Schwarzach verleiht ersten Inklusionspreis

Dr. Alexander Vater – Als Wanderer zwischen den Welten unterwegs

Bürgermeister Theo Haaf (re.) übergibt den ersten Inklusionspreis der Gemeinde Schwarzach an Dr. Alexander Vater. (Foto: Annette Peters)

Schwarzach. (ap) „Für alle“ – den immergrünen Schlager von Hanne Haller gaben Nicole Reimann und Hans-Jürgen Knörzer, begleitet von Bernadette Karl, zum Auftakt der Verleihung des ersten Inklusionspreises der Gemeinde Schwarzach zum Besten. Besser konnte man in das Thema nicht einstimmen. „Für alle“ sollen Inklusion und Teilhabe ein besseres Leben ermöglichen. Mit Dr. Alexander Vater fiel die Wahl des ersten Preisträgers auf jemanden, der sich dieser Aufgabe ein ganzes Berufsleben lang gewidmet hat.

Es war Bürgermeister Theo Haaf ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass Inklusion und Teilhabe in der Gemeinde Schwarzach nicht erst seit der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) eine Rolle spielen. Sei es das Theaterensemble Birkenhof, in dem schon seit Jahren ganz selbstverständlich Bewohner des Schwarzacher Hofes mitwirken. Sei es das ebenso selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in Vereinen und bei Festen verschiedenster Art. Oder seien es die circa 60 öffentlichen und privaten Maßnahmen, die zur mittlerweile dritten Auszeichnung Schwarzachs als barrierefreie Gemeinde geführt haben.

Wohl aber wurde auch in Schwarzach das Thema Inklusion durch die UN-Konvention zusätzlich befeuert. Und so arbeitet die Gemeinde gerade an ihrem eigenen kommunalen Aktionsplan. Teil dieses Aktionsplanes ist die Weiterentwicklung des Schwarzacher Hofes zu einem inkludierten Quartier. Hier wirken die Gemeinde und die Johannes-Diakonie Mosbach eng zusammen. Und Teil des Aktionspreises ist ebenso der Inklusionspreis, den die Gemeinde nun erstmals vergab.

Haaf machte kein Geheimnis daraus, dass die Bemühungen um Inklusion auch mit Risiken für die Gemeinde behaftet seien – vor allem dann, wenn Inklusion darauf abziele, Komplexeinrichtungen wie den Schwarzacher Hof zu zerschlagen. Jeder Bewohner, der von Schwarzach wegziehe, bedeute weniger Einnahmen fürs Gemeindesäckel, was sich ohne finanziellen Ausgleich letztlich auf die Infrastruktur auswirken werde.

Dass sich die Gemeinde trotz aller Risiken vorbildhaft für Inklusion und Teilhabe einsetze, darüber zeigte sich Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, tief beeindruckt. „Wer Teilhabe verhindert, verletzt Menschenrechte“, machte er in seinem Vortrag unmissverständlich klar, dass es zur Inklusion keine Alternative gibt.

Mit dem Inklusionspreis – symbolkräftig gestaltet von der Mosbacher Künstlerin Ulrike Thiele – sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die sich in besonderer Weise um Gemeinwesenorientierung verdient gemacht haben. Dr. Alexander Vater habe mehrere Projekte realisiert bzw. nachhaltig unterstützt, die den Gedanken der Inklusion besonders fördern, würdigte Bürgermeister Haaf den langjährigen Leiter des Schwarzacher Hofes und späteren Geschäftsbereichsleiter, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurde. Er zählte dazu Farmprojekt, Sinnesgarten und Kunst-Werk-Haus sowie viele weitere Maßnahmen, die sowohl den Schwarzacher-Hof-Bewohnern als auch den Einwohnern der Gemeinde zugute kämen.

„Wer, wenn nicht Sie, sollte diesen Preis erhalten?“, fragte Bundestagesabgeordneter Alois Gerig rhetorisch. Mit Dr. Alexander Vater trage Inklusion nun „einen exklusiven Namen“. Der Geehrte habe der Inklusion ein Gesicht gegeben, stellte Landtagsabgeordneter Georg Nelius fest und anerkannte, dass er für die Bewohner des Schwarzacher Hofes viele Steine aus dem Weg geräumt habe.

Als „Glücksfall“ für die Johannes-Diakonie bezeichnete Vorstandsvorsitzender Dr. Hanns-Lothar Förschler den Juristen und als „Wanderer zwischen den Welten“, weil er als immer noch aktiver Funktionär beim Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe fernab von Ideologie stets auf der Suche nach pragmatischen Lösungen sei – und die Johannes-Diakonie zudem mit Informationen „frisch vom Fass“ beliefere.

Der Geehrte gab sich bescheiden. „Oft genug bin ich an den äußeren Bedingungen gescheitert“, erinnerte er an Zeiten, als Pläne zur Errichtung einer Außenwohngruppe aus Kostengründen vom damaligen Landeswohlfahrtsverband unterbunden wurden. Das war Ende der 1980er Jahre. Heute laufe man Gefahr, Inklusion als Einbahnstraße aus den Sondereinrichtungen in das Gemeinwesen falsch zu verstehen. Was spreche dagegen, es auch anders herum zu versuchen? Gehwege abzusenken und Rampen für Rollstuhlfahrer zur installieren sei einfacher als Barrieren in den Köpfen abzubauen. Hierfür wolle er auf örtlicher Ebene seinen Beitrag leisten.

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