„Atom-Aus wenig nachhaltig“

Alternative Energien bergen Konfliktpotenzial

Mosbach. (pm) Die Energieversorgung in Deutschland ist nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein hochpolitisches Thema. Der Ausstieg aus der Kernenergie nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima/ Japan mag das besonders deutlich gemacht haben. Wie können wir es schaffen, nachhaltig für Wärme und Wohlstand zu sorgen? Diese Frage warf Dr. Ulrich Fahl vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart in seinem Vortrag zum Thema „Nachhaltige Energieversorgung – Energieoptionen und Energiepolitik auf dem Prüfstand“ auf.  Im Rahmen des Studiums Generale an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach zeigte er mit beeindruckenden Zahlen und Fakten die Folgen und Kosten des schnellen Abschaltens der Atomkraftwerke in Deutschland auf.

Ohne wesentlich die gesundheitlichen Gefahren und nachhaltigen Schäden für die Umwelt im Falle eines Reaktorunglücks zu berücksichtigen, sieht er in der Atomenergie eine der günstigsten Möglichkeiten der Stromerzeugung.  Der überwiegende Teil des wegfallenden Stroms aus Kernenergie müsse durch verstärkte Stromimporte (auch aus Kernenergie benachbarter Staaten) ersetzt werden. Zudem gewännen auch fossile Kraftwerke mit Kohlendioxid-Abtrennung „aus wirtschaftlichen Überlegungen“ an Bedeutung.  Besonders teuer und wegen des verarbeiteten Materials zur Gewinnung der Sonnenergie auch nicht ganz „gesund“ ist die von der Bevölkerung besonders akzeptierte Photovoltaik. Rentabel und damit am meisten zukunftsweisend hingegen sind die Windenergie und die Stromerzeugung durch Biomasse.


Hinter alle alternativen Energien jedoch setzte Fahl letzten Endes einen Smiley, dessen Mundwinkel entmutigend nach unten hingen. Deutschland bräuchte mit 4000 km ein dreimal längeres Stromnetz als es derzeit vorhanden ist. Die  Geothermie verursache Risse in Wohnhäusern. Die technische Realisierbarkeit für die Windenergienutzung auf See müsse erst noch nachgewiesen, an Land mit anderen Interessen abgewogen werden.

Fazit des Vortrags von Fahl ist, dass das Fördern alternativer Energien und das Bemühen um Nachhaltigkeit  ein sehr schwieriger Balanceakt zwischen den mit viel Konfliktpotenzial besetzten Zielen „Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umwelt- und Klimaschutz“ ist.

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