Dem Königstiger auf der Spur

Mit einem Bericht über einen Indienbesuch setzen wir heute die im Januar begonnene Serie mit Reiseberichten unserer Leserin Sabine Thöne fort. Gemeinsam mit ihrer Tochter Vera war sie dem Königstiger auf der Spur. (Foto: Sabine Thöne)

„Denken ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erleben“ Oscar Wilde

…. also nicht an Fernweh denken, sondern handeln, einen Flug buchen und dahin fliegen, wohin einem das Fernweh treibt. In diesem Falle war es wiedermal „Incredible India“ dem Tiger auf der Spur ……

Flug Frankfurt – New Delhi, im Anschluss ein Abstecher in die für Hindus heilige Stadt Rishikesh, wo der Ganges aus dem Himalaya heraus in die Ebene fließt , hier kann man richtig entspannen , spirituelle Bedürfnisse befriedigen , die abendliche , feierliche Puja am Gangesufer genießen, die seit tausenden von Jahren zu Ehren der Mutter Ganga zelebriert wird.

Tiefenentspannt ging es nach einigen Tagen weiter mit der Indischen Eisenbahn – ein Erlebnis für sich – nach Agra im Bundesstaat Uttar Pradesh, wo jeder Indientourist das berühmte Taj Mahal besucht , danach weiter in den nordindischen Bundesstaat Rajasthan, die ursprünglichste und farbenprächtigste Region ganz Indiens , die Heimat der Maharadschas, die diesen Teil Indiens über 1000 Jahre lang beherrscht hat.

Unser Ziel dort war unter anderem das Naturschutzgebiet Ranthambore, eines der erfolgreichsten Naturschutzprojekte in Indien . Vor der Unabhängigkeit war es Privat-Jagdgebiet der Maharadschas von Jaipur, später wurde es unter den Schutz des sogenannten ,,Tiger Projekts“ gestellt.

Dieser Nationalpark gehört zu den malerischsten Wildreservaten der Welt. Die Landschaft ist auch ohne Tiere sehr sehenswert – hügelig, grün und ab und zu kleine Seen oder Flüsse, dazwischen verfallene Tempelruinen , verwitterte Torbögen, Kuppeln und Stufen, die umgeben vom Dschungel eine ganz besondere Atmosphäre kreieren. Man fühlt sich stellenweise wie in Rudyard Kiplings Dschungelbuch versetzt. Im 1334 km² großen Ranthambore Nationalpark leben die letzten freilaufenden Tiger Indiens.

Fotos zum Bericht: [nggallery id=110] (Fotos: Sabine Thöne)

Auch wenn das Gebiet riesig groß ist, hat man eine reelle Chance die Großkatzen zu sehen. Ein bisschen Glück gehört natürlich immer dazu. Der bengalische Tiger wird wegen seiner Größe von bis zu 3 Metern und seiner Erscheinung auch als Königstiger bezeichnet. Neben den Tigern sieht man viele andere Tiere von Affen bis Pfauen, Bären, Panther, Hirsche, hunderte Vogelarten und sogar Krokodile.

Der Park ist in vier Zonen eingeteilt, pro Einfahrt darf man nur eine Zone betreten. Der Zugang zum Park ist nur mit Jeeps, Fahrer und Guide erlaubt, eine schriftliche Genehmigung mit Vorlage einer Reisepasskopie ist vorher einzuholen.

Es gibt zwei Startzeitpunkte: morgens um 07.00 Uhr und nachmittags um 15.00 Uhr. Die Touren dauern um die 3 Stunden. Abhängig davon, ob man einen guten oder schlechten Führer erwischt, bekommt man auch das Highlight des Nationalparks – den bengalischen Tiger, zu sehen.

Und wir hatten Glück, auf einen sehr erfahrenen Ranger zu treffen, der sich als Fährtenleser und beim Interpretieren der vielen verschiedenen Tierstimmen bewährte. Zudem waren wir kurz vor Beginn der Monsunzeit vor Ort , d.h. 45°C – unerträgliche Hitze, Trockenheit, die Tiere müssen an die letzten verbliebenen Wasserlöcher kommen, um ihren Durst zu stillen.

Nach halbstündiger Fahrt im Nationalpark — ein ausgewachsenes großes Tier —- einer der letzten freilebenden Tiger sonnte sich ganz entspannt im Schutz einer schräg abfallenden Felsplatte , 10 m vom Jeep entfernt, kam dann in unsere Richtung, um an einem Wasserloch seinen Durst zu stillen. Danach trottete er gemächlich zurück und zerrte unter einem Felsversteck seine wohl kurz zuvor erlegte Beute, einen Sambar – eine asiatisch Hirschart – hervor, um diesen vor unseren Augen aufzubrechen und zu verspeisen.
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(Foto: Sabine Thöne)

Vom offenen Jeep aus – aussteigen aus gegebenem Anlass nicht empfehlenswert – konnten wir zwei Stunden lang dieses einmalige Naturschauspiel genießen, was wohl nicht vielen Menschen vergönnt ist. Dies lässt sich nicht in Worte fassen, wir waren derart fasziniert, verharrten regungslos und ohne Worte, die sengende Hitze und der Durst waren vergessen, der Finger permanent am Auslöser der Kamera.

Auch am nächsten Morgen hatten wir nochmals ein kurzes aber heftiges „Tigererlebnis“. Unmittelbare Nähe Jeep – Tiger – ein Sprung und er wäre im Jeep gelandet. Er zog es jedoch vor, sich im niedrigen Buschwerk zu verdrücken um zu jagen, die aufgeregten, warnenden Tierstimmen des Dschungel waren nicht zu überhören.

Zurück im Hotel feierten wir unsere erfolgreiche Safari mit einem wohlverdienten Kingfisher-Bier. Andere Hotelgäste mit weniger Glück beim Tiger-Watching betrachteten voller Neid und mit Staunen unsere spektakulären Fotos.

Nach drei Tagen Safari ging es für uns weiter nach Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, wo wir einen Elefantenritt zum Fort Amber geplant hatten.

Im Anschluss flogen wir über Mumbai nach Cochin im Bundesstaat Kerala in Südindien , wo weitere Abenteuer auf uns warten sollten. Aber das ist eine andere Geschichte und wird beim nächsten Mal erzählt.

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