Zum Jubiläum in die Hauptstadt

Persönlicher Empfang bei Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses

Neckar-Odenwald-Kreis. (rt) auch im 40. Jahr seines Bestehens hatte der SPD-Ortsverein Binau wie alljährlich seit 1976 zu einer politisch-historischen Exkursion nach Berlin eingeladen. Gerd Teßmer, seit 1971 SPD-Ortsvereinsvorsitzender, hatte schon seit Längerem ein Programm vorbereitet, das die drei politischen Ebenen Stadt Berlin, Landtag von Berlin und Deutscher Bundestag zum Thema hat. Darüber hinaus werden natürlich die Sehenswürdigkeiten von Berlin angefahren und erläutert und immer ein besonderer Schwerpunkt eingearbeitet. In diesem Jahr war dies die bekannte Berliner Charité, die gerade erst ihre 300. Gründungsjubiläum begehen konnte.

Schon am ersten Tag zeigten sich Gerd Teßmer und Kenneth Weidlich als fundierte Berlin-Kenner und mit einem längeren Spaziergang wurden der aus Binau und dem gesamten Kreisgebiet kommenden Teilnehmer in die Besonderheiten im Bezirk Mitte, also vom Tacheles zum Berliner Dom und weiter Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor bis zum Potsdamer Platz.

Am Folgetag stand das politische Berlin im Vordergrund. In enger Zusammenarbeit mit dem Berliner Büro des SPD-Betreuungsabgeordneten des Neckar-Odenwald-Kreises MdB Lothar Binding besichtigte die SPD-Gruppe das Reichstagsgebäude und durfte dabei auch noch die gesamte Fraktionsebene mit den Sitzungsräumen der SPD-Bundestagsfraktion inspizieren. Gerd Teßmer und die Berliner Büroleiterin von Lothar Binding, Susanne Weber, führten in den Alltag eines Bundestagsabgeordneten ein und vielen wurde erst jetzt klar, was das ständige Pendeln zwischen Berlin und dem Wahlkreis, zwischen Bürgernähe vor Ort und aktive Mitarbeit in der SPD-Bundestagsfraktion und in den Bundestagsausschüssen an Zeitaufwand, Konzentration und Büroarbeit von den Abgeordneten verlangt. Die SPD-Reisegruppe aus Odenwald und Bauland dankten der Mitarbeiterin von MdB Lothar Binding und nahmen die Gelegenheit wahr; Berlin aus der Reichstagskuppel ‚von oben’ anzusehen.

Nach einem Abstecher zum Gendarmenmarkt, wo 1848 im Rahmen der Revolution für ein geeintes und demokratisches Deutschland an die 200 freiheitsliebende Bürger ihr Leben ließen (die „Märzgefallenen“), stand das Abgeordnetenhaus von Berlin auf dem Besuchsprogramm. Mit einer Einführung am Denkmal von Freiherr von Stein vor dem Landtag über die im damaligen Preußen zuerst von Freiherr von Stein eingeführten demokratische Gemeindeordnung wurde man im früheren Preußischen Landtag, dem heutigen Sitz des Berliner Landtags von der Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses Karin Seidel-Kalmutzki persönlich empfangen. Ein Film führte in die bewegte Geschichte dieses Gebäudes ein, das – direkt an der Sektorengrenze gelegen – bis 1990 der Stasi zum Abhören von Westberlin diente, und erst seit 1992 den Abgeordneten im wieder geeinten Berlin den Umzug aus dem Schöneberger Rathaus ins heutige Abgeordnetenhaus ermöglichte.

Die Vizepräsidentin Karin Seidel-Kalmutzki berichtete dann von den derzeitigen Arbeitsschwerpunkten des Landes Berlin, die allerdings leider alle unter Finanzierungsvorbehalt stünden. Da nach der wieder gewonnenen Berliner Einheit keine Steuervergünstigungen mehr vom Bund gezahlt werden, musste Berlin sich nach dem Rückzug der subventionierten Schwerindustrie neue Einnahmemöglichkeiten erschließen. Die Vizepräsidentin wusste vom in ganz Deutschland beliebten Studienort Berlin und vom Tourismus als bedeutendster Einnahmequelle zu berichten. In der Diskussion wurde auch deutlich, dass man heute über 20 Jahre nach dem Fall der Mauer sich der schwierigen Aufgabe bewusst ist, die Zeit nach dem Zusammenbruch und während der Teilung exemplarisch aufzuarbeiten, darzustellen und der eigenen Jugend und den Besuchern aus aller Welt zu dokumentieren. Das demokratische Deutschland und das demokratische Berlin seien sich bewusst, dass auch durch eine historisch korrekte Aufarbeitung der totalitären Zeit rechtsextremistischen Randgruppen Paroli geboten werden könne.
Beim Abschied in der großen, 1996 fertiggestellten Treppenhalle des Abgeordnetenhauses lud Karin Seidel-Kalmutzki die Besucher aus dem Neckar-Odenwald-Kreis erneut ein und bot an, der Besuchergruppe des SPD-Ortsvereins Binau im kommenden Jahr persönlich ihren Bezirk Hohenschönhausen zu zeigen. „Denn Höhenschönhausen war und ist mehr als nur das Stasi-Untersuchungsgefängnis der DDR“.

Wie städtisch und ländlich zugleich Berlin sein kann, zeigte sich beim Besuch des Bezirks Neukölln. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, war in Begleitung vom Präsidenten der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung Jürgen Koglin, dem Bezirksstadtrat für das Bauwesen Thomas Blesing, des Fraktionsvorsitzenden Lars Oeverdieck und der Bezirks-Verordneten Eva-Marie Schoenthal gekommen, um die Probleme, Stärken und Zukunftsziele des Bezirks Neukölln vorzustellen. Schnell wurde deutlich, dass Neukölln schon frühzeitig unter Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky die Integration der vielen Mitbürger mit Migrationshintergrund zur Chefsache gemacht hat und dadurch in ganz Berlin und darüber hinaus als ‚Vorzeigemodell’ für mögliche Wege zur gezielten und bewussten Eingliederung neuer Bürger aus anderen Kulturkreisen geworden ist. Doch auch die Angebote von Ganztages-Einrichtungen ab dem frühen Kindesalter wurden modellhaft eingeführt und weiter entwickelt. Baustadtrat Thomas Blesing stellte die Projekte zur Bewältigung des immer weiter steigenden Verkehrsaufkommens und der langsam auch in Neukölln knapp werdenden Mietwohnung für Familien mit geringeren Einkommen vor. Grünprojekte, ein neu eröffnetes Heimatmuseum mit speziell entwickelter Museumspädadogik und schließlich das stadteigene Schloss Britz, in dem gerade eine Sissi-Ausstellung zu sehen war, rundeten den Besuch im Bezirk Neukölln ab. Auch hier soll im nächsten Jahr wieder ein Berlin-Tag mit historischen Schwerpunkten wie der Entwicklung der Turnerbewegung durch Turnvater Jahn und alten Gewerben eingeplant werden, nach dem Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und die Bezirksverordneten der SPD dazu für 2012 einluden.

Ein Berlin ganz anderer Art gab es am Folgetag dann beim Besuch des Medizinhistorischen Museums der Charité. Dieses 1710 noch außerhalb der Stadtmauern errichtete ‚Lazareth’ diente zunächst als „Armen- und Arbeitshaus für Arme, Bettler, unehelich Schwangere und Prostituierte, sowie als Garnisonslazarett. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. ordnete in einer Kabinettsorder an: „Es soll das Haus die Charité heißen“. An der Charité wirken so berühmte Ärzte wie Rudolf Virchow, Robert Koch, Emil Adolf von Behring und Ferdinand Sauerbruch und acht spätere Nobel-Preisträger begannen ihren wissenschaftlichen weg an der Charité. Mit einer ausführlichen Führung erfuhren die SPD-Besucher über Heilmethoden, Geräte-Entwicklungen, aber auch über die Charité während der Zeit des 3. Reiches und der DDR: heute gehört die Charité als Medizinische Fakultät zu den Berliner Universitäten. Zahlreiche Sonderforschungsbereiche haben bewirkt, dass heute ein Drittel aller Patente Berlins aus der Charité kommen. Der Leitspruch der Charité lautet: „Forschen, Lehren, Heilen, Helfen“ Nach dem Halbtagesbesuch wird einem schnell deutlich, wie hart sich die Charité diesen guten Ruf hat erarbeiten müssen.

Den Abschluss der Berlin-Exkursion bildete dann noch zwischen Kranzler-Eck am Kurfürstendamm und Brandenburger Tor das Miterlebnis des Festumzuges von über 700.000 feiernden Menschen beim diesjährigen Christopher Street Day, bei dem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit am Brandenburger Tor die Festrede hielt.

Auch für eigene Erkundungen, Museums- und Theaterbesuche blieb Zeit, so dass die diesjährige SPD-Reisegruppe bestätigen konnte, dass Berlin ohnehin eine Reise wert ist, aber auf Grund guter Vorbereitung und Organisation als ein besonderes Erlebnis noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Mit über 50 Teilnehmern aus dem gesamten Neckar-Odenwald-Kreis besuchte unter Leitung von Gerd Teßmer der SPD-Ortsverein Binau die Bundeshauptstadt. Besuch des Bundestag und des Berliner Abgeordnetenhaus waren Höhepunkte im politischen Teil der reise. Im Landtag von Berlin wurde die SPD-Gruppe persönlich von Vizepräsidentin Karin Seidel-Kalmutzki empfangen und informiert.
Das Foto zeigt die SPD-Gruppe mit der Vizepräsidentin in der Empfangshalle des Berliner Abgeordnetenhauses. (Foto: rt)

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