342 Brennstäbe lagern in Obrigheim

Sonntagsspaziergang am Kernkraftwerk Obrigheim

(Foto: P. Schmelzle/Wikipedia)

Obrigheim. (gp) Trotz strömendem Regen fanden sich auf Einladung des Aktionsbündnisses Atommüll-Lager Obrigheim eine Reihe von interessierten Menschen zum Sonntagsspaziergang auf dem Tanzplatz oberhalb des Atomkraftwerks Obrigheim (KWO) ein. Von dort oben wurden die Gebäude des seit 2005 abgeschalteten Kraftwerks identifiziert, in denen Atommüll gelagert wird oder in Zukunft gelagert werden soll.

Im sogenannten Notstandsgebäude, das direkt an die Reaktorkuppel angebaut ist, liegen in einem Nasslagerbecken 342 abgebrannte Brennelemente aus dem Betrieb des Kraftwerks, so informierte Gertrud Patan vom Aktionsbündnis die TeilnehmerInnen. Damit seien allerdings, obwohl das Atomkraftwerk abgeschaltet ist, weiterhin Gefahren verbunden. Z. B. könnten ein Flugzeugabsturz, ein Erdbeben oder ein Feuer dazu führen, dass Radioaktivität austrete und die Umgebung verstrahle. Dieser hochradioaktive Atommüll solle zukünftig in CASTOR-Behälter umgefüllt und in eine Betonhalle umgelagert werden. Dazu laufe zur Zeit ein Genehmigungsverfahren. Danach wurde das Augenmerk auf zwei weitere Gebäude gerichtet, in denen in den nächsten Jahren der schwach- und mittelradioaktive Atommüll aus dem Abbau der Anlage untergebracht werden soll, bis ein Endlager zur Verfügung steht.

Die Stromleitungen, die vom KWO wegführen, zogen die Aufmerksamkeit der Gruppe auf sich. Als unverständlich wurde empfunden, dass die Stromnetze in Deutschland nicht ausreichen sollen, wo doch inzwischen an allen abgeschalteten Atomkraftwerken die Leitungen quasi „leer“ seien. Simone Heitz vom Aktionsbündnis erläuterte, dass das neben dem Atomkraftwerk gelegene Biomassekraftwerk Strom erzeuge und damit auch das abgeschaltete Atomkraftwerk versorgt werde.

Wegen des Regens zog die Gruppe nach dieser Besichtigung in eine nahe gelegene Scheune um, wo es im Trockenen bei Kaffee und Kuchen weiterging. TeilnehmerInnen aus der Region um Neckarwestheim interessierten sich besonders für den Ablauf der Stilllegungsgenehmigungen, die ja bei ihnen nun auch anstehen. Simone Heitz und Gertrud Patan berichteten von den Erfahrungen des Aktionsbündnisses mit den Genehmigungen zum Abbau des KWO, von denen die erste bereits in 2008 erteilt worden sei. Sie umfasse Teile der Anlage, in denen nicht mit radioaktiven Stoffen gearbeitet wurde, die aber dennoch radioaktiv verschmutzt sein könnten. Für den nuklearen Bereich stünden drei weitere Genehmigungen an. Bei der nächsten, also der zweiten Genehmigung gehe es um die Räume der Anlage, in denen sich radioaktive Materialien befinden, bei der dritten um den Reaktordruckbehälter, der am höchsten verstrahlt sei, und bei der vierten um die restlichen Teile. Laut Planung des KWO solle der Abbau ungefähr bis 2020 abgeschlossen sein. Und nachdem die Radioaktivität aus den Gebäuden des stillgelegten Atomkraftwerks entfernt sei, könnten die Gebäude umgenutzt oder abgerissen werden.

Simone Heitz und Gertrud Patan kritisierten, dass eine Öffentlichkeitsbeteiligung nur für die erste Genehmigung vorgesehen gewesen sei, obwohl erst in den weiteren Genehmigungsschritten genauere Angaben über den Abbau erarbeitet und die konkreten Maßnahmen festgelegt würden. Ein Vorhaben, das über mehr als 15 Jahre laufe, könne von der Öffentlichkeit nicht in einem Durchgang bewertet werden, sondern es müsse in jedem Genehmigungsschritt eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben.

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