Zimmer – Hochburg der Kinderbetreuung?

von Liane Merkle

Zimmern. „Wenn wir das Projekt Kinderkrippe im jetzigen Kindergarten „Haus Sonnenschein“ in Angriff nehmen, dann machen wir es richtig. Dann würde ich mir wünschen, dass Zimmern zu einer Hochburg der Kleinkindbetreuung wird“, so Seckachs Bürgermeister Thomas Ludwig in seinem Abschluss-Plädoyer zu den interessierten Bürgern beim Info-Abend über die Zukunft dieses Kindergartens im Dorfgemeinschaftshaus.

Es war ein harter Brocken, den die Zimmerner schlucken mussten, aber er kam nicht sehr überraschend. Den Sachstand erläuterte Hauptamtsleiterin Doris Kohler. Demnach sind zwar im Moment noch 17 Kinder in dieser Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit, doch bis zum Kindergartenjahr 2013/14 seien nur noch maximal fünf Kinder, sicher nur zwei hier zu betreuen.

Aus Sicherheitsgründen müssten auch für diese zwei bis fünf Kinder zwei Erzieherinnen anwesend sein. Dass eine so kleine Gruppe aus pädagogischen Gründen nicht aufrecht erhalten werden kann, erklärte Wilfried Frank als Fachberater für Kindergärten vom Caritas-Verband der Erzdiözese Freiburg.

Das größte Problem dabei sei, dass von jeder Altergruppe im angesprochenen Zeitraum nur ein Kind da wäre. Aus pädagogischer Sicht sei der Idealfall 15 Kinder der gleichen Altersgruppe.
Neben dem sinnvollen gemeinsamen Gruppenspiel würde hier außerdem der Aspekt des sozialen Lernens wegfallen.

Als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats bestätigte Sigrid Ackermann, dass man sich schon einige Zeit Gedanken um die Zukunft des Kindergartens mache und auf jeden Fall verhindern wolle, dass er ganz geschlossen wird.
Zusammen mit Gemeindeverwaltung, Pfarrgemeinderat und den Kindergartenfachkräften habe man alle nur denkbaren Modellmöglichkeiten durchgespielt und berechnet. Es sei unrealistisch, zu hoffen, dass die Seckacher ihre Kinder im Alter von 3 bis zum Schulalter nach Zimmern bringen, wenn sie das gleiche Angebot vor Ort haben.

Da aber die Kleinkindbetreuung von Null bis drei Jahre immer mehr verlangt werde und hierfür im Seckacher Kindergarten kein Platz mehr ist, halte auch sie den Umbau von „Haus Sonnenschein“ in eine attraktive Kinderkrippe für die beste und vor allem realistischste Lösung.

Dass dies auch finanzierbar sei, stellte F. Trabold von der der katholischen Verrechnungsstelle Adelsheim in den Raum, nachdem sie vorher klar gemacht hatte dass zwei Erzieherinnen für die Betreuung von zwei bis drei Kindern nicht zu finanzieren sei.

In Zahlen verdeutlichte Bürgermeister Ludwig, dass allein die politische Gemeinde durchschnittlich 74.500 Euro pro Jahr für den Kindergarten Zimmern zuschießt. Entsprechend einer dritten Elternumfrage in der Gesamtgemeinde ist der Bedarf für Kleinkindbetreuung vorhanden und man wolle entsprechend einer Gesamtkonzeption, die der Gemeinderat bereits 2008 beschlossen habe, die Betreuungseinrichtungen aller Ortsteile Kindern aller Ortsteile zur Verfügung stellen.

Außerdem sei Zimmern als Standort für eine Kinderkrippe ideal zum einen wegen der absolut verkehrsberuhigten Lage und zum zweiten geografisch günstig für Eltern aus Adelsheim und Osterburken, wo ebenfalls Bedarf bestehe. Nur schweren Herzens verzichteten die anwesenden Eltern auf die mögliche Betreuung der größeren Kinder „direkt vor Ort“, sie sahen aber ein, dass das Fortbestehen des Kindergartens – egal in welcher Konzeption – absoluten Vorrang hat.

Wobei der Bürgermeister abschließend noch einmal zu Innovation aufrief: „Wenn sie eine bessere Idee haben, die realistisch und realisierbar ist, sind wir für alles offen. Dennoch müssen wir rechtzeitig eine Richtung ansteuern, den Planung und Umbau kosten einfach eine gewisse Zeit und zwei Jahre sind so schnell vorüber!“

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