GTO-Vandalismus – Unglaubliches geschafft

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Schul-, Kultur- und Partnerschaftsausschuss

Eines von insgesamt 1644 von Felicitas Zemelka im Auftrag der Landkreisverwaltung registrierten religiösen Kleindenkmälern ist dieser Bildstock aus Hollerbach mit der Darstellung des Walldürner Gnadenbilds. Laut Inschrift wurde er 1732 von Johannes Linck errichtet, nachdem dessen erste Frau kinderlos verstorben war und er mit seiner zweiten Frau seinen ersten Sohn im Alter von nur einem Monat zu Grabe tragen musste. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis/Osterburken. (lra) Das Ganztagsgymnasium Osterburken (GTO) war nicht nur Tagungsort der letzten Sitzung des Schul-, Kultur- und Partnerschaftsausschusses, sondern kam in der Tagesordnung auch mehrfach vor. Das GTO ist nämlich eine Kreisschule; der Vandalismusschaden im Sommer (NZ berichtete mehrfach), der Brand des Norwegerhauses vor zwei Jahren oder die Instandhaltung der Gebäude sind daher Themen, die in diesem Ausschuss beraten werden.


Und so machte eine Präsentation über den großen Wasserschaden im August dieses Jahres, bei dem rund 4.000 Quadratmeter Schul- Verwaltungs- und Bibliotheksräume unter Wasser standen, den Anfang. Dietmar Gehrig von der Landkreisverwaltung zeigte Bilder, die das Ausmaß der Schäden verdeutlichten. Dem Landkreis verbleiben knapp unter 100.000 Euro Kosten für die Trocknung und die Beseitigung unmittelbarer Gebäudeschäden, die von keiner Versicherung übernommen werden. Der noch deutlich höhere Schaden an Inventar und Büchern ist dagegen durch Versicherungspolicen abgedeckt.  „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, befand Landrat Dr. Achim Brötel, der die Sitzung leitete. Er dankte allen, die in welcher Form auch immer tatkräftig angepackt haben: „Dank des beherzten Eingreifens der Freiwilligen Feuerwehren ist Schlimmeres verhütet und durch das herausragende Engagement des Teams um Hausmeister Thomas Zemmel, Schulleiter Willi Biemer und vieler Helferinnen und Helfer ist beinahe Unglaubliches geschafft worden.“ Willi Biemer bestätigte diese Meinung: „Dass wir knapp vier Wochen später nach den Sommerferien den regulären Schulbetrieb wieder aufnehmen konnten, hat beim Anblick der Schäden zunächst niemand von uns geglaubt.“
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Der oder die Täter, die Wasserhähne aufgedreht und gleichzeitig die Siphons weggetreten haben, sind  trotz der Ermittlungen einer Sonderkommission der Polizei und der Aussetzung einer Belohnung nach wie nicht ermittelt. Ob und wie die Schule künftig besser gesichert werden kann, wird derzeit begutachtet. Schwierig, so Kreiskämmerer Michael Schork, sei es nicht zuletzt wegen der vielen Fensterflächen allemal.

Einen großen Schwenk weg von der Schule und hin zu den alten Römern machte Dr. Jörg Scheuerbrandt, Leiter des Römermuseums Osterburken und Museumsbeauftragter des Kreises. Einmal jährlich steht er den Ausschussmitgliedern im Rahmen seines Tätigkeitsberichtes Rede und Antwort; heuer lag ein besonderer Schwerpunkt auf der gemeinsam mit dem Savaria-Museum in Szombathely (Komitat Vas, Ungarn) geplanten Ausstellung „Im Auftrag des Römischen Adlers. Von Pannonien an den Obergermanischen Limes – Publius Ferrasius Avitus und die Mobilität im Römischen Reich.“ Auch das Archäologische Landesmuseum ist mit im Boot und Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat höchstpersönlich die Schirmherrschaft übernommen für diese Ausstellung, die das Leben eines im heutigen Ungarn geborenen und in der hiesigen Gegend stationierten römischen Soldaten nachzeichnet. Noch vor Ostern 2012 soll der Startschuss im Osterburkener Römermuseum fallen, im Herbst wandert die Ausstellung nach Konstanz und 2013 wird sie in Szombathely zu sehen sein.

Nach der ergänzenden Vorstellung des neuen „Limesparks Osterburken“, der einen der schönsten Limesabschnitte überhaupt sicht- und erlebbar machen soll, wandten die Ausschussmitglieder ihre Aufmerksamkeit den religiösen Kleindenkmalen im Kreis zu. Basierend auf Anträgen der CDU- bzw. SPD-Kreistagsfraktionen arbeitet Felizitas Zemelka im Rahmen eines Werkvertrages schon seit Jahren an einer umfangreichen Dokumentation – eine dank ständig veränderter Situationen vor Ort „reine Sisyphosarbeit“, wie der Landrat befand (Einzelheiten siehe Kasten). Auch eine Publikation der in einer eigens von Felicitas Zemelka  programmierten „Kleindenkmaldatenbank“ erfassten 1644 Bildstöcke ist geplant.

Ebenfalls einem CDU-Antrag geschuldet war eine Auflistung, wie der Landkreis das kulturelle Angebot im Kreis fördert. Herausgekommen sei, so der Landrat, eine „wertvolle Bestandsaufnahme“, die allerdings kaum neue zündende Ideen hinsichtlich einer möglichen Förderung aus den Programmen der EU gebracht habe.

Die SPD-Kreistagsfraktion hatte beantragt, sich über die Einrichtung eines Abendgymnasiums im Kreis kundig zu machen; weil hier die Nachfrage nach Recherchen – analog zu Abendgymnasien in Heidelberg oder Heilbronn – als eher niedrig eingestuft wurde, wurde diese Idee abschlägig beschieden.

Erfreuliches erbrachte die Schlussabrechnung für den Neubau eines Klassentraktes am GTO, der nach der Brandstiftung 2009 am sogenannten Norwegerhaus notwendig geworden war. Am Ende konnte man mit 740.00 Euro Gesamtkosten über 100.000 Euro unter dem Kostenvoranschlag bleiben. Abzüglich der von der Versicherung gezahlten Summe verbleiben rund 120.000 Euro Kosten beim Kreis, die hauptsächlich für ohnehin geplante Erweiterungen und Verbesserungen verwendet worden waren.

Einhellige Zustimmung schließlich fand die Verteilung von 12.000 Euro zur Förderung der Volks- und Chormusik im Kreis, insbesondere die des größten Postens: 5.736 Euro der gesamten Fördersumme gingen an den Blasmusikverband Odenwald-Bauland, den Rest teilen sich der Chorverband Mosbach, der Sängerkreis Buchen, der Kurpfälzische Sängerkreis und der Sängerbund Badisch-Franken.

Religiöse Kleindenkmale unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt
Felizitas Zemelka hat im Auftrag der Landkreisverwaltung bis dato 1644 Kleindenkmale registriert, die sie streng wissenschaftlich unter anderem in Sühnekreuze, Nischenbildstöcke, Tafelbildstöcke oder Marienbilder  – die dem Madonnenland seinen Namen gaben – einteilt. Die weitaus meisten stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert und finden sich ganz überwiegend im katholisch geprägten Raum um Walldürn, Buchen und Mudau. Dort gibt es auch die meisten „Neustiftungen“: In den vergangen elf Jahren wurden 36 neue Bildstöcke aufgestellt.

Den Zustand von 124 Kleindenkmalen beurteilt die Fachfrau als schlecht, zusätzliche 91 sind nach ihrer Ansicht akut im Bestand gefährdet. Und 69 seien in den letzten Jahren einfach verschwunden, was mit Ausnahme von zwei Fällen nicht einmal angezeigt worden sei. Den Bildstöcken, so Zemelka, drohe Gefahr aber nicht nur durch Bautätigkeiten, Verkehrsunfälle und  durch die Land- und Forstwirtschaft, sondern auch durch eine „Kaputt-Restaurierung“: „Werden Kleindenkmale nicht absolut fachgerecht restauriert, verlieren sie sofort oder im Laufe der Jahre ihre Substanz und/oder ihren kunsthistorischen Wert.“ Hier will die Landkreisverwaltung, die die Restaurierung finanziell fördert, künftig besonders auf fachgerechte Arbeiten achten.


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