Mädchen, Integration und Sport in Bewegung

Gespräche zur Vernetzung von Kinder- und Jugendhilfe im Land- und Sportkreis

Neckar-Odenwald-Kreis. (pm) Dass Vereine eine integrative Wirkung haben können, ist keine neue Erkenntnis. „Da aber Sport allein noch kein Garant für Integration oder aktiver gesellschaftlicher Teilhabe ist, benötigen wir auf vielen Ebenen Kooperationspartner, um vor Ort passende Konzepte erarbeiten zu können“. Die Sportkreisvorsitzende Dr. Dorothee Schlegel und die Kreisjugendreferentin Elisabeth Ehret (Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis) nutzten den Fachtag des Landessportverbands (LSV) in Stuttgart, um zusammen zu überlegen, wie mehr Migrantinnen und insgesamt mehr Mädchen und Frauen Freude an Bewegung und Sport und an der Gemeinschaft durch Sport finden könnten. „Bewegung“ ist dabei nicht nur körperlich zu verstehen, sondern auch inhaltlich, indem sich Menschen aufeinander zu bewegen. Neben der Familie und der Schule ist der Verein oder die Gruppe/der Jugendtreff ein wichtiger Integrations- und Sozialisationsfaktor. Dabei gibt es jedoch geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, ebenso wie zwischen Jugendlichen mit bzw. ohne Migrationshintergrund.
Deshalb – und um dieses Thema auch in einem entsprechenden Netzwerk des Landkreises zu diskutieren – wurde das Thema „Mädchen-Sport-Integration“ auf die Tagesordnung des Arbeitskreises Mädchenarbeit gesetzt. Am 04. Juli hat daher der Arbeitskreis, den Elisabeth Ehret als Kreisjugendreferentin koordiniert, sein Treffen bei der Alevitischen Gemeinde in Neckarelz abgehalten.
Dort wurde gemeinsam mit den Fachkräften aus der Mädchenarbeit (z.B. aus den Jugendhäusern des Landkreises oder den Beratungsstellen) mit Männern, Frauen und Jugendlichen der Alevitischen Gemeinde und Vertretern des Vereins „Türkspor“ lebhaft über den Vortrag von Dr. Dorothee Schlegel diskutiert, bei dem folgendes dargestellt wurde:
Sport ist nicht nur körperliche Bewegung, sondern vermittelt ebenso pädagogische, soziale und psychische Kompetenzen, die neben der persönlichen auch die berufliche Weiterentwicklung positiv beeinflussen. Daher ist die Frage berechtigt: Wie können wir Mädchen besser in und durch den Sport in die Gesellschaft integrieren und fit für die Zukunft machen? Sport öffnet Türen zueinander, z.B. durch gut ausgewählte und niederschwellige Angebote, die über Veranstaltungen oder Aktionstage in Jugendhäusern oder in Vereinen jeweils Mädchen und Jungen verschieden ansprechen können. Was könnte Mädchen, die bisher dem Sport skeptisch gegenüberstanden und sich im Sportunterricht an der Schule eher zurückhaltend verhielten, zum Sport bringen? Mädchen und Frauen treiben hauptsächlich aus drei Gründen Sport: Es dient ihrer Gesundheit, sie wollen etwas für ihren Körper tun und sie wollen Spaß an der Bewegung haben. Die Statistiken jedoch zeigen, dass viele Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren körperlich inaktiv sind, vor allem, wenn sie von ihrem Elternhaus her keinen Bezug zu Bewegung und Sport haben. Jungen finden häufig vor allem über Fußball Zugang zum Sport und zunehmend auch Mädchen, nicht nur wegen der erfolgreichen Fußballerinnen.
Wie müssen nun Angebote gestaltet sein, damit Mädchen sich zum Mitmachen bewegen lassen? Wir brauchen Räume, ohne neu zu bauen, in denen sich Mädchen und Frauen ohne Scheu und ohne nach ihrem Äußeren bewertet und begutachtet zu werden bewegen können. „Es geht hier nicht um Schutz-, sondern um Freiräume – für sich selbst“, betont Dr. Schlegel. Und wenn Mädchen dann Spaß an Bewegung und Sport entdecken, sich von Bewertungen anderer gelöst und zudem die Vielfalt an sportlicher Betätigung kennen gelernt haben, dann sind die wichtigsten Grundlagen für ein lebenslanges Sporttreiben, auch im Sinne der Gesundheitsförderung, gelegt.
Sportliche Betätigung braucht Vorbilder. Dies gilt vor allem im Frauensport. Denn dieser kommt in den Medien und in der Öffentlichkeit viel zu selten vor, z.T. nur 15 %, so Studien von Hartmann-Tews (2007) u.a. Kennen wir denn unsere Olympionikinnen oder Weltmeisterinnen, außer vielleicht jetzt bei der Fußball-WM? Neben den Zeitungen sind auch Vereinsstrukturen daraufhin zu befragen, ob sie dem Mädchen- und Frauensport genügend Raum geben. Denn, so viele namhafte männliche Sportfunktionäre: „Die Zukunft des Vereinssports ist weiblich“ – wenn wir es nur zulassen.
Das Fazit des Treffens lautet: Erste Kontakte zwischen den einzelnen Vereinen, Personen und Einrichtungen sind geknüpft. Verschiedene Ideen wurden „gesponnen“ und daraus können dann auch gemeinsame Aktivitäten entstehen.
„Let´s move“ so lautete der Titel der Fachtagung. „Lassen wir uns bewegen und bewegen wir uns.“ Dafür braucht es weibliche und männliche Fürsprecher und Vorbilder, so lautete das Fazit der ersten Etappe, deren nächste Runden bereits eingeläutet sind.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: