolut zufrieden. „Es geht uns letztlich nicht um den ersten oder um den zweiten Platz, sondern darum, dass möglichst viele Landwirte bei uns die Vorteile von FIONA erkennen und für sich nutzen“, so Gerhard Bundschuh.

Tatsächlich sind zumindest die Betreiber größerer Betriebe durchaus mit Computerarbeit vertraut. „Ohne geht das schon lange nicht mehr, manchmal verbringe ich mehr Zeit hinter dem Computer als im Viehstall“, erklärte einer der Teilnehmer im letzten Jahr. Diese Notwendigkeit bringt immer wieder auch ältere Landwirte dazu, den Alterschnitt der überwiegend jüngeren Schulungsteilnehmer ein wenig zu „drücken“ und die Technik zu erlernen. Wie Theo Schadt, früherer Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und selbst Schulungsteilnehmer: „Mittlerweile macht das richtig Spaß. Man darf halt nichts auf die Vorurteile geben und muss sich einfach dran wagen.“

Ausgebremst wurden viele Landwirte in kleinen Dörfern oder auf Aussiedlerhöfen bis dato von schlechten Internetverbindungen, die das Arbeiten am Computer sehr langwierig bis unmöglich machten. Abhilfe soll es hier in Kürze geben: Bis Mitte Oktober werden weitere 65 Ortschaften ans „schnelle Internet“ angeschlossen sein werden. Für dann immer noch unterversorgte einzelne Höfe wird an ergänzenden Lösungen gearbeitet.+

Über FIONA

Der „Gemeinsame Antrag“ ist ein umfangreiches Formularpaket, das verschiedene Förderverfahren zusammenfasst und mit dem jeder Landwirt in Deutschland einmal jährlich seine Ausgleichsleistungen anmeldet. Die Beratung, die Annahme der Anträge und die entsprechende Abarbeitung bedeuten sowohl für die Landwirte als auch für die Mitarbeiter der Landwirtschaftsverwaltung immer wieder eine besondere Herausforderung. Speziell bei der Flurstücksbearbeitung müssen regelmäßig viele, viele Fehler im Nachgang manuell berichtigt werden. FIONA steht für Flächeninformation und Online-Antrag und soll hier eine Vereinfachung bringen. Über das Internet können sich die Landwirte im System anmelden und direkt auf ihr Flurstücksverzeichnis zugreifen. Die flurstücksbezogenen Daten für den Gemeinsamen Antrag können dort eingetragen werden, gleichgelagerte Flurstücke werden zu Sammelbuchungen zusammengefasst. Alle Flurstücke lassen sich auch als Luftbild abrufen. Am Bildschirm können Entfernungen oder Teilflächen ermittelt sowie erforderliche Skizzen erstellt und ausgedruckt werden. Verschiedene Auswertungsmöglichkeiten erleichtern dem landwirtschaftlichen Unternehmer die Antragstellung und ein Prüfsystem macht vorab auf Fehler aufmerksam, die ansonsten erst nach der Antragstellung erkannt würden. Dadurch kann unter Umständen eine Prämienkürzung, in jedem Fall aber zusätzliche Arbeit für alle Beteiligten vermieden werden. Nähere Auskünfte gibt Gerhard Bundschuh vom Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamtes unter Telefon 06281-52121629

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