Saison für Wespen und Hornissen

Ein Hornissennest in der Gartenhütte – wie auf dem Bild – sorgt oft erstmals für einen großen Schreck. Tatsächlich ist es aber bei Beachtung von einigen Regeln gar nicht schwer, im friedlichen Miteinander einige Wochen gemeinsam zu überstehen. Denn das Wespen- und Hornissenleben ist kurz und die Tiere sollten grundsätzlich geschont werden. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Immer noch existiert der Irrglaube, nach dem drei Stiche einer Hornisse einen Menschen töten und sieben Stiche ein Pferd umbringen können. Diese Behauptung ist falsch; der Stich ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene oder Wespe. Gesunde Menschen, auch Kinder, sind weder durch Hornissen-, noch durch Wespen- oder Bienenstiche lebensbedrohlich gefährdet. Nur bei allergischen Reaktionen muss unverzüglich notärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Doch dieser Irrglaube und die allgemeine Abneigung gegen Wespen führen dazu, dass immer wieder Nester ohne Not zerstört werden. Obwohl alle heimischen Tiere einen allgemeinen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz genießen. Danach dürfen geschützte Tiere nicht ohne Weiteres gefangen oder getötet werden. Zumindest die Hornisse ist besonders geschützt. Es ist verboten, ihr nachzustellen, sie zu fangen oder zu töten. Auch die Wohnstätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Nur in Härtefällen kann das Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis, untere Naturschutzbehörde, eine Ausnahme oder Befreiung von den Verbotsbestimmungen erteilen.

Tatsächlich lässt sich mit ein wenig Umsicht die kurze Zeit mit den Tieren überbrücken. Denn ein Wespenleben ist kurz. Wespen– und Hornissenvölker haben nur einen Sommer lang Bestand. Nachdem Anfang Mai eine in Starre überwinternde, begattete Königin einen geeigneten Nistplatz gefunden hat, entwickelt sich das Volk innerhalb der folgenden Wochen bis zum Maximum im August bis September. Erst dann, kurz bevor es im Herbst ohnehin abstirbt, wird es oft bemerkt. Nur begattete Jungköniginnen überwintern an einem geschützten Ort und suchen sich im folgenden Jahr einen neuen Nistplatz. Das alte Nest wird im folgenden Jahr nicht wieder verwendet!

Vor einer Vernichtung oder Umsiedlung der Nester sind also unbedingt andere Möglichkeiten zu überdenken: Fliegendraht vor den Fenstern verhindert das Einfliegen, eine Stellwand kann die Ein– und Ausflugschneise günstig verändern. Ein Abstand von zwei bis drei Metern zu den Nestern sollte respektiert werden. Wer nicht barfuss durch Fallobst läuft, schnelle, schlagende Bewegungen vermeidet, Speisen abdeckt und Getränke im Freien nur mit Strohhalm trinkt, sollte im friedlichen Miteinander klar kommen. Wer dennoch gestochen wurde, saugt nach Möglichkeit das Gift aus und kühlt als Nicht-Allergiker die Stichstelle lediglich mit Eis oder nutzt Insektenstichsalbe. In sehr vielen Fällen kann der Naturfreund – und das sollten alle sein – die Problemsituation also entschärfen.

Nur wenn tatsächlich alle Möglichkeiten aus bestimmten Gründen nicht greifen, kann eine Beseitigung notwendig werden. Dann steht der Gang zum Schädlingsbekämpfer an.
Bei Wildbienen oder Hummeln verhält sich die Sachlage anders. Beide Arten, die ebenfalls manchmal als Bedrohung empfunden werden, sind gesetzlich geschützt und zeichnen sich durch Harmlosigkeit und Friedlichkeit dem Menschen gegenüber aus. Für sie gilt in noch uneingeschränkterem Maße, dass sie unbedingt zu schonen sind.

Wer Fragen hat, kann sich an die Naturschutzfachkraft des Landratsamtes wenden: Peter Bussemer, Telefon 06261/84-1734, Fax: 06261/84-4722, E-Mail: peter.bussemer@neckar-odenwald-kreis.de

Hintergrund:
In der hiesigen Region findet man neun, teils schwer zu unterscheidende Arten von Wespen und Hornissen, die allesamt Staaten bilden und die die typische schwarzgelbe Zeichnung tragen.

Nur drei der Wespenarten können aufgrund ihrer Lebensweise und möglichen Volksstärke dem Menschen lästig werden: Die Deutsche Wespe, die Gemeine Wespe und die Hornisse, die aufgrund ihrer Größe und der rotbraunen Färbung von Kopf und Brust sofort zu erkennen ist. Letztere vor allem deshalb, weil sie in der Dämmerung aktiv ist und, angelockt durch Licht, in die Wohnungen fliegt. Aufgrund ihrer Größe flößt sie vielen Menschen Angst ein. Eigentlich zu unrecht: Hornissen sind nicht angriffslustig, sie weichen dem Menschen eher aus und umfliegen ihn nicht in der Art, wie es die Deutsche und Gemeine Wespe auf der Suche nach Nahrung manchmal tun. Deutsche und Gemeine Wespen sowie die Hornisse legen ihre Nester in dunklen Hohlräumen an – manchmal sind es Rollladenkästen, unter Dachziegeln, auf dem Dachboden oder in Gartenhäuschen. Die Lage des Nestes gibt im Übrigen Aufschluss darüber, um welche Wespenart es sich handelt. Alle frei nistenden Arten werden nicht lästig (Nester z.B. unter Dachvorsprüngen), schon weil die Zahl der Insekten in den Völkern klein bleibt. Sie sollten unbedingt geschont werden! Unter anderem deshalb, weil Wespen Insektenjäger sind. Nur die ausgewachsenen Fluginsekten benötigen kohlehydratreiche Nahrung, weshalb sie auch von süßen Speisen oder Getränken angelockt werden. Die Larven dagegen werden ausschließlich mit erbeuteten, proteinreichen Insekten versorgt. Ein großes Wespenvolk verfüttert täglich im Vergleich so viele Insekten an seine Larven, wie eine Meisenfamilie benötigt. Ihnen kommt damit eine wichtige ökologische Funktion zu!

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