„Verpflanzter Baum“ wird 90

von Liane Merkle

Irmgard Sandel Feiert heute in Waldauerbach ihren 90. Geburtstag.

Waldauerbach. Von wegen „einen alten Baum verpflanzt man nicht“ – diese alte Weisheit trifft auf Irmgard Sandel in keiner Weise zu. Denn sie fühlt sich in ihrer neuen Heimat bei Tochter Elisabeth im Waldauerbacher „Haus der Stille“ pudelwohl. „Ich kann helfen, wenn ich etwas tun will und ich kann meine Türe zu machen, wenn ich Ruhe brauche“, so die absolut gesunde Einstellung der Jubilarin, die am heutigen Freitag im Kreise ihrer Lieben, darunter neben allen Kindern und Enkeln auch drei Urenkel, ihren 90. Geburtstag feiert.

Geboren wurde Irmgard Sandel am 8. Juli 1921 in Schwäbisch Gmünd als dritte von vier Töchtern des höheren Postbeamten Stahl. Hier verbrachte sie eine stabile Kindheit und Jugend und engagierte sich begeistert in der katholischen Jugendbewegung mit dem großen Reformer Romano Guardini. Das sollte sich rapide ändern. Denn mit Kriegbeginn wurde ihr Vater wegen „Judenfreundlichkeit“ strafversetzt nach Heilbronn, seine Karriere war vorerst beendet und Angst wurde ein ständiger Begleiter der Familie bis zum Ende des Krieges, als ihm doch noch Gerechtigkeit widerfuhr. Für ihr persönliches Glück schien Heilbronn ideal, denn hier lernte sie ihren zukünftigen Mann, den Volkswirt Rudolf Sandel, kennen. Das Paar heiratete 1947 und schenkte vier Kindern das Leben. Nach dem leider frühen Tod des Ehemannes, der als Prokurist bei der Brauerei Cluss tätig war, musste sie sich mit ihren Kindern alleine durchschlagen. Was die fleissige Jubilarin auch mit Bravour meisterte. Vor ihrer Heirat hatte sie eine Ausbildung zur Lehrerin begonnen, die sie zu der großen Aufgabe der Kindererziehung beendete. Sie belegte einen Fernkurs in Theologie, dessen Abschluss sie berechtigte, Religionsunterricht zu erteilen und Vorträge in der katholischen Erwachsenenbildung zu halten. Bis zu ihrem 88. Lebensjahr blieb sie selbständig in ihrer Heilbronner Wohnung. Nach einem Sturz mit Kreuzbeinbruch, nach verschiedenen Krankenhaus- und Pflegeheimaufenthalten war die beste Lösung, den letzten Abschnitt des Lebens bei Tochter Elisabeth in Schloßau-Waldauerbach zu verbringen. Mit wachem Verstand und reifem Bewusstsein über den nahen Tod, aber auch mit großer Freude und Dankbarkeit an den täglichen Dingen hat sie sich in kurzer Zeit erstaunlich gut in den Rahmen des Seminarhauses eingewöhnt. Die Teilhabe am älter und schwächer werden, helfen und sich helfen lassen, die Lebensgemeinschaft der Generationen sind auch Themen für die Gäste, Schüler und Kursteilnehmer.

Ihre Freude an der Natur, ihr Interesse für Menschen, das Dorfgeschehen und die ausführliche Lektüre der Tageszeitung zeigen ihre Anteilnahme am Leben. Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum heutigen Ehrentag schließt sich NOKZEIT gerne an.

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