90 Jahre Schlimmes und Gutes erlebt

von Liane Merkle

August Egenberger wird 90.

Waldhausen. „Ich habe viel Schlimmes erlebt, aber mindestens ebenso viel Gutes“, so August Egenberger, der am heutigen Donnerstag in seinem Heimatdorf Waldhausen „topfit“ seinen 90. Geburtstag feiert.

Der langjährige ehemalige Ortsvorsteher hat nichts von seiner positiven Ausstrahlung und seinem Verantwortungsbewusstsein verloren. Obwohl ihm seine Emma schrecklich fehlt. „Ich habe mich um nichts hier im Haus kümmern müssen, weder finanzielle Dinge, noch um die Kinder oder die Organisation von Haus und Hof. In allem hat sie mir den Rücken frei gehalten, damit ich meiner Arbeit und meiner kommunalpolitischen Verantwortung nachkommen konnte“, er habe nach dem Tod seiner Frau viel lernen müssen, aber irgendwie habe sie ihm auch dabei noch geholfen.

Dieses „Gottvertrauen“ wurde dem Jubilar zum einen in die Wiege gelegt, zum anderen hat es sich durch sein überaus bewegtes Leben immer weiter entwickelt. Geboren wurde August Egenberger am 10. November 1921 als ältestes von sechs Kindern des Waldhausener Dorfschmieds, die bereits 1929 beide Eltern verloren.


Dankbar erinnert sich der Jubilar, wie die ganze Familie zusammen gehalten hat, damit er und seine Geschwister zusammen bleiben durften. Ein Onkel gab sogar die Arbeit und das Zuhause in Mannheim auf, um die Dorfschmiede und die Kinder seines Bruders zusammen mit seiner eigenen Familie zu übernehmen. Der Tradition folgend erlernte auch August Egenberger das Schmiedehandwerk und arbeitet bei seinem Onkel Karl bis er zu Beginn des Krieges für ein halbes Jahr zum Arbeitseinsatz nach Bruchsal einberufen wurde.

Sofort nach einem anschließenden Krankenhausaufenthalt folgte die Wehrausbildung in Eger und dann drei grausame und kalte Jahre in Russland. „Aber auch hier hatte ich Glück, weil ich nie gezwungen war, einem Menschen das Leben zu nehmen“. Dafür wurde er selbst dreimal verwundet, bevor man ihn als Ausbilder und Offizier im Kampf gegen Partisanen nach Frankreich schickte. Zwei weitere Verwundungen trafen ihn bevor er bei Chartres in amerikanische Gefangenschaft geriet und kurz vor Kriegsende nach Texas verschifft wurde. Doch er traf es nicht schlecht. Lange durfte er bei guter Ernährung im Offizierscasino bedienen und dann auch endlich wieder Landarbeit verrichten bis man ihn 1946 Richtung Le Havre verschickte. Doch der beglückende Gedanke „In drei Tagen sind wir zuhause“ war ein Irrtum. In Toulouse musste er bei einem Bauern als Landhelfer arbeiten, bevor er in Bordeaux als Kriegsverbrecher inhaftiert wurde, weil seine Einheit gegen die Partisanen gekämpft hatte. Da er jedoch nachweislich niemandem ein Leid zugefügt hatte, durfte er 1948 endlich seine Familie wiedersehen.

August Egenberger arbeitete als Schmied und als Landhelfer, und er lernte die blutjunge Emma Noe kennen. Die Hochzeit war im Oktober 1950 und auf einmal bekam sein Leben die eindeutige Wende in Richtung Landwirtschaft und Kommunalpolitik. „Ich bin froh, dass ich so vielen Menschen helfen konnte. Dieses Sorgen um meine Mitbürger war mein Leben.“ Ab 1954 war er als gewählter Gemeinderat in Waldhausen.

Nach der Gemeindereform wurde er der erste Ortsvorsteher in seiner Gemeinde für 20 Jahre und so lange war er auch im Buchener Stadtrat. Seine ehrenamtlichen kommunalpolitischen Verdienste über 50 Jahre wurden mit der Goldenen Verdienstmedaille des Gemeindetages Baden-Württemberg gewürdigt. Doch darüber hinaus war er 24 Jahre lang Vorsitzender des Gesangvereins, über 20 Jahre Vorstand des Sportvereins und langjähriges Mitglied der örtlichen Feuerwehr, verantwortliches Mitglied der Raiffeisenvertreterversammlung und im Vorstand der örtlichen Milchviehgenossenschaft.

Seinen heutigen Ehrentag feiert er zusammen mit den beiden Kindern, den Schwiegerkindern, zwei Enkeln und einem Urenkel sowie der großen Familie, unzähligen Freunden und ehemaligen Kollegen.

Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum 90. Geburtstag schließt sich unsere Redaktion gerne an.

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