Historisches Wunder an der Winterhauch-Schule

Letztmals Hauptschüler verabschiedet

Waldbrunn. Einem einmaligen, ja historischen Ereignis wohnten gestern die Schüler der Abschlussklasse, deren Gäste, darunter Bürgermeister Klaus Schölch und das Lehrerkollegium der Winterhauch-Schule mit Rektor Karl Völker an der Spitze bei.
Historisch deshalb, weil es nach der Bildungsreform, der alten Regierung, künftig keine Hauptschulen, sondern Werkrealschulen gibt, weshalb die gestern in Waldbrunn verabschiedeten Schüler die letzten Hauptschulabschlussschüler waren.

Während historisch etwas Einmaliges passierte, wohnten die Gäste pädagogisch sogar einem Wunder bei, folgt man Rektor Karl Völker, der offen bekannte, dass er bis vor einem Jahr nicht an den Erfolg der 14 Hauptschüler geglaubt habe. Dass dieses Wunder geschah, dass alle heute vollzählig, körperlich unversehrt dasitzen, sei Klassenlehrer Bernhard Klenk zu verdanken, der die Klasse als Junglehrer in Klassenstufe 7 übernommen hatte, so der Schulleiter in seiner Ansprache weiter. Nachdem es immer wieder Rückschläge gegeben habe, sein zu Beginn des neunten Schuljahrs ein Wandel eingetreten. Beim Literaturprojekt, der Englischprüfung, die Abschlussarbeiten in Mathe und Deutsch wurden zufriedenstellend gemeistert.. Beim Abschlussprojekt bewiesen die 14 Schüler ihre praktischen Fähigkeiten, zeigten Durchhaltevermögen und Selbstständigkeit, sammelten Grenzerfahrungen und bewiesen, dass man diese Hürde als Team schaffen konnte. Viele weitere positive Auffälligkeiten waren nun zu beobachten, belegte Rektor Karl Völker die beeindruckende Bilanz des pädagogischen Wunders.

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Mit der „Ode an die Freude“ eröffneten die Neuntklässler die Abschlussfeier. (Foto: Hofherr)

Doch bevor es zur Zeugnisausgabe gekommen war, standen weitere Ansprachen auf dem Programm. So schilderte Klassenlehrer Bernhard Klenk anhand von Karikaturen seinen Alltag in der nunmehrigen Abschlussklasse. Als Schäfer ging es davon aus, nun gemütlich seine Schäfchen hüten zu dürfen. Diese zeigten ihm jedoch bald, dass es fast nur schwarze Schafe in der Klasse gab. Schwarze Schafe, deren Interesse überall lag, nur nicht im schulischen Bereich. Ein ständiges Geben und Nehmen, manchmal etwas einseitig, aber ab und an auch anders. Darüber hinaus gab es aber auch Situationen, in denen sich Klenk nicht nur als Lehrer, sondern auch als Therapeut fühlte. Einzelgespräche, aber auch Gruppentherapien wurden durchgeführt, in der Schule übernachtet, der Hochseilgarten besucht, Radtouren unternommen, gezeltet und vieles mehr, um die Klasse vorwärts zu bringen. Daher rührte auch das diesjährige Abschlussmotto: „ Rehabilitiert – Nach 9 Jahren Therapie endlich entlassen!“
Freimütig bekannte der Pädagoge, dass er sich häufiger wie ein Dompteur vorgekommen sei, weshalb sich auch Ratlosigkeit einschlich. Nachdem sich in der neunten Klasse alles zum Guten entwickelt habe, sei er heute stolz auf seine Klasse. Alle haben die Abschlussprüfung überstanden und damit einen langen Weg hinter sich gebracht. Dieses erste Ziel, die erste Weide, die man gemeinsam erreicht habe, sei aber nur Zwischenstation. Dass der lange beschwerliche Weg auf die nächste Weide gelingen möge, wünschte Bernhard Klenk seinen Neuntklässlern zum Abschluss von ganzem Herzen.

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Zu den Ehrengästen gehörten Bürgermeister Klaus Schölch (7.v.li.) und die ehemaligen Konrektoren Christiane Gümpel (3.v.li.) und Karl Koch (4.v.li.). (Foto: Hofherr

Auch Bürgermeister Klaus Schölch ging in seiner Ansprache auf das Abschlussmotto ein, zeigte doch die Einladung ein vergittertes Fenster, wo doch die Winterhauch-Schule eine sehr offene Einrichtung sei. Nach dem Erreichen des ersten wichtigen Ziels dürfe man sich nun nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern müsse nach all dem verdienten Feiern, anerkennen, dass die Therapie eben noch nicht zu Ende sei. Vielmehr fordere unsere Wissens- und Informationsgesellschaft ein ständiges Weiterbilden. Immer mehr zeige die demografische Entwicklung, dass jeder junge Mensch gebraucht werde, weshalb die Hauptschule bzw. die Hauptschüler gute Perspektiven hätten, ihren Platz zu finden. Er forderte die Jugendlichen daher abschließend auf, die Chancen des Bildungssystems zu nutzen und Wünsche und Träume verwirklichen zu können.

Es folgten die Ansprachen der Elternvertreter und von Pfarrer Reibold, die den Schülern ebenfalls alles Gute für den weiteren Lebens- und Ausbildungsweg wünschten.
Nach einer Diashow mit interessanten, abwechslungsreichen und amüsanten Rückblicken auf die neunjährige Schulkarriere, folgte nach der bereits eingangs erwähnten Ansprache von Rektor Karl Völker, die Ausgabe der Zeugnisse.

Als bester Schüler wurde Marcel Speth gewürdigt, der einen Notenschnitt von 2,3 erreichte. Für ihr Engagement als Schüler- bzw. Klassensprecher wurden Celine Mosblech und Stefan Schlemmel gewürdigt.

Es folgte eine kurze Ansprache der beiden Schülersprecher, die sich bei Rektor Karl Völker, Klassenlehrer Bernhard Klenk, und dessen Frau Heidi, Lehrer Volker Kölsch sowie bei Schulsekretärin Elke Kölsch und Hausmeister Volker Ihrig mit Präsenten bedankten.

Nachdem die Schüler bereits den musikalischen Beginn mit der „Ode an die Freude“ gestaltet hatten, gehörte den Schülern auch der der letzte Ton der Veranstaltung.

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Die Abschlussklasse mit Rektor Karl Völker (re.) und Klassenlehrer Bernhard Klenk (2.v.re.) bei der Zeugnisausgabe. (Foto: Hofherr)

Folgende Schüler haben die Prüfungen bestanden:
Amanda Bice, Robin Braun, Robin Federlin, Markus Fischer, Niklas Guckenhan, Celine Mosblech, Mark Ross, Stefan Schlemmel, Marcel Speth, Marvin Stöckl, Sven Stryjakowski, Nicolai Tagliarina

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