4.000 Teilnehmer politisch gebildet

Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch kann beim 53. Schülerwettbewerb zur Förderung der politischen Bildung 38 Jugendliche mit einem Ersten Preis auszeichnen

Unser Bild zeigt die Preisträger Marko Hönig, Stefan Lautenschläger und Michael Dick von der Max-Weber-Schule in Sinsheim mit Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch (2.v.re.) und den beiden Abgeordneten des Wahlkreises Sinsheim Elke Brunnemer (li.) und Charlotte Schneidewind-Hartnagel. (Foto: privat)

Stuttgart. Am 53. Schülerwettbewerb des Landtags zur Förderung der politischen Bildung haben 3.853 Jugendliche teilgenommen. Dabei fand die Aufgabenstellung „Gestalte ein Plakat, das Chancen oder die Probleme in der heutigen Arbeitswelt zeigt“ besonders großen Anklang. Einen Ersten Preis, bestehend aus einer mehrtägigen Reise nach Ljubljana, erhalten 38 Schülerinnen und Schüler von allgemeinbildenden Schulen. Überreicht wurde die Auszeichnung am Donnerstag, 21. Juli 2011, im Stuttgarter Landtag von Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch (GRÜNE). In ihrer Rede zur Preisverleihung sagte sie wörtlich:

„Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Beiratsmitglieder, ich freue mich, Sie heute zur Verleihung der Ersten Preise im Rahmen des 53. Schülerwettbewerbs begrüßen zu dürfen. Für mich ist es die zweite Preisverleihung für den Wettbewerb und ich freue mich auf die Gespräche mit den Gewinnern.

Bis vor Kurzem saß ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen noch im Plenarsaal. Immerhin 27 Tagesordnungspunkte waren zu debattieren und zu entscheiden. Ich freue mich, dass trotz „Beratungsmarathon“ zahlreiche Abgeordnete zur Preisverleihung gekommen sind. Das zeigt, dass wir uns für junge Menschen und deren Meinungen interessieren, und es drückt unsere Wertschätzung und Anerkennung für Ihr Engagement aus. Zwei ehemalige Abgeordnete, die dem Beirat des Schülerwettbewerbs angehören – Frau Berroth und Herr Döpper – werden mit auf die Preisträgerreise nach Ljubljana gehen. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich während der Reise durch persönliche Gespräche einen eigenen Eindruck von Politikern zu machen!

3.853 Schülerinnen und Schüler haben sich am 53. Schülerwettbewerb beteiligt.
38 Schülerinnen und Schüler aus allgemeinbildenden Schulen erhalten heute einen Ersten Preis. Sechs Schülerinnen und Schüler aus dem Bereich der Sonder- und Förderschulen wurden bereits im Juni geehrt und reisten nach Leipzig.

Dass sich so viele beteiligen, liegt daran, dass der Beirat wieder attraktive Themen formuliert hatte. Ein herzliches Dankeschön daher an dessen stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Abgeordneten Christoph Bayer, sowie alle Mitglieder. Durch Ihre engagierte Mitarbeit tragen sie dazu bei, dass ich für unseren Wettbewerb wieder beste Zahlen verkünden kann:

213 schriftliche Arbeiten zum Thema „Welche Bedeutung hat Respekt in unserer Gesellschaft?“ finde ich beachtlich, denn dass Respekt ein wichtiges Thema für Jugendliche ist, hätte wohl der eine oder andere Abgeordnete so nicht vermutet! Das ist beim Thema Arbeitswelt und „Welche Rolle spielt Sport für Jugendliche?“ schon anders. Mit 1.049 Plakaten und 205 Umfragen wurden diese auch entsprechend häufig bearbeitet. Bei der „Nanotechnologie“ zeigt sich noch geschlechtsspezifisches Interesse: Es fühlten sich vor allem junge Männer angesprochen! Ich hoffe, dass sich das zukünftig verändert! Bei den freien Themen waren zwei aktuelle Themen besonders häufig vertreten: Stuttgart 21 und die Thesen Sarrazins.

Alle eingereichten Arbeiten sind es wert, wahrgenommen oder gelesen zu werden. In der „Nachlese“ kann nur eine Auswahl veröffentlicht werden. Aber alle Ihre Arbeiten gehen in einem Ordner mit auf die Reise. Nutzen Sie die Fahrzeit, um kennenzulernen, was die anderen Jugendlichen erarbeitet haben!

Zur Inspiration und als „Appetithappen“ hier exemplarisch drei Wettbewerbsbeiträge.
Zunächst zwei Plakate zum Thema Arbeitswelt. Leslie Hess aus Kraichtal porträtiert sehr eindrücklich eine völlig erschöpfte junge Frau an ihrem Schreibtisch. Sie stellt infrage, ob bei einem langen Arbeitstag, sich häufenden Terminen und Aufgaben, noch von einem Traumberuf gesprochen werden kann. Solche Tage sind uns Politikern nicht fremd. Wer engagiert in seinem Job arbeitet, vergisst manchmal die Zeit, Essen und Trinken und auch ausreichenden Schlaf. In Ausnahmefällen ist das kompensierbar. Ein Traumjob kann aber zum Albtraum mutieren, wenn die Belastung zum Dauerzustand wird. Burnout als Krankheit nimmt immer mehr zu. Daher empfehle ich Menschen, die gerne und engagiert ihren Arbeitsplatz ausfüllen: Habt dennoch ein Leben neben dem Beruf! Zeit für sich, für die Familie und für Hobbys muss sein – und wenn das nicht klappt, sollte man sich vielleicht nochmals die Frage stellen „Was ist mir wichtig im Leben?“

Arbeit haben ist wichtig – aber um welchen Preis? Dieselbe Frage stellt Alwine Deutz aus einer anderen Blickrichtung. Sie vergleicht sehr drastisch den Ein-Euro-Jobber mit anderen Gütern, die es für einen Euro gibt. Nicht nur Waren werden immer billiger angeboten, auch die Entlohnung soll immer billiger werden. Alwine fordert mit ihrem „Werbeplakat“ den Betrachter geschickt auf, in eine kritische Auseinandersetzung zu gehen. Sind Arbeitnehmer für 1 Euro das, was wir wollen oder sind wir bereit, angemessene Preise – und damit auch angemessene Löhne – zu zahlen?

Um Gerechtigkeit und Glück geht es auch im Rapsong „Warum“ von Achim Bochtler und Hendrik Maier aus Friedrichshafen. Sie kritisieren westliche Konsumorientierung und Unzufriedenheit. Einerseits wird auf hohem Niveau gejammert, zu selten aber gesehen, dass zum Teil ganz in unserer Nähe existenzielle Not herrscht. Sie fordern dazu auf, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, Sensibilität für andere zu entwickeln und sich nicht von Neid und Gier antreiben zu lassen.

Ich fände es toll, wenn der Appell der beiden jungen Männer nicht ungehört bliebe. Denn durch Beschränkung und Teilen kann eine echte Win-win-Situation entstehen: die Einen werden sensibler für das Glück, in dem sie leben und dadurch zufriedener, den Anderen wird Hilfe zuteil. Von einer gerechteren Welt profitieren wir alle.

Diese kleine Auswahl zeigt, dass Sie Ihre Augen offen haben und sensibel an aktuelle Probleme herangehen. Bitte behalten Sie diesen wachen Blick. Unsere Demokratie, unser Land, braucht kritische Menschen und lebt davon! Mit der heutigen Preisverleihung und der Reise drücken wir aus, dass der Landtag stolz auf solche Jugendliche ist.

Das Programm Ihrer Reise habe ich mir angesehen und wäre selbst gern mitgefahren! Der Landtag lobt ganz bewusst eine Reise als Ersten Preis aus, denn so besteht die Möglichkeit, dass engagierte junge Menschen über Schulart- und Altersgrenzen hinweg in einen Dialog kommen. Sie haben fünf Tage lang Gelegenheit, mit anderen Preisträgern über Ihren Wettbewerbsbeitrag zu sprechen, Neues kennenzulernen und in der Begegnung mit anderen neue Perspektiven zu entwickeln. Ich würde mich freuen, wenn Sie dieses Angebot nutzen und durch Ihre Offenheit dazu beitragen, dass aus heute einzeln angereisten Preisträgern eine Preisträgergruppe wird, auf die wir Landtagsabgeordnete stolz sein können. Ich bin sicher, Sie tragen dazu bei, dass die Slowenen einen positiven Eindruck von Baden-Württemberg erhalten!

Slowenien wurde für die diesjährige Reise nicht zufällig gewählt. Manche von Ihnen teilen vielleicht mit diesem Staat eine Zahl: die 20. So jung ist dieses Land, das im Juni 1991 seine Unabhängigkeit vom ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien erklärte. Seit 2004 ist Slowenien Mitglied in der EU. Es freut mich, dass es gelungen ist, im Rahmen der Reise einen Empfang beim deutschen Botschafter zu organisieren. Er wird Sie in der Botschaft begrüßen und über die deutsch-slowenischen Beziehungen informieren. Neben der Politik soll auf der Reise aber auch das Thema Land und Leute nicht zu kurz kommen. Die Hauptstadt Ljubljana steht im Mittelpunkt der Reise. Die Stadt wird für das mediterrane Flair gerühmt und verfügt über eine bemerkenswerte Architektur. „Hier trifft sich Europa“ so wirbt Ljubljana, und wir wollen dazu einen Beitrag leisten. Denn vor Ort werden deutschsprechende Sloweninnen zur Reisegruppe stoßen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf diesem Weg „aus erster Hand“ viel über das Leben junger Menschen in Slowenien erfahren und dass vielleicht sogar die eine oder andere Freundschaft entsteht.“

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