Doppelte Ehrenbürgerinnenwürde verliehen

Mudau und Amorbach würdigen „Grande Dame“ Susanne Everth-Schulz

von Liane Merkle

Mudau. Stehende Ovationen hunderter Gäste dokumentierten deren Respekt, Anerkennung und Zuneigung zu Susanne Everth-Schulz nach zwei Feierstunden, in denen der zierlichen Lady gleich zwei Ehrenbürgerwürden zuteil wurden und die von der Geehrten mit einem lächelnden „Nun sind sie alle erlöst“ beendet wurden.

Doch zuvor dankte sie der Stadt Amorbach und der Gemeinde Mudau mit den Bürgermeistern Peter Schmitt und Dr. Norbert Rippberger an der Spitze für die Lobeshymnen, die „fast zu viel für einen Menschen zu verkraften sind“ und die eigentlich ihrem verstorbenen Mann gebührten.
Denn „er hat den Mut gehabt, auf der Grünen Wiese eines kleinen Odenwalddorfes eine Firma zu gründen“.

Diese rührenden Dankesworte zeigten viel von dem Großmut, der Großherzigkeit und dem gebildeten Geist der Geehrten, die die beiden Kommunen zu dieser höchst möglichen Würdigung bewegt hatten. Als i-Tüpfelchen der würdigen Feier mit Umrahmung durch den Musikverein Mudau konnte man den ungewöhnlichen Veranstaltungsort sehen.

Im Herzen der Aurora-Produktionsstätte, die Joachim Schulz mit viel Herzblut aufgebaut hat, hatten viele fleißige Hände ein festliches Ambiente für unzählige Gäste und Ehrengäste gezaubert.

Unter anderem begrüßten die beiden Bürgermeister neben der neuen Würdenträgerin, deren Neffen Professor Konrad Seppelt und engsten Freunden vor allem Alois Gerig als Mitglied des Deutschen Bundestages, Eilika Fürstin zu Leiningen, Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister i. R. Wilhelm Schwender, Aurora-Geschäftsführer Hannes Wolf, die Würdenträger und Vertreter beider Kommunen, aber auch des Kreises, aus Kirche, Wirtschaft, Vereinen und Organisationen. In dieser Reihe wurden die Vorstands- und Beiratsmitglieder der Joachim- und Susanne Schulz-Stiftung um Vorstandsprecher Hubert Wagner sowie die „Stiftung Joachim- und Susanne Schulz-Halle“ und die Mudauer Bürgerstiftung besonders hervorgehoben.

Peter Schmitt war in seiner Laudatio an Susanne Everth-Schulz der Meinung: „Sie sind für mich das personifizierte Bild einer britischen Lady. Ihre Großzügig- und Großmütigkeit sowie Ihre liberale Geisteshaltung sind geprägt durch ihr Elternhaus“, an das Dr. Rippberger in den Lebenserfahrungen von Susanne Everth-Schulz erinnerte.

Demnach wurde sie am 7. Juli 1920 als fünftes Kind von Prof. Erich Everth und dessen Ehefrau Martha in Leipzig geboren. Durch den Beruf des Vaters als Professor für Zeitungswissenschaften und Doktor der Philosophie erlebte sie ihre Kindheit außerdem in Berlin und Wien bis schon zu Beginn der Nazi-Diktatur, ihren Vater – zurück in Leipzig – die Schrecken dieser Diktatur als eines der ersten Opfer trafen.

Zuerst verlor er wegen seiner Freundschaft zu jüdischen Gelehrten und Familien seinen Lehrstuhl, dann seine Gesundheit und schon 1934 sein Leben. Das prägte Susanne Everth ebenso wie die Literatur, die sie mit größter Freude als Buchhändlerin in ihr berufliches Leben aufnahm. Und natürlich hinterließ auch das sehr offene Haus ihrer Eltern mit vielen Freunden, auch weit über Deutschland hinaus und besonders in den englischsprachigen Raum, tiefe Spuren.


Die Geehrte mit den Ehrengästen. (Foto: Merkle)

Nach Aussage der Würdenträgerin waren ihre sechs Jahre in London die bis dahin schönste und unbeschwerteste Zeit. Imponiert haben ihr die Engländer mit ihrer Höflichkeit, Freundlichkeit, dem besonderen Humor, der Offenheit, dem guten Benehmen und dem Mangel an Gehässigkeit.
„Britisches Understatement, britische Noblesse und britische Weltoffenheit, das war passend für Susanne Everth, das liebt sie noch heute“.

Zurück in Deutschland verliebte sie sich in Düsseldorf in ihren Jugendfreund Joachim Schulz. Das Wiedersehen der beiden hatte zur Folge, dass beide ihre zwischenzeitlich eingegangenen Ehen aufgaben und 1958 in Krefeld heirateten, wo sie bis 1965 am damaligen Sitz der Firma Konrad G. Schulz blieben.

Doch die Luft dort war Gift für den asthmakranken Firmennachfolger, der sich mit der Firmenübernahme auch für eine Umsiedlung nach Mudau entschied. Im Nachhinein sollte sich herausstellen, dass diese Entscheidung absolut erfolgreich für den Firmenchef, aber auch die Firma selbst werden sollte. Nur für die weltgewandte Susanne Everth-Schulz war es nicht ganz einfach, sich an Land und Leute zu gewöhnen. Doch auch hier bewies das zierliche Persönchen ihre innere Stärke und Ruhe und ihre offene Freundlichkeit.

„Das haben auch die Menschen im Odenwald bemerkt und schätzen gelernt“, so Bürgermeister Dr. Rippberger weiter in seiner Laudatio, in der er hervorhob: „Ich freue mich sehr, dass ich Sie kennen lernen durfte, dass wir alle Sie kennen lernen durften und Sie heute als Stargast des Abends bei uns sind“.

Weiter erinnerte er an die Förderer Joachim und Susanne Schulz, sowohl im wirtschaftlichen, als auch im kulturellen Bereich der Region Mudau und Amorbach. Sie hätten nicht nur vielen Menschen Lohn und Brot gegeben, sondern nachhaltig dafür gesorgt, dass der Golfclub Mudau entstand und eine so hervorragende Entwicklung genommen hat. Des Weiteren hätte das Ehepaar auch allen anderen Vereinen und Institutionen großzügig unter die Arme gegriffen, vor allem der Musik und der Feuerwehr.

„Zuletzt, und das wirkt bis in Zeiten, die wir nicht überblicken können, haben sie mit der Gründung der Joachim- und Susanne-Schulz-Stiftung ein Werk geschaffen, von dem wir in allen Bereichen des Lebens noch lange profitieren können“, und das nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens in Projekte und Initiativen förderungswürdig mache. Vieles würde nicht möglich sein, ohne diese großzügige Unterstützung, das gelte für Mudau und nach Aussage von Bürgermeister Schmitt in mindestens ebenso großem Umfang auch für Amorbach.

Dick Miles, ein Freund der Familie Schulz und der Aurora-Klimatechnik brachte es in seiner Glückwunsch-Mail auf den Punkt: „It has been a privilege to know this generous, gracious lady and we wish you all a very enyoyable evening“.

Da sowohl die Stadt Amorbach als auch die Gemeinde Mudau der Meinung war, dass man für das Gemeinwesen nicht mehr tun kann, als all das zu unterstützen, was dessen Fortentwicklung fördert. Und zwar zeitlich unbegrenzt und finanziell eigentlich auch, waren beide Bürgervertreter-Gremien einstimmig dafür, der „Grande Dame“ als höchst mögliche Auszeichnung einer Kommune die Ehrenbürgerwürde zu verleihen, deren besonders positive Ausstrahlung auch ganz offensichtlich die Grußwortredner beeindruckt hatte.

Hannes Wolf ging als Geschäftsführer der Aurora vor allem auf die betriebliche Seite ein, denn in den 25 Mudauer Betriebsjahren hatte Joachim Schulz zusammen mit seiner Susanne als Dolmetscherin und Beraterin den Grundstock für den finanziellen und den betrieblichen Erfolg gelegt.

„So wie Joachim Schulz nach außen präsent und dominant war, so wichtig sei das Wirken von Susanne Everth-Schulz „im Hintergrund“ gewesen.“ Hubert Wagner konnte als Vorsitzender der Joachim- und Susanne Schulz-Stiftung bereits ein gutes Vierteljahr nach Gründung beachtliche Erfolge vermelden und Dirk Rogge überbrachte die Glückwünsche der Amorbacher Würdenträger.

Alois Gerig beglückwünschte die beiden Bürgermeister zu ihrer interkommunalen Zusammenarbeit und bekundete mit dem Zitat „Die Welt lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“ seine Anerkennung und Wertschätzung für die frisch Geehrte. Denn wie die Aurora in Nutzfahrzeugen für gutes Klima sorgen, verändere das unglaubliche soziale Engagement und die Lebensleistung von Susanne Everth-Schulz das Klima unter den Menschen positiv.

Peter Schlär würdigte die Großherzigkeit der Geehrten im Namen der Mudauer Vereine auf die ihm eigene unvergleichliche Herzensart. Adolf Zerr schloss sich mit „Ehre, wem Ehre gebührt“ für die Amorbacher Vereine und Ralph Müller für den Musikverein „Harmonie 1872“ Mudau an.

Nach seinem Schlussdank an alle, die zum Gelingen dieses ganz besonderen Ehrungsabends beigetragen hatten, lud der Mudauer Bürgermeister zum Stehempfang ein.

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